Baustellen-Rundfahrt

Lompscher und Müller betonen Einigkeit beim Wohnungsbau

Die Bausenatorin stand zuletzt in der Kritik, weil sie die Neubauziele verfehlt. Nun scheinen die Unstimmigkeiten beigelegt.

Katrin Lompscher und Michael Müller (Mitte) bei ihrer Baustellentour

Katrin Lompscher und Michael Müller (Mitte) bei ihrer Baustellentour

Foto: Isabell Jürgens

Berlin. So viel Einigkeit war selten. Noch vor der Sommerpause im Juli sorgte der Streit um das verfehlte Koalitionsziel, in dieser Legislaturperiode 30.000 landeseigene Wohnungen zu errichten, für frostiges Klima zwischen den rot-rot-grünen Koalitionären. Insbesondere der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ging seine linke Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher hart an, verlangte in deutlichen Worten Kurskorrekturen.

Disharmonische Töne steuert bei der Busrundfahrt zu den Neubauprojekten der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften am Freitag allerdings nur der politische Gegner bei. Ein Dutzend Mitglieder der Jungen Union hat sich mit Trillerpfeifen und Plakaten vor dem Startpunkt der Tour an der Bleicheroder Straße 4 in Pankow aufgebaut und fordert vom Regierenden: „Entlassen Sie Frau Lompscher.“

Wer dachte, dass der Regierende Bürgermeister die Chance nutzen würde, seine für den Neubau verantwortliche Senatorin bei der mehrstündigen Rundtour ordentlich ins Gebet zu nehmen, sieht sich getäuscht. „Unsere landeseigenen Gesellschaften haben 300 Projekte in Arbeit, aktuell sind 44.000 neue Wohnungen in Planung“, sagt Lompscher und Müller lächelt dazu. Dass bis September 2021 jedoch knapp 5000 weniger Wohnungen gebaut werden, als vereinbart, dazu: kein Wort.

Beim Rundgang durch das Pankower Bauvorhaben der Gesobau mit 351 Wohnungen, darunter 114 Sozialwohnungen, sind sich die beiden jedenfalls einig, dass das Bauvorhaben sich hervorragend in die Umgebung einpasse und von ebensolcher baulicher Qualität sei. Kurze Irritationen dann anschließend bei der Platzsuche im angeheuerten Bus, der die Teilnehmer der Rundfahrt zu fünf weiteren Bauvorhaben bringen soll. Namensschilder weisen den beiden getrennte Plätze in unterschiedlichen Sitzreihen zu. „Ich könnte wetten, dass die Sitzordnung zwischen dem Roten Rathaus und der Stadtentwicklungsverwaltung mühsam ausgehandelt wurde“, scherzt der Regierungschef, während Gesobau-Vorstand Jörg Franzen berichtet, dass sich für die Wohnungen, die bis Jahresende fertig werden sollen, 2500 Interessenten gemeldet haben. Die Wohnungsnot in Berlin könnte nicht eindringlicher dokumentiert werden.

Die nächste Station ist an der Amrumer Straße in Wedding. Die Gewobag errichtet dort 176 Studenten-Appartements, die für 350 Euro bruttowarm – inklusive Wlan – vergeben werden sollen. Am Modell erläuterte Gewobag-Chefin Snezana Michaelis, dass die Studenten im Schnitt 30 Quadratmeter zur Verfügung haben werden, inklusive der Gemeinschaftsflächen.

Zum kommenden Sommersemester soll das Haus bezugsfertig sein. Während sich für das Wohnheim nur Studenten mit Wohnberechtigungsschein bewerben können, errichte die Gewobag auch zahlreiche Wohnprojekte in innerstädtischen Baulücken für alle Mieter. „In Prenzlauer Berg haben wir bis zu 1000 Bewerber für 25 Wohneinheiten“, so Michaelis.

Die Weiterfahrt im Bus nutzt der Regierungschef, um sich grundsätzlich zum drängendsten Problem der Stadt, der wachsenden Wohnungsnot, zu äußern. „Die Sicherstellung bezahlbaren Wohnraums für die Berliner ist ein gemeinsames Ziel der Koalition. Hier müssen alle an einem Strang ziehen“, sagt er. Man sehe in den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften die wichtigsten Partner, um das zu erreichen. „Natürlich sind dies nicht unsere einzigen Partner, auch Genossenschaften und Private zählen dazu“, sagt er. Und ergänzt, dass er sich aktuell darum bemühe, erneut mit dem Bund in Verhandlungen zu treten, um dessen Grundstücke in der Hauptstadt zu übernehmen.

Lompscher ergänzt, dass Wohnungsneubau und Schutz der Mieter vor explodierenden Mieten in den Bestandsgebäuden gleichermaßen zu ihren Aufgaben gehöre. Beides gehöre zusammen. „Ich kann das 100-prozentig unterstützen“, sagt Müller. „Alles, was die Senatorin braucht, um diese Ziele zu erreichen, wird sie aus dem Roten Rathaus bekommen“, sichert er zu. Schließlich lebten 85 Prozent der Berliner zur Miete.

Das nächste Ziel der Tour liegt an der Ortolfstraße 50 in Altglienicke. Dort errichten Stadt und Land 406 Wohnungen – das größte Projekt auf der Tour. Und auch hier berichtet Unternehmenschef Ingo Malter von „grandioser Nachfrage“. In Durchschnitt sollen die Wohnungen für acht, die Sozialwohnungen für 6,50 Euro vermietet werden.

Auf Wunsch der Fotografen posieren Lompscher und Müller schließlich auf einem der Balkone, über die jede Wohnung verfügt. Die Botschaft ist klar: Streit war gestern, jetzt wird gebaut. Wie lange die Harmonie hält, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Dann muss die Senatorin ein Beschleunigungsprogramm für den Wohnungsbau vorlegen, das die Koalitionspartner von SPD und Grünen zufriedenstellen muss.

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