Waldbrände in Brandenburg

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Auch am Sonnabend kämpfen mehr als 500 Einsatzkräfte gegen den Waldbrand bei Treuenbrietzen. Bei Beelitz brach ein neues Feuer aus.

Die Waldbrände zwischen Treuenbrietzen und Jüterbog erhellen den Nachthimmel

Die Waldbrände zwischen Treuenbrietzen und Jüterbog erhellen den Nachthimmel

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin/Treuenbrietzen. Gerade als sich die Lage in Treuenbrietzen zu entspannen schien, ereilte die Feuerwehr in Potsdam-Mittelmark eine weitere schlechte Nachricht. Am Sonnabend brach ein neuer Brand in Beelitz-Heilstätten aus, unweit des riesigen Flächenbrandes in Treuenbrietzen. Einsatzkräfte machten sich am Nachmittag sofort auf den Weg zum neuen Brandherd.

„Ich bin seit 1990 bei der Feuerwehr, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Kreisbrandmeister Jens Heinze. Der 43-Jährige war seit Donnerstagmittag von Anfang an im Einsatz dabei. In den ersten beiden Tagen hatte er nur zwei Stunden geschlafen. „In der Nacht zu Sonnabend waren es immerhin sechs“, sagte der Feuerwehrmann. „Ich habe noch nie solche Bilder von toten Bäumen gesehen. Wenn man hier langfährt, sieht man, wie es kilometerlang brennt“, schilderte der Feuerwehrmann seine Eindrücke vom Kampf gegen das Feuer.

Seit sechs Uhr war Heinze am Sonnabend wieder im Dienst. Die Lage hatte sich bereits über Nacht – wie gehofft – etwas beruhigt. Die Hauptaufgabe bestand nun darin, mit Feuerwehrpanzern Schneisen in den Wald zu schlagen, um ein weiteres Übergreifen des Brandes zu verhindern. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch die Munitionsbelastung des Geländes im Boden. „Wir können uns nur auf gesicherten Wegen und Trassen bewegen“, sagte Heinze.

Am Sonnabend waren noch 330 Feuerwehrleute, 100 Polizisten, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk und Drohnenteams – insgesamt erneut mehr als 500 Einsatzkräfte – vor Ort. Die Spezialdrohnen mit Thermokameras überwachten die gelöschten Flächen. „So können wir erneut aufflammende Brände gezielt bekämpfen“, sagte Heinze, der gegen 21 Uhr abgelöst wurde. Nach Hause hat er es nicht weit. Er lebt in Treuenbrietzen. Mindestens bis Sonntagabend werden die Löscharbeiten wohl dauern. Bewohner der Dörfer Klausdorf und Tiefenbrunnen konnten am Sonnabendabend in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Das erfuhr die Morgenpost von Feuerwehrleuten vor Ort.

Erneut Brandgeruch in einigen Stadtteilen Berlins

Der Rauch des großen Waldbrandes in Brandenburg war auch am Sonnabend über Berlin gezogen. Seit den frühen Morgenstunden gingen vermehrt Anrufe von Bürgern aus dem Berliner Süden wegen des Geruchs bei der Feuerwehr ein, sagte ein Sprecher. Die Rauchwarnung der Berliner Feuerwehr sei weiterhin aktiv. Es werde empfohlen, Fenster und Türen geschlossen zu halten, bis sich der Brandgeruch verzogen habe. Der Wind aus südlicher Richtung treibe den Rauch in das Stadtgebiet. Der Brandgeruch war zum Beispiel in Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und in Friedrichshain-Kreuzberg wahrnehmbar.

Diese Wetterlage werde auch in den nächsten Tagen eine Rauchbelästigung in der Hauptstadt verursachen, teilte die Feuerwehr mit. Die Rauchentwicklung beeinträchtigt aber nicht den Flugverkehr von und nach Berlin. Alle Flüge verliefen planmäßig, sagte eine Sprecherin der Berliner Flughäfen.

In Berlin war am Sonneband auch ein offizielles Amtshilfeersuchen aus Brandenburg eingetroffen. Das Ersuchen liefert die Grundlage dafür, dass das Land Berlin Feuerwehrkräfte ins Nachbarbundesland entsenden kann. Am Nachmittag tagte ein Planungs- und Führungsstab, der den Einsatz koordinierte. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe hieß es, dass am frühen Sonntagmorgen die ersten Einsatzfahrzeuge mit etwa 100 Berliner Feuerwehrleuten nach Brandenburg ausrücken sollten, um die Kräfte vor Ort zu unterstützen, sagte ein Feuerwehrsprecher der Berliner Morgenpost.

Während in Brandenburg die Feuerwehr darum kämpfte, den Brand weiter unter Kontrolle zu bringen, gab es in Berlin aber auch Kritik an dem Angebot von Innensenator Andreas Geisel an seinen Amtskollegen Karl-Heinz Schröter (beide SPD), dass man Amtshilfe leisten werde. „Die Puste der Berliner Feuerwehr reicht dazu aber leider nicht aus“, hieß es in einer Mitteilung des Vereins Berlin brennt e.V. Die Berliner Feuerwehr arbeite nicht am Limit, sondern sei schon darüber hinaus, hieß es in der Mitteilung weiter. Grund für die Kritik sei, dass Berlin von vier Brandschutzstaffeln, die es eigentlich vorhalten müsse, selbst nur eine aufstellen könne.

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