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Politiker stehen vor Dienstwagen-Dilemma

Saubere Hybrid-Fahrzeuge sind für die Berliner Senatoren und Staatssekretäre viermal teurer als Benziner oder Diesel.

Es besteht ein Dilemma, wenn es um das Thema Dienstfahrzeuge geht

Es besteht ein Dilemma, wenn es um das Thema Dienstfahrzeuge geht

Foto: picture alliance / dpa

Berlin. Das Thema Dienstwagen ist heikel für Politiker. Die kritische Öffentlichkeit beäugt in schöner Regelmäßigkeit, mit welchen Modellen sich Senatoren und Staatssekretäre herumfahren lassen. Vor allem der Ausstoß von Schadstoffen wie Kohlendioxid oder Stickoxide sorgt für Diskussionen.

Jüngst geriet der Regierende Bürgermeister öffentlich in Wut über die Beamten. Diese hätten ihm vermittelt, die schwere Mercedes S-Klasse mit 530 PS und einem Kohlendioxid-Ausstoß von mehr als 400 Gramm pro Kilometer sei aus Sicherheitsgründen ohne Alternative. Als Müller dann von der Umwelthilfe als der Länderchef mit der schmutzigsten Limousine angezählt wurde, reifte bei dem Sozialdemokraten die Erkenntnis, dass andere Ministerpräsidenten offenbar sauberere Autos fahren. Jetzt denkt Müller darüber nach, den Wagen auszutauschen.

Wie Müller brüten in diesen Tagen auch andere Regierungsmitglieder über der Modell-Liste mit Leasingfahrzeugen, die die Innenverwaltung mit Zuarbeit der Kollegen aus dem Verkehrsressort zusammengestellt hat.

Manche ärgern sich dabei: Denn bei der Frage, welches Modell die Stadt für sie als personengebundenen Dienstwagen für die nächsten zwölf Monate leasen soll, stehen die Politiker vor einem Dilemma. Verhalten sie sich umweltgerecht und klimafreundlich, verursachen sie deutlich höhere Kosten für das Land Berlin, als wenn sie auf Limousinen mit Benzin- oder Dieselmotoren zurückgreifen. „Die Konzerne versuchen, ihre schlecht verkäuflichen Diesel-Modelle mit Dumpingpreisen unterzubringen“, so ein Senatsmitglied.

Diesel-Autos gibt es schon für rund 200 Euro im Monat

Die Unterschiede sind erheblich, wie die dieser Zeitung vorliegende Modell-Liste verrät. Die Spanne liegt zwischen rund 200 Euro im Monat für Benziner und mehr als 1300 Euro für saubere Plug-in-Hybrid-Autos, deren Batterien auch über das Stromnetz geladen werden. Saubere Autos verursachen viermal höhere Betriebskosten als dreckigere Wagen. Audi bietet seine Dieselbetriebene A6 Limousine 45 TDI quattro bereits für 219,57 Euro Leasingrate pro Monat an. Das Gefährt mit 230 PS stößt den Angaben zufolge 146 Gramm Kohlendioxid je Kilometer aus. Damit liegt das Modell über den Richtlinien des Senats für die umweltfreundliche Beschaffung, steht aber dennoch auf der Liste.

Auch der Diesel-Mercedes E 220d käme mit einer Leasingrate von 218,13 Euro ziemlich günstig, reißt aber die Latte bei den Emissionen von Stickoxiden. Dafür liegen aber die jährlichen Betriebskosten deutlich unter 5000 Euro.

Ähnlich niedrigere Leasingraten, die deutlich unter dem liegen, was private Kunden für vergleichbare Autos zahlen müssen, bieten die Hersteller auch für Benziner an. Die BMW-520i-Limousine ist mit 178 Euro monatlicher Leasingrate das billigste Modell auf der Senatsliste. Dafür liegt es beim Kohlendioxid am oberen Rand und hat mit den höchsten Ausstoß von Stickoxiden.

Gerade beim Kampf gegen krankmachende Stickoxide gibt es Handlungsbedarf. Um diesen Schadstoff zu reduzieren, dürfen Autofahrer auf der Leipziger Straße und dem Tempelhofer Damm nur noch 30 Stundenkilometer fahren. Zuletzt verhängte das Gericht für Frankfurt am Main flächendeckende Fahrverbote, die auch in Berlin drohen. Bemerkenswert: Die Berliner Beamten geben für ihre Auto-Auswahl Stickoxid-Emissionen an, die sich bei Benzinern und Diesel-Fahrzeugen kaum unterscheiden. Gemeinhin gilt der Diesel als wichtigste Quelle des Gases.

Saubere Autos kommen die Politiker deutlich teurer als solche mit reinen Verbrennungsmotoren. So soll der Voll-Hybrid-Benziner des japanischen Typs Lexus IS300h, also ein Auto, dessen Batterie während des Fahrens beziehungsweise Bremsens aufgeladen wird, pro Monat 678,39 Euro kosten, dreimal mehr als die Diesel oder Benziner. Der Toyota Prius schlägt mit 775,17 Euro zu Buche.

Liefer-Probleme bei E-Autos und Hybrid-Wagen

Noch teurer, aber auch noch sauberer ist der Volvo V90 Twin Engine AWD Momentum. Als Kombi kostet der schwedische Plug-in-Hybrid 1388,28 Euro jeden Monat. Dafür verursacht der Wagen nur ein Drittel des Kohlendioxids der schmutzigsten Modelle und ein Drittel des Stickoxids.

Innen-Staatssekretärin Sabine Smentek (SPD) hatte im Juni angekündigt, dass für die nun vorliegende Liste „zunehmend ausländische Marken“ geprüft werden sollten. Das Angebot an als Dienstwagen geeigneten Elektro- und Hybridfahrzeugen habe sich „aktuell nicht verbessert“, schrieb sie auf eine Anfrage der Grünen. So sei das Elektrohybridfahrzeug VW Passat, das derzeit sechs Senatoren oder Staatssekretäre nutzen, nicht vor 2019 lieferbar. Man versuche daher, die bestehenden Leasingverträge zu verlängern.

Schon in der letzten Leasing-Runde hatten die rot-rot-grünen Regierungsmitglieder den Senatsfuhrpark sauberer gemacht. Zehn der 36 Senatoren und Staatssekretäre nutzen einen Elektrohybrid-Wagen. Nur noch sechs waren (Stand Juni) mit einem Diesel unterwegs. Zwei davon, darunter Kultursenator Klaus Lederer (Linke), haben inzwischen einen Benziner bestellt.

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