Nach Hitzesommer

Feuerwerk-Shows in Berlin sorgen für Ärger

In Treptow durften Raketen in den Himmel steigen – die Feuerwerk-Show Pyronale wird hingegen verboten.

Brandgefahr: Funken des 150 Meter hohen Feuerwerks könnten in den trockenen Bäumen landen

Brandgefahr: Funken des 150 Meter hohen Feuerwerks könnten in den trockenen Bäumen landen

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / Paul Zinken/d

Berlin. Die besten Pyrotechniker der Welt sollten eigentlich bei der Pyronale am kommenden Wochenende den Berliner Himmel zum Strahlen bringen. Nun aber bleibt es dunkel über dem Olympiastadion, wo das Feuerwerksspektakel am Freitag und Sonnabend stattfinden sollte. Bei einer abschließenden Begehung hat das Ordnungsamt des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf die Veranstaltung untersagt. Grund sei das heiße Wetter der vergangenen Wochen, das zu großer Trockenheit geführt hat. Das feurige Lichtspiel könnte auf ausgetrockneten Bäumen oder verdorrten Grasflächen landen, die sich bei jedem Funken in Zunder verwandeln würden, so die Argumentation.

Pyronale-Veranstalter Gerhard Kämpfe hatte die Entscheidung, obwohl sie kurzfristig kam, zunächst akzeptiert. „Oberstes Gebot ist die Sicherheit“, sagte er. Dann fiel der Unternehmer jedoch aus allen Wolken. Während das Ordnungsamt in Charlottenburg-Wilmersdorf die Pyronale am vorletzten Freitag untersagte, endete tags drauf das Open-Air-Konzert „Stars for free“ in der Wuhlheide mit einem Höhenfeuerwerk – konzipiert von „Potsdamer Feuerwerk“, einem der Teams, das eine Woche später ein vergleichbares Lichtspektakel auch am Olympiastadion zünden sollte. Bedenken wegen der Trockenheit beim verantwortlichen Ordnungsamt Treptow-Köpenick: keine.

„Wieso wird es an der einen Stelle erlaubt und an der anderen nicht?“, ärgert sich Kämpfe. Dass die Sicherheitsvorkehrungen bei einer Veranstaltung – zumal mitten in einem Park – als ausreichend gelten, bei einer anderen jedoch nicht, findet er „sehr erstaunlich“. Dabei würde das Ordnungsamt beim Thema Sicherheit bei ihm auf offene Ohren stoßen, erklärt er. Seit Jahren habe die Pyronale die Sicherheitsauflagen übererfüllt, so der Veranstalter. „Wir machen uns seit Wochen Gedanken, wie wir mit der Trockenheit umgehen“, sagt er. Überlegt wurde, die Bäume rund um die Veranstaltung schon zuvor stark zu wässern. Auch hätten zusätzliche Schläuche und Einsatzkräfte eingesetzt werden können, um im Notfall das Schlimmste – einen Waldbrand am Stadion – zu verhindern.

Das Ordnungsamt hätten diese Überlegungen nicht interessiert. Auch zusätzliche Sicherheitsauflagen, unter denen das Feuerwerk kommende Woche doch noch hätte stattfinden können, nannte der Bezirk nicht, sagt Kämpfe. „Wir wollten das Problem lösen“, beteuert er. „Doch bei der Begehung hat der Bezirk sofort klargemacht, dass die Pyronale untersagt wird.“ Umso mehr ärgert ihn, wie der Bezirksstadtrat für Ordnungsangelegenheiten, Arne Herz (CDU), die Entscheidung über das Aus begründet hat. Herz sagte, die Sicherheitsmaßnahmen seitens des Veranstalters seien als nicht ausreichend eingestuft worden.

Herz verteidigt seine Entscheidung. „Wir tragen die Verantwortung für die Sicherheit“, sagte er am Sonnabend auf Anfrage. „Dabei folgen wir der Einschätzung der Feuerwehr.“ Diese habe Herz mitgeteilt, dass die vorgeschlagenen Sicherheitsmaßnahmen nichts brächten. „Selbst wenn wir die Bäume und Grünflächen 14 Tage lang bewässerten, würde das vermutlich nicht ausreichen“, so Herz. Problematisch sei außerdem, dass es sich bei vielen der umliegenden Flächen und Bäume um Privatbesitz handle. „Es geht nicht darum, die angrenzenden Grasnarben am Maifeld zu befeuchten“, sagt er. „Das Feuerwerk findet 150 Meter in der Luft statt, da können die Funken auch weiter weg niederschlagen. Das müssen wir berücksichtigen.“

Warum aber wird in Charlottenburg etwas verboten, was in Treptow erlaubt wird? Ist etwa der Wald im Westen trockener als im Osten? Herz: „Ich kann weder beurteilen, wie es um den Wald in Treptow bestellt ist, noch den Entschluss des dortigen Bezirksamtes.“ Fakt sei: Die Witterung lasse die Show derzeit nicht zu. „Das ist aber kein Statement gegen die Pyronale.“

Das unterstellt Kämpfe dem Bezirk auch nicht. Die Zusammenarbeit habe immer sehr gut geklappt. Im Raum steht nun ein Alternativtermin: Statt am nächsten Wochenende soll die Pyronale am 12. und 13. Oktober stattfinden. „Selbstverständlich freuen wir uns darüber, wenn sie dann nachgeholt wird“, sagt Herz. „Wir werden alles versuchen, damit es klappt.“ Einziges Manko: Im Oktober wird es zwar feuchter sein – mit zwei lauen Sommerabenden ist aber nicht mehr zu rechnen.

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