Betreuung

Berliner Firmen leiden unter Kita-Engpässen

IHK-Umfrage: In jeder dritten Firma fehlen Mitarbeiter, weil sie keine Betreuungsplätze für ihre Kinder bekommen.

Blick in eine Kita (Archivbild)

Blick in eine Kita (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Büttner / picture alliance / ZB

Berlin.  Die Wirtschaft in Berlin leidet verstärkt unter fehlenden Kitaplätzen. Etwa ein Drittel der Hauptstadt-Unternehmen spüre direkte Auswirkungen, weil Mitarbeiter nicht oder erst später aus der Elternzeit in den Betrieb zurückkehren. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) hervor. Die Kammer hatte in der vergangenen Woche, kurz vor dem Ende der Schulferien, ihre Mitgliedsunternehmen befragt und 300 Antworten erhalten.

„Mit jedem fehlenden Kitaplatz fehlt eine Fachkraft am Arbeitsplatz. Nicht zuletzt angesichts des sich zuspitzenden Fachkräftemangels stellt das viele Unternehmen vor Probleme“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. In den vergangenen zehn Jahren war die Zahl der Kinder in der wachsenden Stadt enorm gestiegen. Auch die Anzahl der Kitaplätze hatte sich zuletzt erhöht. Doch noch immer fehlen berlinweit laut Schätzungen rund 3000 Betreuungsplätze. Für 174.276 Kitaplätze liegt derzeit eine Betriebserlaubnis vor. Allerdings werden nur 163.717 zur Belegung angeboten. Ein Grund dafür ist der dramatische Personalmangel. Zum Teil sind aber auch Baumaßnahmen dafür verantwortlich, dass nicht alle genehmigten Kitaplätze tatsächlich auch angeboten werden. Der rot-rot-grüne Senat plant, bis 2021 rund 23.000 neue Kitaplätze zu schaffen.

Unternehmen wollen jetzt eigene Kitas bauen

Laut IHK-Umfrage will die Berliner Wirtschaft der Politik dabei unter die Arme greifen: Angesichts der angespannten Lage können sich rund 30 Prozent der Unternehmen vorstellen, dringend benötigte Flächen für den Bau neuer Kitas auf dem eigenen Gelände zur Verfügung zu stellen. Der Betrieb der Betreuungseinrichtungen solle dann in Kooperation mit erfahrenen Trägern erfolgen. „Unternehmen können den Ausbau nur unterstützen. Damit aus der Bereitschaft der Betriebe auch tatsächlich Betreuungsplätze werden, sind vonseiten der Verwaltung jetzt transparente Informationen, Flexibilität und geringe bürokratische Hürden notwendig“, sagte IHK-Chef Eder. Die Bildungsverwaltung begrüßte auf Anfrage den Vorstoß. Es sei positiv, wenn Unternehmen einen Beitrag leisten wollen, sagte eine Sprecherin der Berliner Morgenpost. Die Verwaltung sei zu den Plänen bereits mit Firmenvertretern im Gespräch.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hatte Berlin am Dienstag auch Nachholbedarf bei der Qualität der Betreuung in den Krippen und Kindertagesstätten bescheinigt. In der Erhebung, die auf Zahlen vom März 2017 basiert, wird vor allem der Personalschlüssel bei der Ganztagsbetreuung von unter dreijährigen Kindern gerügt. Rechnerisch kämen in Berlin auf einen Erzieher 5,9 Kinder. Das sei bundesweit der drittschlechteste Wert – hinter Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, teilte die Stiftung mit. Der Bundesdurchschnitt liegt demnach bei 4,3. Baden-Württemberg als Spitzenreiter kommt auf einen Personalschlüssel von 3,1 Kinder auf einen Erzieher. In Berlin bestehe bei der pädagogischen Personalausstattung erheblicher Ausbaubedarf, so die Experten.

Verwaltung weist Kritik zurück

Die Berliner Bildungsverwaltung wies die Kritik zurück, die Zahlen seien veraltet. Nach drei Verbesserungsschritten liege das Betreuungsverhältnis für unter zweijährige Kinder nunmehr bei 1:4, bei den Zwei- bis Dreijährigen bei 1:5, so die Sprecherin. Berlin arbeite kontinuierlich sowohl am Ausbau der Kinderbetreuung als auch an der Verbesserung der Qualität. Dies sei vor dem
Hintergrund des bundesweiten Fachkräftemangels in diesem Bereich aber eine Herausforderung. Bei den älteren Kitakindern über drei Jahren kommt die Stiftung auf einen Betreuungsschlüssel von 1:8,6. Damit liege Berlin etwas besser als der Bundesdurchschnitt.

Stiftungsvorstand Jörg Dräger mahnte bei der Vorstellung der Studie in Gütersloh bundesweit einheitliche Qualitätsstandards bei der Kita-Betreuung an, was Sozialverbände und die Gewerkschaft GEW befürworteten. Der Personalschlüssel sei ein „zen­trales Qualitätsmerkmal“ von Kitas, hieß es weiter. Hinzu kämen Kriterien wie die sogenannte Leitungsausstattung, berufsbegleitende Beratung sowie Aus-, Fort- und Weiterbildung der Fachkräfte und ein gutes Mittagessen.

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