Clan-Kriminalität

Razzia gegen Großfamilie: Polizei findet zwei Kilo Cannabis

Die Berliner Polizei ist am Montag gegen eine arabische Großfamilie vorgegangen. Es geht um den Handel mit Kokain.

Polizei nimmt Clan-Mitglieder fest

Bei einer Razzia in Berlin-Schöneberg hat die Polizei zwei Mitglieder der arabischen Großfamilie R. festgenommen.

Polizei nimmt Clan-Mitglieder fest

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Berlin. Früher Montagmorgen, Tiergarten: Etwa 20 SEK-Beamte steigen aus ihren zivilen Einsatzwagen und pirschen sich an ein Mehrfamilienhaus heran. Die Beamten sind schwer bewaffnet und führen Schutzschilde und eine Ramme mit sich. Ihr Ziel ist ein Wohnung im Obergeschoss des Hauses. Dort wohnen Mitglieder der bekannten arabischen Großfamilie R. Der Grund für den Einsatz: Drogenhandel im großen Stil. Weil die Clanmitglieder als gefährlich gelten, rückt das SEK bestimmt und kompromisslos vor. Nach wenigen Minuten liegen zwei Männer fixiert am Moden. Beide werden vorläufig festgenommen.

Insgesamt wurden bei den Razzien in Berlin laut Staatsanwaltschaft vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 18 und 27 Jahren vorläufig festgenommen und fünf Wohnungen durchsucht. In der Nähe der Potsdamer Straße in Tiergarten und an der Körnerstraße in Kreuzberg und an der Eisenacher Straße in Schöneberg wurden ebenfalls Wohnungen durchsucht. Die Polizei durchsuchte auch einen Porsche und sicherte Beweismaterial. Drogenhunde waren im Einsatz.

Polizei findet zwei Kilogramm Cannabis

Zu den Ergebnissen wollte sich die Staatsanwaltschaft am Montag nicht offiziell äußern. Allen Beschuldigten wird der Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen, unter anderem mit Kokain. Bei der Razzia fanden die Ermittler nicht nur Kleinstmengen von Drogen, sondern in einem Wagen zwei Kilogramm Cannabis.

An der Razzia beteiligt waren die Berliner Staatsanwaltschaft, Polizei, Beamte des Landeskriminalamtes (LKA), Einheiten eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) sowie zwei Spezialeinsatzkommandos (SEK). Zum Einsatz kamen auch speziell ausgebildete Spürhunde. Weitere Einzelheiten zu dem Einsatz sind noch nicht bekannt.

SPD-Innenpolitiker Schreiber: Drogenhandel ist die Spinne im Netz“

Der Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Cioma sagte: „Im Kampf gegen die Hydra der organisierten Kriminalität ist es wichtig, regelmäßig Zeichen zu setzen und mit nachhaltiger Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden jenen auf die Füße zu treten, die unsere Gesetze missachten und meinen, sie könnten ohne Konsequenzen schwere Straftaten begehen.“

Ähnlich äußerte sich der Innenpolitiker Tom Schreiber (SPD): „Der Drogenhandel ist die Spinne im Netz. Konsumenten finanzieren mit ihrer Sucht die Organisierte Kriminalität“, sagte Schreiber dieser Zeitung.

Familie bedrängt Rettungssanitäter

Erst am Wochenende war es zu einem Zwischenfall in Neukölln gekommen. Mitglieder des Clans hatten Sanitäter bedrängt, nachdem diese eine Stunde erfolglos versucht hatten, ein Familienmitglied wiederzubeleben. Erst die Polizei konnte die Lage beruhigen. Bei dem Todesfall handelte es sich eine natürliche Todesursache.

Mitglieder der Großfamilie stehen auch unter Verdacht, im Frühjahr 2017 eine riesige Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen zu haben. Bis heute blieb die 100 Kilogramm schwere „Big Maple Leaf“-Münze verschwunden. Wert der Münze: knapp vier Millionen Euro.

Immobilien von Großfamilie beschlagnahmt

Im Juli hatten Ermittler in einer der größten Aktionen gegen die organisierte Kriminalität 77 Immobilien im Wert von mehr als neun Millionen Euro desselben Clans vorläufig beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Objekte mit Geld aus Straftaten gekauft wurden. Ermittelt wird gegen 16 Beschuldigte. Die Razzia am Montagmorgen stand allerdings nicht im Zusammenhang mit der Beschlagnahmung der Immobilien. Die Aktion am Montag richtete sich gegen führende Köpfe der Familie.

Aus der Politik, etwa aus Neukölln, war wiederholt die Forderung nach einer Politik der kleinen Nadelstiche gekommen. Genau das werde mit solchen Einsätzen umgesetzt, sagte ein Beamter.

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