Holz-Kitas

Kita-Offensive für Berlin: 3400 neue Plätze in Holzbauten

Die Gebäude aus Fertigteilen kosten insgesamt 120,5 Millionen Euro. An diesen 28 Standorten sollen sie entstehen.

Ein Modell der neuen modularen Kitabauten für Berlin

Ein Modell der neuen modularen Kitabauten für Berlin

Foto: Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin.  Berlin will in den kommenden Jahren 3400 neue Kitaplätze in Gebäuden schaffen, die in Holzbauweise aus Fertigteilen errichtet werden. Die Typenbauten werden „Mokibs“ (modulare Kitabauten für Berlin) genannt und sollen jeweils zwischen knapp 70 und 170 Kinder beherbergen. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 120,5 Millionen Euro. Wie aus einem Bericht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hervorgeht, sind dafür bereits 28 Grundstücke in elf Bezirken vorgesehen. Die ersten Kitabauten sollen 2019 in Auftrag gegeben, einige noch im selben Jahr fertigstellt werden.

Bezahlen will die rot-rot-grüne Koalition die Gebäude samt Erstausstattung zunächst aus dem Investitionsfonds des Landes, dem „Sondervermögen für Infrastrukturprojekte der wachsenden Stadt“ (Siwana). Dort sind bereits 85 Millionen Euro verankert, für die restlichen 35,5 Millionen Euro will der Senat im kommenden Jahr einen Finanzierungsvorschlag unterbreiten. Vermutlich wird auch die Restsumme aus dem Siwana-Topf beglichen.

Das Projekt ist dringend notwendig. Denn, so heißt es im Haus der Bildungssenatorin: In den nächsten drei Jahren benötige die Stadt 193.000 Kitaplätze. Das sind 22.000 mehr, als derzeit angeboten werden. Zwar ist die Lage zu Anfang des Schuljahres entspannt, da gerade viele Kitakinder in die erste Klasse gewechselt sind, jedoch werden Kleinkinder in die Kitas nachrücken. „Wenn wir auf einen Schlag 3000 Plätze mehr hätten, dann wäre die Lage für dieses Kitajahr entspannt“, sagte eine Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) der Berliner Morgenpost.

5000 Erzieher bis 2021 nötig

Doch noch knapper als Kitaplätze sind in Berlin Erzieher und Erzieherinnen. „Im Moment bräuchten wir mehrere Hundert Erzieher“, so die Sprecherin der Bildungsverwaltung. Bis 2021 rechne man gar mit einem Bedarf von 5000 Fachkräften. Entsprechend verhalten sind die Reaktionen aus der Opposition auf die angekündigte Kitabauoffensive: „Aktuell haben wir eine ausreichende Anzahl an Kitaplätzen“, sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Paul Fresdorf. „Wir müssen so schnell wie möglich mehr Fachkräfte in die Kitas bringen“, so der Politiker. Die Bildungsverwaltung betonte, man sei sich bewusst, dass dies ein zentraler Punkt sei, damit der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gesichert werden könne. Daher werde der Beruf für Quereinsteiger und für „sonstige geeignete Personen“ geöffnet. Zudem bilde man verstärkt aus. Allerdings arbeiten wegen des niedrigeren Gehaltsniveaus in Berlin viele Erzieher lieber in Brandenburg.

Die FDP-Fraktion kritisiert auch, dass viele freie Träger am Bauen neuer Kitas gehindert würden, die Genehmigungsverfahren seien zu kompliziert. „Der Senat muss die Verfahren entschlacken, dann könnte das Doppelte gebaut werden“, so Fresdorf. Tatsächlich wird der größte Teil der Kitaplätze in Berlin von den Trägern selbst gebaut – und aus Landes- und Bundesprogrammen gefördert. Im vergangenen Jahr entstanden so fast 4000 zusätzliche Plätze. Allerdings konnte etwas mehr als die Hälfte der Fördermittel nicht ausgegeben werden, da 34 Anträge auf Aus- oder Neubau etwa wegen Problemen mit Baugenehmigungen gestoppt werden mussten.

Die modularen Holzbauten, die der Senat jetzt bauen möchte, können je nach Bedarf und Standort zwischen ein und drei Stockwerke hoch errichtet werden. Durchschnittliche Baukosten pro Kitaplatz: 35.000 Euro. „Ausgerechnet jedoch in Friedrichshain-Kreuzberg, wo besonders viele Eltern nicht mit einem Kita-Platz versorgt werden können, sollen keine modularen Bauten entstehen. Dazu hieß es in der Bezirksverwaltung, für die modulare Bauweise fehlten geeignete Freiflächen. Das Kitaplatznot sei zudem vor allem auf den Erziehermangel zurückzuführen. Rund 400 Plätze könnten aus diesem Grund nicht belegt werden.“ In den Bezirken Mitte und Pankow sind die meisten „Mokibs“ geplant, jeweils vier. Reinickendorf, Spandau und Lichtenberg erhalten je drei, Neukölln nur eine, die übrigen Bezirke zwei.

In den Bezirken Mitte und Pankow sind die meisten „Mokibs“ geplant, jeweils vier. Reinickendorf, Spandau und Lichtenberg erhalten je drei, Neukölln nur eine, die übrigen Bezirke zwei.

Das sind die Holz-Kitas in den elf Bezirken

Der Senat will 28 neue Kitas in Holzbauweise aus vorgefertigten Teilen errichten. Hier nennen wir die Standorte. Sofern die geplante Platzzahl und weitere Daten bereits vom Senat angegeben wurden, haben wir sie hinzugefügt.

Charlottenburg-Wilmersdorf
Sömmeringstraße 29, 170 Kitaplätze
Emser Straße 50,51 und 52, 170 geplante Kitaplätze, Bauauftrag im Jahr 2019

Lichtenberg
Römerweg 106/112
Harnackstraße 7/9, 136 geplante Plätze
Sewanstraße 197/199

Marzahn-Hellersdorf
Kummerower Ring 30, 136 geplante Plätze, Bauauftrag im Jahr 2019
Oberweißbacher Straße 8, 68 Plätze

Mitte
Habersaathstraße 13
Sebastianstraße 22
Wallstraße 32
Schmidstraße 4

Neukölln
Buckower Damm 192, 170 geplante Plätze, Bauauftrag im Jahr 2019

Pankow
Priesterstege 6, 68 geplante Plätze
Eschengraben 49, 136 geplante Plätze
Storkower Straße 56
Falkenberger Straße 14

Reinickendorf
Wittenauer Straße 151, 136 geplante Plätze, Bauauftrag im Jahr 2019
Namslaustraße 49
Rallenweg 2

Spandau
Zu den Fichtewiesen 14, 136 geplante Plätze, Bauauftrag im Jahr 2019
Semmelländerweg 27–29
Gelsenkircher Straße 20, 68 Plätze

Steglitz-Zehlendorf
Kaulbachstraße 57, 68 geplante Plätze, Bauauftrag im Jahr 2019
Alsenstraße 16, 136 geplante Plätze

Tempelhof-Schöneberg
Schwanheimer Straße 1–7, 136 Plätze
Albulaweg 15–19, 68 geplante Plätze

Treptow-Köpenick
Heidemühler Weg 37/39, 68 geplante Plätze
Otto-Krüger-Zeile 4–6, 68 Plätze

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