Bauprogramm

Berlin legt ersten Grundstein der „Schulbauoffensive“

In Mahlsdorf entsteht bis Sommer 2019 das erste Gebäude der „Schulbauoffensive“. Der Senat will mindestens 65 neue Schulen bauen.

Grundsteinlegung Schulneubau fuer Integrierte Sekundarschule in Berlin, Mahlsdorf, mit Senatorin Katrin Lompscher, Senatorin Sandra Scheeres, Senator Matthias Kollatz, Copyright: DAVIDS/Sven Darmer, 27.08.2018

Grundsteinlegung Schulneubau fuer Integrierte Sekundarschule in Berlin, Mahlsdorf, mit Senatorin Katrin Lompscher, Senatorin Sandra Scheeres, Senator Matthias Kollatz, Copyright: DAVIDS/Sven Darmer, 27.08.2018

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin. Wenn nacheinander drei Senatoren von einem „historischen Tag“ sprechen, muss etwas Außergewöhnliches geschehen sein – auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht: Auf einer sandigen Baustellenbrache in Mahlsdorf haben am Montag Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) und Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) den Grundstein für den ersten Schulneubau im Rahmen der sogenannten Schulbauoffensive gelegt, präziser: das Grundholz, denn das Gebäude soll aus hölzernen Modulen zusammengebaut werden. Bereits nächstes Jahr im Sommer soll es fertig sein, sodass die Kinder der neuen Sekundarschule zum Schuljahr 2019/2020 ihre Klassenräume beziehen können.

Scheeres: Schule bietet Raum für neue pädagogische Konzepte

„Es handelt sich bei dem Gebäude um eine von zehn Schulen, die wir in Schnellbauweise fertigstellen wollen“, sagte Lompscher. „Dass eine Schule in so kurzer Zeit fertig wird, haben wir in Berlin noch nie gesehen.“ Scheeres betonte, dass das Haus Raum biete für neue pädagogische Konzepte. „Wir denken die Räume hier anders“, so die Bildungssenatorin. „Die Mensa kann zu einem Mehrzweckraum umfunktioniert werden, es gibt Lern-Werkstätten für Holz- und Metallarbeiten, auch eine Lehrküche ist geplant. Es wird eine moderne Schule der Zukunft sein, die sich in den Stadtteil hinein öffnet.“

Auch Mahlsdorfs CDU-Abgeordneter Mario Czaja lobte das Projekt: „Das ist ein guter Tag für unseren Stadtteil, es freut mich, dass die Planungen, die wir noch unter Schwarz-Rot begonnen haben, nun umgesetzt werden.“

Der Neubau, den die Bauverwaltung gemeinsam mit einem Generalunternehmer stemmt und organisiert, kostet insgesamt 34,8 Millionen Euro und bietet Platz für rund 550 Schüler. Das Gebäude setzt sich aus zahlreichen containerartigen Holz-Modulen zusammen, ganze Räume werden vorgefertigt angeliefert und verbaut. „Wir werden bis zu zwölf Einheiten pro Tag verbauen“, erklärte Architekt Andreas Krawczyk der Morgenpost.

„Der Rohbau wird voraussichtlich schon im Januar stehen.“ Kritiker hatten zuvor angemerkt, dass die Schule durch ihre schnelle Bauweise langfristig kaum den Bestand haben könne wie ein Gebäude aus Stahl und Stein. Das sei jedoch Unsinn, so Krawczyk. „Das Schulhaus ist genauso stabil wie ein gewöhnliches Gebäude“, sagte er. Neben dem Hauptgebäude wird außerdem eine Turnhalle gebaut, die Dächer sollen begrünt werden, eine große Außenanlage soll entstehen.

5,5 Milliarden Euro für Neubau und Sanierung alter Schulen

Rot-Rot-Grün plant, im Rahmen des jüngst aufgelegten Schulbauoffensive-Programms bis 2026 rund 5,5 Milliarden Euro für die Schulen Berlins auszugeben. Die Hälfte des Geldes fließt in den Neubau, ein Viertel in die Sanierung Hunderter maroder Schulen, ein weiteres Viertel kommt dem Unterhalt der bestehenden Schulen zugute. Insgesamt werden laut Finanzsenator Kollatz 65 neue Schulen gebaut – und nicht bloß 60, wie ursprünglich geplant.

Womöglich würden es sogar noch mehr. „Wir rechnen bis 2030 mit einem Schülerzuwachs von rund 30 Prozent“, sagte er. „Wenn sich später aber herausstellt, dass es in Berlin noch mehr Kinder gibt, soll es nicht an mir scheitern, wenn wir noch weitere Schulen bauen müssen.“

Kritik an Schulbau durch Howoge

Die lange angekündigte Schulbauoffensive hatte im Vorfeld für Unmut gesorgt. Größter Kritikpunkt: Der Senat plant, nicht alle Schulen selbst zu bauen. 29 der neu zu bauenden Schulen soll die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge errichten. Der Senat bediente sich dieses Tricks, um mögliche Konsequenzen der Schuldenbremse zu umgehen. Ab 2020 nämlich darf die Hauptstadt keine neuen Kredite mehr aufnehmen, die für die Neubauten aber gebraucht werden. Die Howoge hingegen darf das nach Ansicht der Finanzverwaltung schon.

Czaja hält das für den falschen Weg. „Die Howoge wurde nur ausgesucht, weil sie das größte Eigenkapital hat – nicht weil sie am kompetentesten ist“, sagt er. Zudem habe die Gesellschaft mit dem Wohnungsbau in den kommenden Jahren genug zu tun. „Auch die Gewährleistungsfragen sind ungeklärt“, so Czaja. „Es wäre besser, wenn der Senat die Verantwortung trägt, weil später auch Umbauten nötig werden.“ Ähnliche Kritik äußert Bildungspolitiker Paul Fresdorf (FDP): „Wir hielten es deshalb für besser, wenn der Senat eine neue landeseigene Gesellschaft gründet, die sich nur um den Schulbau kümmert.“

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