Hitze in Berlin

Berlins neue Spülmaschine - BSR sprengt die Straßen

22 BSR-Fahrzeuge versprühen in Berlin Wasser. Die Aktion soll den Asphalt kühlen. Am ersten Abend regnete es allerdings.

Die BSR sprüht zur Abkühlung nachts Wasser auf Berlins Straßen – hier am Bahnhof Zoo, Ecke Hardenbergstraße

Die BSR sprüht zur Abkühlung nachts Wasser auf Berlins Straßen – hier am Bahnhof Zoo, Ecke Hardenbergstraße

Foto: Jürgen Engler

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) hat mit einer mehrstündigen Aktion versucht, für zusätzliche Abkühlung in der Innenstadt zu sorgen. In der Nacht zu Freitag waren Spülfahrzeuge unterwegs und haben mehrere Tausend Liter Wasser auf dem heißen Asphalt verteilt.

„Das hat den Staub auf der Straßenoberfläche gebunden und damit der Straßenreinigung gedient. Außerdem hatte es einen Kühlungseffekt“, erklärte BSR-Sprecher Sebastian Harnisch. Menschen mit empfindlichen Atemwegen würden vor allem durch die Staubbeseitigung von der nächtlichen Spülaktion profitieren. „Und wir setzen darauf, dass sich durch die Kühlung das Mikroklima verbessert.“

Nach Angaben des BSR-Sprechers waren in der Nacht zu Freitag 22 Spülfahrzeuge im Innenstadtbereich unterwegs. „Wir sind ausschließlich auf mehrspurigen Straßen gefahren“, sagte Harnisch. „Es sind immer zwei Fahrzeuge nebeneinandergefahren und haben Wasser auf die Fahrbahnen gespült.“ Als Beispiele führte er die Potsdamer Straße, die Schönhauser Allee und die Karl-Liebknecht-Straße an. Die Laster im bekannten BSR-Orange haben Wassertanks, in die ungefähr 10.000 Liter pro Lkw passen. Mit ausfahrbaren Spüldüsen wurde das Wasser auf die Straßen gespritzt.

Wie oft die Tanks in der Nacht wieder aufgefüllt wurden, konnte Harnisch nicht sagen. Unterwegs war die Spülkolonne von 22 Uhr abends bis sechs Uhr am Morgen. „Insgesamt wurden etwa 230 Arbeitskilometer zurückgelegt“, sagte Harnisch. Die Kosten für die Nachtzuschläge der BSR-Fahrer würde der Senat übernehmen. Die Höhe konnte der Sprecher nicht beziffern. Bei dem Wasser handele es sich nach Aussagen der BSR nicht um Trinkwasser. Es komme aus Tiefbrunnen auf BSR-eigenen Liegenschaften.

„Wir werden die Einsätze fahren, solange wegen Hitze und Trockenheit Bedarf besteht“, sagte Harnisch. „Bei milden Temperaturen und Regenwetter fahren wir natürlich nicht.“ Auf jeden Fall sei man in der Nacht zu Sonnabend wieder unterwegs.

Der Umstand, dass nach Wochen der Trockenheit ausgerechnet in der ersten Nacht der Sprühaktion Regen fiel, wird in den sozialen Netzwerken kommentiert. „Hätte man bei dem Wetterbericht dann ja noch rechtzeitig abblasen können, die Aktion“, hieß es, oder „Ganz, ganz schlau, NACH der großen Hitze und NACH dem Gewitter die Straßen bewässern zu wollen, um die Stadt abzukühlen. Bestes Beispiel, dass man den Bürgern in der Not nicht zur Verfügung steht.“ Nach Angaben der BSR waren vor dem ersten Sprüh- und Spüleinsatz Abstimmungsprozesse mit den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Wohnen, Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sowie Wirtschaft, Energie und Betriebe nötig.

Senat gibt mehr Geld für Rettung von Straßenbäumen

„Der Abstimmungsprozess war nötig, da die Durchführung von nächtlichen Spülfahrten in den verschiedenen Fachabteilungen geprüft werden musste“, sagte Svenja Fritz, Sprecherin der Senatsverwaltung für Wirtschaft. „Zudem erforderte die Aktion eine Anpassung des Schichtmodells der Mitarbeitenden der BSR und benötigte daher eine gewisse Vorlaufzeit. Dennoch konnte die Maßnahme kurzfristig organisiert werden.“

Da die Hitze und die Trockenheit weiter anhalten und viele Bäume dringend bewässert werden müssen, hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz den Betrag für die Hilfe für Straßenbäume um weitere 300.000 Euro aufgestockt. Anfang Juli hatte die zuständige Senatsverwaltung den Bezirken insgesamt 600.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld kann von den Bezirken unbürokratisch zur Bewässerung der Bäume abgerufen werden, hieß es in einer Mitteilung. „Bei diesen Temperaturen merken alle, wie wichtig unsere Bäume sind. Straßenbäume sorgen für ein wohltuendes Stadtklima, sind wichtige Schattenspender, senken die Temperaturen, binden Luftschadstoffe und machen unsere Stadt lebenswert“, sagte Umweltstaatssekretär Stefan Tidow. „Deshalb unterstützen wir die Bezirke weiterhin beim Wässern der Bäume und haben unsere finanzielle Hilfe ausgeweitet.“

Berlins Kastanien leiden doppelt

Das Wässern übernimmt die BSR. Sie war nach eigenen Angaben in bislang acht von zwölf Bezirken unterwegs. Berlins Kastanienbäume leiden in diesem Sommer doppelt. Da ist zum einen die anhaltende Trockenheit und zum anderen die Miniermotte. „Das ist eine doppelte Belastung“, sagte Derk Ehlert, Sprecher der Senatsumweltverwaltung. Wegen der Wärme schlüpfe bereits die dritte oder sogar schon die vierte Generation. Die Larven zerfressen die Blätter, und weiß blühende Bäume werfen bereits seit Ende Juni in großem Stil braunes Laub ab.

Naturschützer sind beunruhigt, denn durch trockene Sommer und Stürme kann der Baum durch den zusätzlichen Stress ganze Äste verlieren.

Temperaturen von 37 Grad hält Meteorologe Thomas Dümmel von der Freien Universität Berlin für den Rest des Jahres in der Stadt für nahezu ausgeschlossen. „Da müsste heiße Luft von Süden mit einer großen Windgeschwindigkeit zu uns geblasen werden“, sagte er. Auf viel mehr als 30 Grad komme es sonst ab Mitte August in unseren Breiten nicht mehr.

Mehr zum Thema:

BSR will nun nachts mit Spülfahrzeugen Straßen kühlen

Hitzestress - Berlins Eichen werfen die Eicheln ab

Hitze und Miniermotte: Doppelter Stress für Kastanien

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.