Klärwerk Waßmannsdorf

275 Millionen Euro für klares Wasser in Berliner Klärwerk

Im Klärwerk Waßmannsdorf gibt es einen neuen Tank. Er nimmt das Abwasser von 1,2 Millionen Berlinern auf.

Im neuen Tank im Klärwerk Waßmannsdorf südlich von Berlin laufen die letzten Arbeiten

Im neuen Tank im Klärwerk Waßmannsdorf südlich von Berlin laufen die letzten Arbeiten

Foto: Reto Klar

Schönefeld. Es ist die derzeit größte Baustelle und das größte Investitionsprojekt der Berliner Wasserbetriebe: der Ausbau des Klärwerks Waßmannsdorf in Brandenburg, in direkter Nachbarschaft zum Schönefelder Flughafen. 275 Millionen Euro kosten die Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen. Das Abwasser von rund 1,2 Millionen Berlinern und 120.000 Brandenburgern wird hier geklärt und wiederaufbereitet. Und auch der Flughafen Schönefeld sowie künftig auch der BER hängen an den Abwasserleitungen von Waßmannsdorf.

Nun steht die Fertigstellung eines riesigen Abwasserspeicherbeckens kurz bevor. Aber eigentlich ist Becken das falsche Wort. Vielmehr handelt es sich um eine gigantische Halle, die 70 Meter breit, 80 Meter lang und zwölf Meter hoch ist – der größte Tank seiner Art in einem Klärwerk in Deutschland. „Der neue Speicher ist doppelt so groß ist wie der Konzertsaal der Berliner Philharmonie“, verdeutlicht es Stephan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe, bei einem Rundgang über die Baustelle.

Bei Starkregen kann Abwasser zwischengelagert werden

Insgesamt 50.000 Kubikmeter Abwasser sollen hier in Spitzenzeiten zwischengelagert werden. Und zwar immer dann, wenn das Klärwerk mit der Aufnahme von Abwasser nicht mehr hinterherkommt. Sprich: bei Starkregen. Mit dem neuen Riesentank vor den Toren Berlins soll die Kanalisation der gesamten Stadt entlastet werden. Bei Starkregen staut sich bisher nämlich das Abwasser in der Kanalisation. Sammelt sich zu viel von dem Schmutzwasser, läuft es ungeklärt in fließende Gewässer wie die Spree. Oder lässt die Gullydeckel durch den Wasserdruck aus ihren Fassungen springen. So geschehen im Juni vergangenen Jahres, als rund sechs Millionen Kubikmeter Regen innerhalb von zwei Tagen in Berlin fielen, wie Schätzungen der Wasserbetriebe damals ergaben.

Doch noch liegt die überdimensionale Regentonne brach: Im April 2017 wurde Spatenstich gefeiert. Nun, eineinhalb Jahre später, ist die riesige Betonhalle fast fertig – lediglich einige Verkabelungen fehlen noch. Aber noch im September sollen die Becken testweise geflutet werden. Mitte Januar beginnt dann der Probebetrieb, ehe im Mai die Speicherbecken regulär in Betrieb gehen. Die letzte Gelegenheit jetzt also, einen Blick in den neuen Supertank zu werfen.

Rundgang durch Berlins größte Regentonne

Die aus Beton gebaute Halle ist in zwei gleichgroße Becken unterteilt, die durch eine Wand getrennt sind. Noch werkeln hier Arbeiter herum, verlegen Kabel oder bauen die Lüftung aus. Doch schon bald wird in diesen Tanks bei starken Regen das Abwasser „geparkt“. Wenn das Klärwerk nebenan wieder Kapazitäten frei hat, wird mit riesigen Pumpen das Abwasser auf die andere Seite gepumpt.

Zurück bleiben Dreck, Schlamm, Fäkalien. Um die loszuwerden, stürzen Wassermassen aus riesigen, an der Decke hängenden Tanks auf den Hallenboden herunter. Insgesamt vier solcher Wassertanks – Spülschwellen, wie sie in der Fachsprache heißen – gibt es pro Becken. Ein Tank fasst 20 Kubikmeter Wasser – so viel, wie ein Berliner im Durchschnitt in einem halben Jahr verbraucht, „für das Duschen, Kochen, Blumengießen, Putzen“, erklärt Natz.

Mindestens zehnmal pro Jahr sollen die riesigen Becken geflutet werden, so die Schätzung der Berliner Wasserbetriebe. „Aber das kommt natürlich auch immer ganz auf das Wetter an“, sagt Natz. „Im letzten Jahr hätten wir die Tanks auch sicherlich 30-mal volllaufen lassen können.“

Großbaustelle belastet umliegenede Gemeinden

Neben den neuen Speicherbecken gibt es bei der größten Baustelle der Berliner Wasserbetriebe im Klärwerk Waßmannsdorf auch die Erweiterung um zwei auf zehn Reinigungslinien sowie eine zusätzliche Reinigungsstufe, die Phosphor besser entfernt. In den Klärstraßen werden zunächst große Gegenstände, wie Lappen oder tote Tiere, herausgefischt. Danach wird der Sand herausgefiltert, bevor das Wasser biologisch bearbeitet und mit Sauerstoff angereichert wird. In einer neuen Reinigungsstufe sollen künftig Phosphatreste aus dem Wasser entfernt werden. Als Nebeneffekt entsteht ein mineralischer Dünger, der „Berliner Pflanze“ heißt.

Das Klärwerk Waßmannsdorf ist eine Großbaustelle im Moment. Und damit auch eine Belastung für die umliegenden Gemeinden. Um die aber zu schonen, haben sich die Berliner Wasserbetreibe etwas einfallen lassen: Anstatt die bei den Bauarbeiten ausgegrabene Erde auf eine Deponie zu karren – für die rund 100.000 Kubikmeter Boden wären immerhin schätzungsweise 25.000 Lkw-Fahrten angefallen –, wurde die Erde in der Nähe des Klärwerks angehäuft. Und so ragt nun am Horizont ein sanfter Hügel in die Höhe, der bereits mit kleinen Bäumen bewachsen ist. Und nebenbei wurden die Gemeinden noch vor Durchfahrtsverkehr verschont.

Mehr zum Thema:

Trockener Sommer: Berliner verbrauchen mehr Wasser

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.