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Kein Einlass bei Guetta: Tausende kommen nicht ins Stadion

70.000 Fans genießen das Lollapalooza im und am Olympiastadion. Doch bei Star-DJ David Guetta kommt es plötzlich zu einem Einlassstopp.

Berlin. Die Bässe hämmern von allen Seiten. Sechs verschiedene Bühnen wurden in und um das Berliner Olympiastadion aufgebaut, um rund 70.000 Feierwütigen ein zweitägiges Musikfestival vom Feinsten zu bieten.

Auf dem Spielfeld im Olympiastadion, wo sonst eigentlich die Hertha ihre Heimspiele bestreitet, tanzen Zehntausende. Aus den riesigen Musikboxen schallt Elektro- und Technomusik. Hier legen DJs mit Weltruhm auf, wie zum Beispiel Oliver Koletzki oder Armin Van Buuren. Seit vormittags um 12 Uhr kommen Raver auf ihre Kosten.

Am Abend legt hier Star-DJ David Guetta auf. Doch der Ansturm ist viel zu groß. Kurz vor Beginn seiner Show bilden sich vor dem einzigen Zugang zum Stadion lange Schlangen. Die Veranstalter verhängen aus Sicherheitsgründen einen Einlassstopp - zum Ärger Tausender Guetta-Fans. Sie verlassen das Festivalgelände in Scharen.

Schon am Nachmittag sind auf dem Maifeld Zehntausende Menschen unterwegs. Sie ziehen umher zwischen den anderen Bühnen. Auf der großen Mainstage tritt am frühen Abend der deutsche Rapper Casper auf. Vor wenigen Tagen noch sang er mit Musikerkollegen in Chemnitz gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.

Auch sein Auftritt beim Lollapalooza ist politisch angehaucht. Zwar fordert er seine Zuschauer vor allem zum Tanzen auf. Aber in einer ruhigen Minute blickt er noch mal auf jene Ereignisse in Chemnitz zurück, die die Nation bewegen. Sein Resultat: „Ein Konzert alleine reicht nicht. Wir dürfen nicht wegsehen, sondern müssen unsere Stimmen erheben.“ Er schiebt noch die Mahnung hinterher, dass sich die dunkle Vergangenheit Deutschlands nicht wiederholen dürfte. Dann fährt er mit seiner Show fort. Oder besser gesagt: Er absolviert auf der Bühne sein Sportprogramm. Casper übt sich im Sprint genauso wie im Hoch- und Weitsprung. Heraus kommt ein energiegeladenes Konzert, das die Zuschauer zum Tanzen bringt.

Im Anschluss hat auf der zweiten großen Bühne gegenüber der Mainstage die amerikanische Band „The National“ ihren Auftritt. Der lässt die Herzen der Rockfans höher schlagen. Sänger Matt Berninger nimmt sogar ein Bad in der Menge. Einfühlsam, aber dennoch stimmgewaltig und rockig ist sein Auftritt.

Und genau das ist auch das Konzept des Lollapalooza-Festivals, das ursprünglich in den 90er-Jahren in den USA ins Leben gerufen wurde: Fans möglichst aller Musikrichtungen sollen auf einem einzigen Festival gemeinsam feiern und Musik hören.

Doch das Lollapalooza in Berlin lässt die Musik stellenweise beinahe in den Hintergrund treten - so spannend ist das Programm abseits der Bühnen. Unterhalb vom Sommerbad am Olympiastadion ist ein kleines Zirkusdorf aufgebaut, mit Zelten und Chillout-Bereichen. Schausteller in bunten Kostümen und auf Stelzen ziehen umher. Frauen können sich mit Glitzerpuder schminken oder sich Blumen ins Haar flechten lassen. Zwar sehen so viele der Besucherinnen gleich aus, aber ein Festivalgefühl à la Woodstock ist damit zum Greifen nah.

K.I.Z. spielen vor einer Dschungelkulisse

Auf dem Maifeld ist ein Riesenrad aufgebaut. Und sogar ein extra Kinder- und Familien-Areal gibt es. Hinter dem Stadion erstreckt sich ein großes Street-Food-Dorf, wo es allerhand Köstlichkeiten zu kaufen gibt. Allerdings nur, wenn man seinen Chip aufgeladen hat. Der hängt am Armband, das man für den Eintritt bekommen hat. Doch den Chip aufzuladen ist gar nicht so leicht: Vor den Aufladestationen bilden sich lange Schlangen - Bar zahlen ist unmöglich auf dem Festival. Und so muss jeder der 70.000 Besucher seinen Chip mit Geld aufladen. Möglich wäre das zwar auch über eine App, aber auch hier herrscht Überbelastung. Und so müssen sich die Festivalbesucher immer wieder in Geduld üben.

Am Abend spielt der amerikanische Rapper The Weeknd. Mit im Gepäck hat er nicht nur seine großen Hits, wie zum Beispiel „Stardust“, sondern auch eine beeindruckende Lichtshow. Doch nicht der amerikanische Sänger ist der Hauptact an diesem Tag. Sondern das Kreuzberger Rap- Trio K.I.Z. Anfang der Woche gaben die Berliner Rapper noch ein kleines Geheimkonzert vor nur einigen hundert Fans im Festsaal Kreuzberg. Und nun spielen sie plötzlich vor mehreren Zehntausend. Ihrer Show tut das keinen Abbruch. Voller Elan und Energie unterhalten sie das Publikum. Vor einer Bühnenkulisse, die an eine Stadt erinnert, die sich der Dschungel zurückerobert hat. Das passt zum K.I.Z.-Hit „Hurra die Welt geht unter“, in denen die Jungs den Untergang des Kapitalismus besingen. Die Welt geht an diesem Abend aber für die Fans erst unter, als die Rapper die Bühne am Ende des Konzerts verlassen.

+++ Berlin-Podcast +++ Um die organisatorischen Probleme beim Lollapalooza geht es auch im Podcast "Molle und Korn" :

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