Berlin-Schöneberg

An dieser Schule gibt es nur islamischen Religionsunterricht

An der Teltow-Grundschule wird nur islamische Religion unterrichtet. Für evangelische Religionslehre gibt es zu wenige Interessenten.

In Berlin fehlen christliche Religionslehrer (Archivbild)

In Berlin fehlen christliche Religionslehrer (Archivbild)

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa

Wie hältst du es mit dem Religionsunterricht? Diese Abwandlung der Gretchenfrage beschäftigt zum Beginn des Schuljahres die Schüler und Eltern der Teltow-Grundschule. Denn an der Schule in der Schöneberger Feurigstraße wird auch in diesem Jahr kein christlicher Religionsunterricht angeboten. Die Eltern zeigen sich irritiert. Und Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagt: „Natürlich wäre es wünschenswert, wenn der Religionsunterricht wieder stattfinden könnte.“ Auch Schulleiterin Erdmute Schendel sieht würde sich über die Wiedereinführung freuen. Die Frage, warum dies nicht möglich sei, müsse aber die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) beantworten.

Tatsächlich sind in Berlin – anders als in anderen Bundesländern – nicht die Schulen oder die Landesregierung, sondern die Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften für den Religionsunterricht an Grundschulen zuständig. An rund 70 Prozent der Berliner Grundschulen gibt es auch ein solches Angebot. Die Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sind dazu aber nicht verpflichtet. Reguläres Unterrichtsfach ist Religion in der wenig frommen Hauptstadt ohnehin nicht. Die Teilnahme ist freiwillig. 90 Prozent der Kinder nehmen die Angebote aber wahr.

Das Land erstattet 90 Prozent der Personalkosten

Den evangelischen Religionsunterricht organisiert die EKBO. Das Land erstattet der Kirche dafür 90 Prozent der Personalkosten. Acht Millionen Euro zahlt die EKBO aus eigenen Mitteln. Das reiche, um – weitgehend stabil – rund 77.000 Schüler zu unterrichten, heißt es bei der EKBO. An der Teltow-Grundschule habe es aber nur rund 60 Interessenten gegeben.

Umgerechnet pro Klasse seien das nur etwa drei bis fünf Schüler. Damit sich der Aufwand rechne, müssten es pro Lerngruppe aber mindestens acht sein. „Die evangelische Kirche geht verantwortlich mit den Mitteln ihrer Mitglieder um und kann nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten Religionsunterricht anbieten“, sagt die Sprecherin der EKBO, Heike Krohn-Bräuer. An der Teltow-Grundschule gebe es aber das Projekt „Kinder begegnen Religionen“. In den ersten beiden Klassen würden zudem zwei Pfarrer Religion unterrichten.

Die CDU fordert angesichts der Finanznot der EKBO mehr Geld aus der Landeskasse. „Wir müssen über die Finanzierung neu nachdenken“, sagt die kirchenpolitische Sprecherin Cornelia Seibeld. In der evangelischen Kirche wird hingegen darauf verwiesen, dass die Zahl von 77.000 Grundschülern mit evangelischem Religionsunterricht relativ hoch sei. Islamischen Religionsunterricht erhielten nur 5400 Grundschüler. Der Anteil muslimischer Kinder sei aber deutlich gestiegen. Vor allem für sie müsse das Angebot ausgeweitet werden.

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