Preußenkönige

Hohenzollerngruft im Berliner Dom wird restauriert

Die Domgruft wird umgestaltet. Neben einem neuen Lichtkonzept sind auch ein Aufzug und eine Klimaanlage geplant.

Särge in der Hohenzollerngruft

Särge in der Hohenzollerngruft

Foto: Heerde (2) / REUTERS/FABRIZIO BENSCH

Berlin. Unter dem Berliner Dom stehen 94 Särge aufgereiht, große und sehr kleine – Kindersterblichkeit gab es auch in adligen Familien. Einige Särge sind reich verziert, andere schlicht gehalten. In der Gruft wurden über 400 Jahre hinweg Mitglieder der Hohenzollern-Dynastie beerdigt. Hier ruhen unter anderen König Friedrich I. und seine zweite Gattin Sophie-Charlotte. Die Hohenzollerngruft nimmt fast das gesamte Untergeschoss ein. Nun soll sie restauriert werden, als Teil eines größeren Bauprojekts am Dom. Die Arbeiten sollen in der zweiten Jahreshälfte 2019 beginnen, 17,3 Millionen Euro kosten und etwa zwei Jahre dauern, sagt Projektleiterin Svenja Pelzel bei einem Presserundgang am Donnerstag.

Wer im Rollstuhl kommt, muss den Lastenaufzug nehmen

„Wir verwirklichen zwei Projekte gleichzeitig. Wir restaurieren die Gruft und verbessern die Infrastruktur des Doms. Das ist dringend notwendig“, sagt Pelzel. Als Beispiel zeigt sie eine abseits gelegene Tür, die man momentan nur über die Baustelle vor dem Dom erreicht. Das Sicherheitspersonal muss sie für jeden Nutzer aufschließen, sie führt in einen Lastenaufzug. „Für eine Person im Rollstuhl ist das der einzige Weg in den Dom“, erklärt Pelzel: „Barrierefrei bedeutet aber, dass alles ohne fremde Hilfe zu erreichen ist.“ Es sei daher ganz wichtig, einen neuen Zugang zu schaffen.

Das ist bei einem so markanten Gebäude wie dem Dom eigentlich nicht unkompliziert, weil an der Bausubstanz möglichst wenig verändert werden soll. Bei dem geplanten zusätzlichen Aufzug hatte man Glück. Denn hinter einer unscheinbaren Tür im Inneren der Kirche verbirgt sich ein alter Schacht. Der beherbergt heute unter anderem eine Teeküche, nahe einer Wand führt eine Leiter hinab in einen dunklen Gang. „Nicht auf die graue Klappe treten“, warnt Pelzel, „dann fällt man zwei Stockwerke in die Tiefe.“ Der Schacht sei bei Erbauung des Doms zwischen 1894 und 1905 schon für einen Aufzug vorgesehen gewesen. Diese Pläne wurden von den Bauherren schließlich verworfen, der Schacht als Lager- und Aufenthaltsraum genutzt. Jetzt soll er doch noch seinen ursprünglichen Zweck erfüllen und den Besuchern künftig den barrierefreien Zugang zu allen Hauptebenen des Doms ermöglichen.

Auch zum Kellergewölbe, wo die Särge stehen. Dass diese Gruft etwas Besonderes ist, erkennt man nicht an dem Weg dorthin. Denn das prachtvolle Treppenhaus des Doms endet im Erdgeschoss. Hinab führt den Besucher heutzutage eine schmucklose Treppe, unten angekommen fallen die Toiletten auf den ersten Blick mehr auf, als der Zugang zu der letzten Ruhestätte der Hohenzollern. Glühbirnen verbreiten eine triste Stimmung.

Erst seit 1999 ist die Gruft für die Öffentlichkeit zugänglich

„Es ist gleichzeitig zu hell und zu dunkel“, sagt Svenja Pelzel. „Man muss sich anstrengen, um die Informationstafeln zu lesen. Aber es ist zu hell, damit sich eine würdevolle Atmosphäre entwickelt.“ Besucher dürfen die Gruft erst seit 1999 betreten, davor war sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Seitdem kommen pro Jahr etwa 700.000 Menschen dorthin, und bringen Wärme und Feuchtigkeit von draußen in die Räume. „Die Temperaturschwankungen sind sehr schlecht für die Särge“, sagt Pelzel. „Wir haben Schimmel hier unten, die Farbe blättert ab und das Holz wird rissig. Eigentlich müsste es kälter und trockener sein.“

Die Restaurierung der Gruft soll diese Missstände beheben. Laut Pelzel ist ein neues Lichtkonzept geplant, das die Särge der Fürsten und Herrscher, der Königinnen und Kinder mit angemessener Würde in Szene setzt. Zudem soll eine Klimaanlage Temperatur und Luftfeuchtigkeit stabilisieren, die deutschen Infotafeln sollen durch mehrsprachige Texte ersetzt werden. Die Aufstellung der Särge soll nicht verändert werden.

„Die Hohenzollerngruft ist die wichtigste dynastische Grablege Deutschlands“, sagt Svenja Pelzel. „Danach sieht es hier unten aber nicht aus. Das soll sich endlich ändern.“ Zwar haben die Nachfahren der Hohenzollern kein Mitbestimmungsrecht bei der Neugestaltung. „Wir haben aber die Familie gefragt“, sagt Pelzel. Eine Frage des Anstandes. Immerhin gehe es um ihre Vorfahren. Sie hätten der Neugestaltung zugestimmt.

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