Berlin

Risiko bei Cannabis-Konsum steigt

Die Wirkung von Blüten und Haschisch nimmt seit zehn Jahren zu. Es gibt immer mehr Befürworter einer Legalisierung.

Cannabis ist nicht gleich Cannabis, wenn es um die Wirkung geht

Cannabis ist nicht gleich Cannabis, wenn es um die Wirkung geht

Foto: dpa Picture-Alliance / Nasir Kachroo / picture alliance / NurPhoto

Berlin. Cannabis-Produkte, die in der Berliner Drogenszene verkauft werden, haben einen immer höheren Wirkungsgehalt. Das geht aus detaillierten Zahlen der Innenverwaltung hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegen. Der FDP-Innenexperte Marcel Luthe hatte diese Zahlen in einer kleinen Anfrage abgefragt.

Die Statistik der Innenverwaltung reicht über zehn Jahre von 2007 bis zum Jahr 2017 und umfasst Marihuana, Cannabis-Blütenstände und Haschisch. Demnach stieg der THC-Mittelwert bei Haschisch von 9,5 Prozent auf 13,8 Prozent. Der Spitzenwert lag bei mehr als 46 Prozent. Ähnlich sieht die Entwicklung bei Cannabis-Blütenständen aus. Dort stieg der Mittelwert von 11,1 Prozent auf 13,7 Prozent. In der Spitze wurden mehr als 44 Prozent erreicht. Einzig bei Marihuana, auch als Cannabiskraut bekannt, ging der Wirkungsgehalt im Mittel von 4,3 auf 3,7 Prozent zurück.

Die Zahlen sind für Drogenexperten in mehrfacher Hinsicht interessant. Befürworter von Cannabis-Produkten bestreiten gern, dass der THC-Gehalt der Produkte steige. Die Langzeitzahlen der Innenverwaltung beweisen für Haschisch und Cannabisblüten das Gegenteil, zumal die Aufstellung Mittelwerte betrachtet und die Spitzenwerte wesentlich höher liegen.

Umstritten ist unter Drogenexperten auch die Wirkung eines höheren THC-Gehaltes. Zwar macht dieser nicht abhängiger, kann aber zu erheblichen Beeinträchtigungen führen. Übertragen auf Alkohol hieße das: Jemand bestellt ein Radler, bekommt aber ein Starkbier serviert. Gerade bei jüngeren und unerfahrenen Konsumenten können die Folgen verheerend sein.

Für den FDP-Innenexperten Marcel Luthe, der die Zahlen abgefragt hatte, ist die Statistik alarmierend. „Der durch den Senat geduldete illegale Handel mit Cannabis ist nicht nur eine Einnahmequelle für Verbrecher, sondern auch eine erhebliche Gefahr für den Konsumenten“, sagt er. Der THC-Gehalt steige immer weiter – auch durch künstliche Zusätze. Niemand könne wissen, was er eigentlich gerade konsumiere. „Statt einer geordneten Drogenpolitik lässt dieser Senat alles passiv geschehen und fördert so kriminelle Strukturen und kurz- wie langfristige Gesundheitsschäden“, sagt Luthe.

Betäubungsmittelverfahren bleiben meist ohne Folgen

In Berlin gibt es schon sehr lange eine Diskussion über die Legalisierung von Cannabis. Die Grünen sind dafür. Die Linken auch. Teile der FDP ebenfalls. Die AfD und die CDU sind gegen eine Legalisierung, wobei etwa der AfD-Innenexperte Karsten Woldeit eine Anpassung der strafprozessualen Maßnahmen fordert, um die Ermittlungsbehörden zu entlasten. So sollen bei Kleinstmengen keine strafrechtlichen Ermittlungen mehr eingeleitet werden. Eine Ordnungswidrigkeit würde Woldeit auch reichen.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost setzen sich auch immer mehr Politiker der SPD für eine Legalisierung ein. Das Thema soll im Herbst erneut auf die Tagesordnung gehoben werden. Die Politik ist damit nicht allein. Anfang des Jahres hatte sich der Bund der Kriminalbeamten für eine Legalisierung von Cannabis eingesetzt. Das Argument: Tabak und Alkohol sind legal und machen abhängiger, außerdem sind sie auf lange Sicht tödlicher.

Der zweite Aspekt, warum auch Polizisten sich für eine Legalisierung einsetzen, ist ein strafrechtlicher. Wer in Berlin mit einem Joint erwischt wird, muss entgegen eines weit verbreiteten Irrtums dennoch mit einer Anzeige rechnen. Nur werden mehr als 70 Prozent der Betäubungsmittelverfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt. Diesen Verwaltungsaufwand, so das Argument, könne man sich sparen. Mit einer Legalisierung von Cannabis erhoffen sich Befürworter auch eine stärkere Reglementierung und Kon­trolle.

Grundsätzlich befindet sich Berlin beim Drogenkonsum auf einem Rekordhoch. Im vergangenen Jahr wurden 16.077 Rauschgiftdelikte erfasst. Im Jahr 2008 waren es noch 11.631. Mehr als die Hälfte aller festgestellten Delikte betrifft dabei Cannabis-Produkte.

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