Schönefeld/Tegel

Gewerkschaft schließt weitere Streiks bei Ryanair nicht aus

Schönefeld ist eine große Basis von Ryanair. Viele Maschinen blieben während des Piloten-Streiks am Boden. Auch Tegel war betroffen.

Ryan-Air-Mitarbeiter bestreiken Schönefeld

Wenn der Chef nicht hört, leiden die Passagiere. Wie sehr sich der Streik bei Ryan Air auf die Berliner auswirkt, berichtet Johanna Rüdiger.

Ryan-Air-Mitarbeiter bestreiken Schönefeld

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Berlin.  Der Pilotenstreik bei der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair hat am Freitag auch Berlin und Brandenburg erreicht. Am Flughafen Schönefeld blieben am frühen Morgen mehrere Maschinen am Boden, erst nach 9 Uhr ging der erste Ryanair-Flug des Tages. 32 von 48 Flügen fielen nach Flughafen-Angaben am Freitag aus. Auch Tegel war betroffen: Dort wurden vier der zehn Flüge gestrichen, die die irische Fluggesellschaft für Laudamotion übernimmt.

Die Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ zeigte sich am Freitag zufrieden mit dem Verlauf des Arbeitskampfes. Eine Verlängerung über Samstagmorgen um 2.59 Uhr hinaus sei nicht geplant, sagte Sprecher Janis Schmitt. Weitere Streiks will die Gewerkschaft nicht ausschließen. Sie strebt Tarifverträge bei dem Billigflieger an.

In Schönefeld, wo es sonst schon kurz nach 6 Uhr Andrang gibt, zogen am Freitag erst gegen 8.00 Uhr die ersten Passagiere ihre Rollkoffer durch das bis dahin menschenleere Labyrinth aus Absperrbändern vor dem Check-In. Auch am Service-Schalter für Umbuchungen gab es kaum Besuch - Kunden, deren Flug ausfällt, hatte Ryanair am Mittwoch informiert.

"Man ist das ja schon gewohnt"

Die 9.10-Uhr-Maschine nach Zadar in Kroatien war die erste der irischen Fluggesellschaft, die am Freitag in Schönefeld abhob. „Man ist das ja schon gewohnt“, kommentierte - wie eine ganze Reihe von Passagieren - auch Alex. Bis zum Abflug war der junge Mann nicht sicher, ob die Maschine wirklich fliegt. Ab Samstag soll er als Schiffsführer eine Segel-Crew vor der kroatischen Küste leiten. Bei einem gestrichenen Flug wäre der Törn für die ganze Gruppe ausgefallen.

Eine Reihe von Passagieren bemängelte, dass Ryanair nur diejenigen informiert habe, deren Flüge gestrichen wurden. Sie hätten sich auch eine Bestätigung für jene gewünscht, die dennoch fliegen können.

Verständnis für die Piloten

„Ich habe kein Verständnis für Ryanair, aber für die Piloten“, sagte der Berliner Nikita, der mit zwei Freunden in den Urlaub flog. „Sie müssen ihre Arbeitskleidung selbst zahlen, auch die Verpflegung an Bord.“ - Ein anderer ruft dazwischen: „Beschwerden auf hohem Niveau.“ „Aber viele sind auch nicht mal fest angestellt“, erwidert Nikita. Beide haben keine Sorgen, dass sie wegen eines möglichen weiteren Streiks nicht aus dem Urlaub zurückkommen. Deshalb fliegen sie nicht mit Ryanair.

Deutschland war der Schwerpunkt des Streiks bei dem Billigflieger in fünf europäischen Ländern. Besonders betroffen war neben Frankfurt der Flughafen Schönefeld, wo Ryanair neun Flugzeuge stationiert hat.

Gestrichen wurden in Schönefeld Flüge etwa nach Barcelona, Rom und London. In Tegel traf es unter anderem Laudamotion-Flüge nach Mallorca und Malaga, die Ryanair normalerweise für die Partner-Airline übernimmt. Damit waren mehrere tausend Passagiere betroffen, darunter viele Urlauber. Die Schulferien in Berlin und Brandenburg enden in einer Woche. Der Flughafen verwies die Kunden für weitere Informationen an Ryanair und Laudamotion.

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