Kaufpreis für Bauland

Baulandpreise in Berlin steigen auf Rekordwert

Die Preissteigerung um 77 Prozent gefährdet die kommunalen Projekte. Der Senat fordert vom Bund eine Spekulationsbremse.

Die Preissteigerung um 77 Prozent gefährdet die kommunalen Projekte

Die Preissteigerung um 77 Prozent gefährdet die kommunalen Projekte

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn

Berlin. Der Berliner Senat will in dieser Legislaturperiode 30.000 landeseigene Wohnungen errichten. Doch das könnte deutlich teurer werden als bislang geplant: Allein im vergangenen Jahr sind die Baulandpreise in der Hauptstadt um 77 Prozent gestiegen. Das geht aus der Kaufwertliste hervor, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Dienstag vorgelegt hat.

Der durchschnittliche Kaufpreis für Bauland lag demnach 2017 bei 695 Euro je Quadratmeter. Im Jahr zuvor waren es in Berlin noch 393 Euro je Quadratmeter gewesen. Damit stiegen die Kaufwerte für unbebautes Bauland deutlich an und erreichten den bisher höchsten Wert, der jemals erreicht wurde, teilte das Amt weiter mit.

Bei der Anzahl der Verkäufe und den dabei gezahlten Kaufpreisen zeigten sich im vergangenen Jahr weiterhin deutliche Unterschiede in den einzelnen Bezirken (siehe Tabelle). So wurden gut ein Fünftel aller Verkäufe, nämlich 198 von insgesamt 885, in Marzahn-Hellersdorf gemeldet.

Weniger als zwei Prozent (16 Verkäufe) und damit erneut die wenigsten Fälle entfielen auf Friedrichshain-Kreuzberg. Dafür liegt der angesagte Innenstadtbezirk mit einem Rekordanstieg von 1025 Euro pro Quadratmeter auf nunmehr 4890 Euro je Quadratmeter bei den teuersten Baugrundstücken in der Stadt unangefochten auf dem ersten Platz. Den niedrigsten Kaufwert gab es hingegen mit 247 Euro je Quadratmeter in Spandau.

Brachliegende Grundstücke dienen nur als Geldanlage

„Steigende Immobilien- und Bodenpreise sowie große Transaktionen belegen das Interesse vieler Investoren an Berlin“, kommentierte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) die Zahlen. Wenn baureife Grundstücke zügig mit bezahlbaren Wohnungen bebaut und die erworbenen Immobilien auch im Sinne der Berliner Mieter bewirtschaftet würden, sei dies eine gute Sache.

„Leider ist das aber häufig nicht der Fall, und hinter dem Erwerb steht vor allem die Erwartung an einen höheren Gewinn“, sagte Lompscher. Die öffentliche Hand sei gefordert, gegen die zunehmende Spekulation mit baureifen Grundstücken vorzugehen. „Berlin hat den Verkauf zum Höchstpreis längst eingestellt, der Bund muss endlich nachziehen“, forderte sie. Denn Berlin habe im Steuerrecht grundsätzlich keine Regelungsbefugnis, um gegen Spekulation vorzugehen.

„Von der Wertsteigerung profitieren lediglich die aktuellen Eigentümer, ohne dass eine Entwicklung, also Nutzbarmachung der Fläche stattfindet“, heißt es in der Verwaltung von Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD). Grundstücke, die als bloße Geldanlage dienen und die brachliegen, weil auf weitere Wertsteigerungen spekuliert werde, schränkten die Gestaltungsmöglichkeiten einer Stadt ein. „Das ist keine gute Entwicklung“, sagte seine Sprecherin Eva Henkel der Berliner Morgenpost.

Auch die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus reagierten mit Besorgnis auf die am Dienstag veröffentlichten Zahlen. „Der Bericht zeigt klar, dass die explodierenden Bodenpreise immer mehr verhindern, dass kostengünstiger Wohnraum entsteht“, sagte die wohnungspolitische Sprecherin der Grünen, Katrin Schmidberger. Gerade die Genossenschaften könnten oft nicht mehr mithalten. Umso zentraler sei es daher, mehr landeseigene Flächen an sie zu vergeben.

„Berlin sollte vermehrt auch im Umland bauen“

Auch Schmidberger sieht die Bundesregierung in der Verantwortung: „Wir brauchen endlich eine Spekulationsbremse bei Bauland“, sagte sie. Zwar würden Bodenwertsteigerungen teilweise bereits abgeschöpft, aber es sollten alle nur durch Baurecht oder Umnutzungen durch Bauämter genehmigten Wertsteigerungen ab einem gewissen Wert bei der öffentlichen Hand verbleiben.

Bei der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus sieht man jedoch auch den Berliner Senat in der Pflicht. „Berlin sollte vermehrt auch Grundstücke im Umland erwerben, um dort zu bauen“, fordert der baupolitische Sprecher der Union, Christian Gräff. Wichtig sei dabei, die Verkehrsinfrastruktur sowie Kitas und Schulen mitzudenken. „Das macht mehr Sinn, als unangemessen teure Immobilienankäufe in der Innenstadt durchzupeitschen“, sagte Gräff.

Das betont auch die FDP: „Wer günstigen Wohnungsbau will, muss natürlich auf die Grundstückspreise achten – das gilt für den privaten Häuslebauer wie die landeseigene Gesellschaft“, so der Berliner Fraktionschef Sebastian Czaja. Wichtig sei, die Berliner Durchmischung, und damit die Attraktivität der Stadt, nicht zu gefährden. „Wenn die Stadt an den Rändern wachsen soll, muss die Infrastruktur mitwachsen.“

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