"Wir brauchen Kitaplätze"

70.000 Unterschriften für Kitaplätze

Dem Senat wird eine Petition für mehr Plätze in Kindertagesstätten überreicht - mit über 70.000 Unterschriften.

Eltern und Erzieher demonstrieren in Berlin für mehr Plätze in den Kitas und bessere Bezahlung der Erzieher

Eltern und Erzieher demonstrieren in Berlin für mehr Plätze in den Kitas und bessere Bezahlung der Erzieher

Foto: dpa Picture-Alliance / Carsten Koall / picture alliance / Carsten Koall

Berlin. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) wird heute eine Petition überreicht bekommen: „Wir brauchen Kitaplätze! JETZT!“ Vor sechs Monaten, mitten in der heftigsten Zeit der Kitakrise in Berlin, wurde sie von Christine Kroke initiiert, damals Mutter eines sechsmonatigen Sohnes. „Seit über einem Jahr suche ich nach einem Kitaplatz – ich habe fast 100 Kitas angeschrieben“, berichtete sie von ihrer Verzweiflung. 70.000 Menschen haben auf der Internetplattform change.org die Petition seitdem unterschrieben.

Kroke stand exemplarisch für die Wut vieler Eltern auf die Berliner Politik. Ein Kitaplatz ist begehrt, und wer sein Kind irgendwo unterbringen möchte, benötigt starke Nerven bei der Suche. Um eine gemeinsame, starke Stimme zu haben, gründete sich im Frühjahr die Elterninitiative „Kita Krise“ – die Petition von Kroke wurde Teil davon, war sie doch Ausdruck der Krise. Darum ist Katharina Mahrt, eine der Gründerinnen der Elterninitiave, bei der Übergabe auch dabei.

Petitionsinitiatorin hat Platz bei Tagesmutter gefunden

„Wir sind schon überrascht, dass so viele Unterschriften zusammengekommen sind“, sagt Mahrt. Auch sie merkt, dass sich die Situation inzwischen – im Vergleich zum Frühjahr – etwas entspannt hat. Selbst ihre Mitstreiterin Kroke, die Petitionsinitiatorin, hat im Sommer einen Platz bei einer Tagesmutter für ihren Sohn gefunden.

Laut Senatsbildungsverwaltung zeigt das aktuelle Kita-Monitoring, dass im August alle Anspruchsberechtigten mit einem Kitaplatz versorgt waren. Wichtig ist Mahrt deshalb zu betonen, dass man nicht nur für die suchenden Eltern spreche. „Wir wollen zeigen, wie solidarisch wir mit den Erzieherinnen sind“, sagt sie. Deren Arbeitsbedingungen müssten sich verbessern. Und vor allem: Berlin brauche dringend mehr Erzieher. Und das schnell.

Eine Verbesserung, die auch beim Kitagipfel beschlossen wurde, zeigt erste Wirkung: Menschen, die im Umfeld einer Kita arbeiten, aber keine Erzieher sind, erhalten nach und nach feste Verträge. „Es sind bisher rund 100 Anträge für ,sonstige geeignete Personen‘ genehmigt“, bestätigt Iris Brennberger, Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung. Sie können in Kitas die Erzieher entlasten.

Auch bei dem Punkt, dass man die Erzieherausbildung bald mit einem MSA-Abschluss beginnen kann, tut sich etwas. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) plant in Berlin einen Schulversuch. Vorher will man sich aber mit der Kultusministerkonferenz abstimmen. Man hofft, dass auch andere Bundesländer mitziehen.

Probleme bei Umschulung Arbeitsloser zu Erziehern

Und vier von fünf der Kita-Eigenbetriebe haben inzwischen Vereinbarungen mit den zuständigen Bezirksämtern getroffen. Das sei wichtig. Nur so könne man Eltern, wenn „es wieder knapp wird“, mit einem Kitaplatz versorgen, so Brennberger. Die Hoffnung ist, dass so weniger geklagt wird.

Probleme gibt es aber wohl noch bei der Umschulung Arbeitsloser zu Erziehern. Das Modell sieht vor, dass das Gehalt die ersten beiden Jahre die Bundesagentur für Arbeit übernimmt (1900 Euro brutto) und im letzten Jahr dagegen allein der Kita-Träger. „Ich empfehle das Modell ausdrücklich nicht“, sagte nun Babette Sperle vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS).

Denn im letzten Jahr würde der Erzieher in Ausbildung als volle Stelle auf den Personalschlüssel angerechnet, dabei arbeitet er nur die halbe Zeit – den Rest benötigt er für die Erzieherschule. Gerade für Kitas mit einem engen Budget rechne sich das nicht. Sperle forderte, dass sich das Land Berlin an diesem letzten Ausbildungsjahr finanziell beteilige. Auch in manchen Jobcentern scheint man mit dieser Umschulung noch nicht vertraut – zumindest lautet so der Vorwurf der „Kitarechtler“, einer Anwaltskanzlei, die sich auf Kitafragen spezialisiert hat.

Mitarbeiter von Jobcentern seien für diese neue Maßnahme nicht geschult worden, würden sie nicht kennen. Auch beim DaKS merkt man, dass manche Träger noch nie von der neuen Umschulung gehört haben. „Wir hatten es aber im Kita-Informationsbrief im Mai groß kommunziert“, so Brennberger von der Bildungsverwaltung.

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