Gedenken

Positive Signale für Exilmuseum am Anhalter Bahnhof

Es gibt Pläne einer Stiftung, am Anhalter Bahnhof ein Exilmuseum zu errichten. Der Kultursenator sieht kein Problem beim Denkmalschutz.

Am Anhalter Bahnhof könnte ein neues Museum entstehen

Am Anhalter Bahnhof könnte ein neues Museum entstehen

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin.  Verhalten, aber insgesamt positiv hat die Senatskulturverwaltung erstmals auf die Pläne einer privaten Stiftung reagiert, am Anhalter Bahnhof ein Exilmuseum zu errichten. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) habe bereits im Mai 2017 in einem Gespräch mit den Initiatoren des Museums die dort skizzierten inhaltlichen Vorstellungen begrüßt, heißt es in der Antwort der Kulturverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Daniel Wesener.

Damals sei das Museum noch in der Fasanenstraße (Charlottenburg) geplant gewesen. Inzwischen favorisiert die Stiftung aber, wie berichtet, einen Neubau auf einem landeseigenen Grundstück zwischen dem Lilli-Henoch-Sportplatz und der Portalruine des Anhalter Bahnhofs. „Dieser Ort hat als häufiger Ausgangspunkt für ein Exil eine hohe symbolische Bedeutung und überzeugt daher grundsätzlich mehr als der Standort Fasanenstraße“, erklärt Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert in seiner Antwort. Sie ist noch nicht veröffentlich, liegt aber der Berliner Morgenpost vor.

Thema von historisch großer Bedeutung für Berlin

Das Thema Exil sei für Berlin historisch von sehr großer Bedeutung und Berlin für die Befassung mit diesem Thema infolge der NS-Diktatur „grundsätzlich der richtige Ort“, so Wöhlert. Andererseits gebe es in Berlin bereits „eine ganze Reihe“ durch das Land Berlin und den Bund öffentlich geförderter Institutionen, die sich über Ausstellungen und Veranstaltungen sowie durch Sammlungs- und Dokumentationsschwerpunkte mit Exil beschäftigen. Hinzu kämen weitere Institutionen in Deutschland mit überregionalem Anspruch. „Es wäre zu prüfen, inwiefern die Einrichtung eines neuen Museums ein geeigneter Schritt ist, um das Thema noch stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern“, schreibt der Staatssekretär.

Das von einer bürgerschaftlichen Initiative getragene Exilmuseum soll ein Ort sein, der den Inhalt des Wortes Exil begreifbar macht. Im Zentrum der Ausstellung sollen die Schicksale einzelner Menschen stehen, insbesondere derer, die Deutschland im Nationalsozialismus verlassen mussten. Dabei setzen die Initiatoren vor allem auf die mediale Vermittlung, auf Bilder, Töne, Texte, Filme sowie multimediale Rauminstallationen.

Zu den Protagonisten der Stiftung gehören der ehemalige Kulturstaatssekretär André Schmitz, der Kunsthändler und Mitbegründer der Villa Grisebach, Bernd Schultz, der ehemalige Wissenschaftssenator Christoph Stölzl sowie als Schirmherrin Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller. Der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne) unterstützt das Projekt.

Der Kulturstaatssekretär sieht in der Nähe des Museums zu den erhaltenen Resten des alten Anhalter Bahnhofs aber keine grundsätzlichen Probleme mit dem Denkmalschutz. „Aus Sicht der Denkmalpflege erscheint die Einbeziehung der Portalruine in die Planung eines Exilmuseums geeignet, einen Vermittlungsbeitrag zur Geschichte des Denkmalstandortes zu leisten“, teilt er in seiner Antwort mit.

Daniel Wesener hält ein Exilmuseum am Anhalter Bahnhof für eine „Riesenchance“, aber auch für eine Herausforderung. „Hier braucht es einen sensiblen Umgang mit dem vorhandenen Denkmal, aber auch eine überzeugende städtebauliche Lösung. Umso mehr freue ich mich über die positiven Signale der zuständigen Denkmalschutzbehörden und ihre Bereitschaft, die weiteren Planungen konstruktiv zu begleiten“, sagte der Grünen-Abgeordnete der Berliner Morgenpost.

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