Bäderbetriebe

Instandsetzung der Berliner Bäder sorgt für neuen Ärger

Die Bäderbetriebe investieren in diesem Jahr lediglich vier Millionen Euro. Dabei liegt der Bedarf bei 230 Millionen Euro.

Das Kreuzberger Prinzenbad (Archivbild)

Das Kreuzberger Prinzenbad (Archivbild)

Foto: Hauke-Christian Dittrich/Archiv

Berlin. Die Instandsetzung der Berliner Schwimmbäder sorgt für neuen Ärger. Nachdem zuletzt bekannt wurde, dass 53 der 62 Bäder teils erheblichen Sanierungsbedarf haben, zeigt sich nun, dass die Berliner Bäderbetriebe (BBB) in diesem Jahr in lediglich acht Schwimmbädern umfassende bauliche Reparaturen vornehmen.

Das geht aus einer Senatsantwort auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Fraktion hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Demnach investieren die Bäder in diesem Jahr nur rund vier Millionen Euro für die bauliche Sanierung (siehe Tabelle). Des Weiteren stehen laut Senatsantwort rund 2,3 Millionen Euro für energetische Sanierungen zur Verfügung.

Energetische Teilsanierung der Schwimmhalle Buch

Das meiste Geld fließt laut der Antwort des Senats in die Schwimmhalle Buch, wo insgesamt 1,2 Millionen Euro für eine energetische Teilsanierung ausgegeben werden. Eine Million Euro kostet im Kreuzberger Prinzenbad ein neues Edelstahlbecken, die Schwimmhalle am Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg bekommt für rund 440.000 Euro einen neuen Sanitärtrakt und eine neue Fassade im Inneren.

„Das alles ist viel zu wenig“, sagt der sportpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Stefan Förster. „Angesichts der maroden Anlagen müssten die Bäder schon in diesem Jahr viel mehr Geld für ihre Infrastruktur ausgeben. Sonst geht noch mehr kaputt, sodass sich der Sanierungsstau in den kommenden Jahren noch erhöht.“

Addiert man den Bedarf aller Bäder, ergibt sich eine Summe von 230 Millionen Euro, wie die Morgenpost berichtete. 170 Millionen entfallen dabei auf Bäder, die die BBB selbst besitzen und betreiben, 60 Millionen Euro auf solche Schwimmstätten, die dem Land gehören, aber von den BBB betrieben werden, etwa das Sommerbad im Olympiapark. Allein das Kombibad Mariendorf hat demnach einen Sanierungsbedarf von 32,16 Millionen Euro. Für Förster ist es unverständlich, dass das Land den BBB nicht mehr Geld für die Sanierung spendiert: „Wenn der Innen- und Sportsenator will, dass die Berliner die Hallen auch künftig nutzen können, müssen die Mittel deutlich erhöht werden.“

Innenverwaltung: „Wir sehen nicht, dass es an Geld mangelt"

Die Innenverwaltung verweist darauf, dass den Bäderbetrieben auch noch nicht abgerufene Gelder aus den Vorjahren 2016 und 2017 für Sanierungen zur Verfügung stehen. „Insgesamt können die Bäder dieses Jahr über rund 15 Millionen Euro verfügen“, sagt Verwaltungssprecher Martin Pallgen. „Wir sehen deshalb nicht, dass es an Geld mangelt. Nur müssen es die BBB jetzt auch verbauen.“ Zudem gebe es ab 2019 zehn Millionen Euro im Jahr aus dem Haushalt.

Von dieser Summe ist auch im Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Landesregierung die Rede. Umso verwunderter zeigte sich zuletzt BBB-Chef Andreas Scholz-Fleischmann in einem Zeitungsinterview, dass er dieses Jahr nur vier Millionen Euro für bauliche Investitionen bekommen hatte. „Fakt ist, wir könnten deutlich mehr für die Instandsetzung der Bäder tun, würden wir mehr Geld vom Land bekommen“, sagt BBB-Pressesprecher Matthias Oloew am Freitag auf Anfrage. „Wir sind mit der Koalition in Verhandlungen, damit wir künftig deutlich mehr Geld für die Sanierung erhalten. Die Instandsetzungen sind zwingend notwendig, sonst drohen schon bald Schließungen von Bädern.“ Koalitionsabgeordnete sind jedoch überzeugt, dass nicht fehlendes Geld das Problem ist, sondern es den Bäderbetrieben an den Fähigkeiten mangelt, Sanierungsvorhaben umzusetzen.

Ungeduld mit dem Management der Bäderbetriebe

Der Sanierungsstau bei den Bädern sorgt schon seit Jahren immer wieder für Streit im Hauptausschuss des Parlaments. Für Unmut sorgte, dass die BBB in der Vergangenheit viele Mittel nicht abgerufen hatten. Auch weil die Besucherzahlen rückläufig sind und die BBB trotz zweckgebundener Subventionen nicht mehr Schwimmmeister einstellten, wächst speziell in der Koalition die Ungeduld mit dem Management der Bäderbetriebe.

Zuletzt hatten SPD und Linke gar erwogen, die BBB an die Berliner Wasserbetriebe (BWB) anzuhängen – quasi als Tochterfirma. Tatsächlich denkt man bei den Wasserbetrieben über eine Kooperation mit den Bädern nach. Dabei soll es vor allem darum gehen, ein länger angelegtes Investitionsmanagement zu entwickeln. Hier könnten die Bäder von den Erfahrungen der Wasserbetriebe bei der Instandhaltung ihrer Anlagen profitieren.

Die Bäderbetriebe hatten 2017 ohne Schulen und Vereine rund 3,6 Millionen Badegäste. Das waren 239.000 weniger als 2016 – und sogar fast eine halbe Million weniger als 2015. Bäder-Chef Scholz-Fleischmann verweist jedoch darauf, dass zuletzt die Besucherzahlen in den Hallenbädern wieder gestiegen seien. Und der heiße Sommer in diesem Jahr dürfte auch für hohe Besucherzahlen sorgen.

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