Tegel

Hilfsorganisationen präsentieren sich beim Lebensrettertag

Hilfsorganisationen gewähren beim fünften Lebensrettertag in Tegel an der Greenwichpromenade einen Einblick in ihre Arbeit.

Lasse Braun vom THW zeigt Besuchern mit einem wassergefüllten Luftballon, wie gefühlvoll man mit einem Spreizer umgehen kann

Lasse Braun vom THW zeigt Besuchern mit einem wassergefüllten Luftballon, wie gefühlvoll man mit einem Spreizer umgehen kann

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Behutsam drückt Lasse Braun einen Knopf. Die Greifarme des 18 Kilogramm schweren sogenannten Spreizers schließen sich langsam. In der Mitte: Ein empfindlicher, mit Wasser gefüllter Luftballon. Ziel ist es, diesen nicht zum Platzen zu bringen, während Lasse ihn von einer Seite zur anderen transportiert. „Damit möchten wir zeigen, wie fein das Gerät reagieren kann, obwohl wir damit im Einsatz Betonplatten bis zu vier Tonnen bewegen können, etwa bei einem Hauseinsturz“, erklärt Sascha Braun, Truppenführer erste Bergung beim Technischen Hilfswerk (THW). Viele Besucher sind fasziniert von dem Gerät, testen es selbst. So wie auch die Geräte vieler anderer Hilfsorganisationen, die beim fünften Lebensrettertag in Tegel an der Greenwichpromenade einen Einblick in ihre Arbeit gewähren. Mit dabei sind neben dem THW das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die Johanniter und die freiwillige Feuerwehr.

Einfach so stellen die Anwesenden nicht ihre Fahrzeuge und Arbeitsgeräte aus. Der Hintergrund ist ernst. „Wir möchten zeigen, was wir in unserer Freizeit machen, um Menschen zu retten“, sagt Markus Schneid, Organisator und Pressesprecher des THW Berlin-Reinickendorf. Alle Einsatzkräfte arbeiten ehrenamtlich, teilweise mehrere Tausend Stunden im Jahr. Sie laden zum Lebensrettertag ein, um auf sich aufmerksam zu machen und um Mitglieder zu werben, wie Schneid sagt. Denn wie bei anderen Vereinen, gebe es auch bei den Hilfsorganisationen Nachwuchsmangel. Geldsorgen sind ebenfalls ein Thema, die meisten sind auf Spenden angewiesen. Nicht ohne Grund steht auf dem Gelände ein Schild „Helfen Sie uns helfen“.

Der DLRG geht es genauso. „Wir brauchen dringend ein neues Boot“, appelliert Gerhard Troschke, stellvertretender Bezirksleiter der DLRG in Reinickendorf. Die beiden Einsatzfahrzeuge seien um 15 Jahre alt und nicht mehr auf dem neuesten Stand. „Dieses hier ist aus Glasfaser, die neuen bestehen aus Aluminium und haben im vorderen Teil eine Klappe, mithilfe derer wir Personen wesentlich einfacher ins Boot ziehen können“, sagt Troschke. Zum Kauf fehlt allerdings noch viel Geld. „40.000 Euro kostet so etwas, 10.000 Euro kommen für eine spezielle Ausstattung noch hinzu“, kalkuliert der stellvertretende Bezirksleiter. Abstriche könnten nicht viele gemacht werden, schließlich gehe es um Menschenleben. Somit müsse das Boot auch mindestens 110 PS haben, um schnell bei der verunglückten Person zu sein und gegen die Strömung anzukommen. Und das kommt laut den Fachleuten im Einsatzgebiet Tegeler See nicht selten vor. Besonders, wenn jemand mit seinem Segelboot kentere und nicht mehr ins Boot komme. Das Wasser ist kalt, die vollgesogene Kleidung zieht die Person nach unten, da ist Schnelligkeit der Einsatzkräfte geboten. Das geht eben nur mit der richtigen Ausrüstung.

Um den Besuchern auch zu zeigen, wie so ein Einsatz aussehen kann, haben sich alle Hilfsorganisationen etwas überlegt. Die Johanniter sind mit drei Hunden vor Ort und zeigen, wie eine Flächensuche abläuft. Eine Person hat sich in einiger Entfernung hingelegt. Die Halter haben ihre Hunde auf die Suche vorbereitet, ihnen eine Weste umgebunden, damit beim Einsatz im Wald auch Jäger wissen, dass der Hund jemanden sucht. Dann: Ein Kommando und Boxer Bella sprintet los. Sie braucht nicht lange, bis sie die Person entdeckt hat, rennt zurück zum Halter und zeigt den Weg. Andere Hunde bellen so lange neben dem Gefundenen, bis der Halter vor Ort ist, erklären die Spezialisten der Johanniter.

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