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Potenzial am Ostkreuz

Trotz Forderungen: Weiterhin kein ICE-Halt am Bahnhof Zoo

Der neue Bahnchef Richard Lutz will ICE-Züge nicht in der City West halten lassen. Am Ostkreuz sieht er dagegen ein größeres Potenzial.

Bahnhof Zoo, Hardenbergplatz, Charlottenburg, Berlin, Deutschland *** Bahnhof Zoo Hardenbergplatz Charlottenburg Berlin Germany

Foto: imago stock / imago/Joko

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Berlin. Für Jürgen Sänger ist das „wirklich ein Ärgernis“. Regelmäßig ist der Geschäftsmann in Richtung Braunschweig unterwegs. Am liebsten mit der Bahn. Doch die Züge fahren für den Charlottenburger nicht an der für ihn nächstgelegenen Station, dem Bahnhof Zoologischer Garten, sondern ausschließlich vom Hauptbahnhof ab. „Das sind für mich zwar nur ein paar Stationen mit der S-Bahn. Aber es kostet mich pro Reise eine halbe Stunde mehr an Zeit und ich muss zwei Mal zusätzlich Umsteigen“, so der 54-Jährige.

Dabei wird es für Sänger und Zehntausende andere Bahnnutzer aus der City West auch künftig bleiben. Trotz entgegengesetzter Forderungen aus der Berliner Politik, vor allem aber von den Bewohnern und Geschäftsleuten wird der seit 2006 vom Fernverkehr abgekoppelte Bahnhof Zoo auch unter dem neuen Bahnchef Richard Lutz nicht wieder zum ICE-Halt. Das machte Lutz am Mittwoch während eines Sprechtages des Deutschen Bahnkundenverbandes (DBV) im Hauptbahnhof deutlich. Die konkrete Absage überließ der Vorstandschef der Deutschen Bahn seinem Konzernbevollmächtigten für Berlin, Alexander Kaczmarek. „Wir haben das wirklich unvoreingenommen geprüft, aber ein zusätzlicher ICE-Halt ist aufgrund der starken Belegung der Stadtbahntrasse nicht möglich“, erklärte dieser auf Nachfrage in der Diskussionsveranstaltung.

Für Verblüffung unter den mehr als 70 Zuhörern sorgte dann jedoch die von Kaczmarek wenig später vorgetragenen Überlegung, künftig am Bahnhof Ostkreuz ICE halten zu lassen. Der Kreuzungsbahnhof an der Grenze zwischen Friedrichshain und Lichtenberg ist von der Bahn in den vergangenen zehn Jahren für rund 450 Millionen Euro komplett umgebaut und modernisiert worden. Inzwischen halten dort nicht nur die Züge von acht der insgesamt 16 Linien der Berliner S-Bahn, sondern auch die von sieben Regionalbahn-Verbindungen. Seit Frühsommer stoppen dort auch zwei Mal am Tag Fernzüge des Bahn-Konkurrenten Flixtrain und ein Intercity der Bahn nach Norddeich Mole.

Kapazitäten am Bahnhof Ostkreuz werden ausgebaut

Nach der Zahl der Zughalte (täglich 1606, stand 2017) sei das neue Ostkreuz inzwischen der am stärksten frequentierte in ganz Deutschland, sagte Bahnchef Lutz nicht ohne Stolz. Er bestätigte zugleich an, dass bis zum Fahrplanwechsel im Dezember die Kapazität des Bahnhofs Ostkreuz noch weiter ausgebaut wird. Wie berichtet, sollen für den verspätungsanfälligen S-Bahnverkehr dann zwei zusätzliche Gleise in Richtung in Ostbahnhof in Betrieb gehen, der Regionalverkehr bekommt einen weiteren Bahnsteig für die Verbindungen in Richtung Osten. „Am Ostkreuz gibt es hervorragende Umsteigemöglichkeiten für die Reisenden. Das sollten wir auch nutzen“, sagte der DB-Bevollmächtige Kaczmarek. Dabei ließ er offen, ob die Fernzüge dann auch weiterhin im unmittelbar benachbarten Ostbahnhof stoppen oder ob dieser Halt dann zugunsten von Ostkreuz wegfällt.

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Allerdings: Die Fernzüge, die derzeit noch in Ostkreuz zum Bahnwerk Rummelsburg durchfahren, sind genau die ICE-Züge, die auf der laut Bahn komplett ausgelasteten Stadtbahntrasse unterwegs sind. Zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg müssen sich der Fernverkehr und der dicht getaktete Regionalzugverkehr zwei Gleise teilen. Nur geringfügige Abweichungen eines Zuges kann rasch den Verkehr auf vielen anderer Verbindungen aus dem Fahrplan bringen. Vor allem Verspätungen im Regionalverkehr, den die Bahn im Auftrag der Länder ausführt, hat für den Konzern dabei harte finanzielle Konsequenten. Denn es drohen bei Ausfällen und Verspätungen erhebliche Strafabzüge.

Kritiker der Entscheidung verweisen darauf, dass die Argumente für einen ICE-Halt am Ostkreuz auch auf den Bahnhof Zoo zutreffen. Laut Bahn steigen dort täglich 110.000 Reisende ein-, aus- oder um. Dazu kommen aber weitere 170.000 Fahrgäste, die dort mit der BVG unterwegs sind (zwei U-Bahn- und 13 Bus-Linien). „Nach Fahrgästen ist der Bahnhof Zoo unsere Nummer zwei in Berlin – nach dem Alexanderplatz“, so BVG-Sprecherin Petra Reetz. DBV-Präsident Gerhard J. Curth will in Sachen Bahnhof Zoo nicht locker lassen. „Wir werden auch mit ihrem Nachfolger über den Fernzughalt in der City West fordern“, so Curth zu Bahnchef Lutz.

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