Patenschiff

Ein Stück Berlin auf hoher See - Müller besucht die Marine

Michael Müller besucht die Marine. Er ist zu Gast auf dem Patenschiff der Stadt in der Deutschen Bucht. Die Morgenpost fuhr mit.

Michael Müller auf dem Versorger "Berlin"

Michael Müller auf dem Versorger "Berlin"

Foto: Senatskanzlei/Yaroslav Dimont

Nordholz.  Michael Müller ist bekennender Hubschrauber-Fan. Wann immer er im Urlaub die Möglichkeit habe, einen Rundflug zu buchen, nehme er sie wahr, erzählt er. Mit einem Sea-King-Helikopter der Bundesmarine sei er aber noch nie geflogen. Und so ist der erste Besuch des Regierenden Bürgermeisters auf dem Patenschiff der Stadt, dem Einsatzgruppenversorger „Berlin“, gleich eine doppelte Premiere.

Der Flug vom Marinegeschwaderstützpunkt Nordholz bei Wilhelmshaven zur „Berlin“ dauert eine knappe halbe Stunde. Nach Müllers Geschmack hätte er länger ausfallen können. Seine kleine Delegation, zu der auch Fritz Felgentreu, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Neukölln und Verteidigungsexperte seiner Fraktion, sowie der General für Standortaufgaben Berlin der Bundeswehr, Andreas Henne, gehören, ist ebenfalls sehr angetan.

Bei einer „Reisegeschwindigkeit“ von 180 Stundenkilometern und einer Flughöhe zwischen 60 und 300 Metern eröffnen sich grandiose Ausblicke auf die Nordsee, das Wattenmeer und den regen Schiffsverkehr in der Deutschen Bucht. Müller und Felgentreu dürfen auf zwei bequemen Sitzen im Heck des Helis Platz nehmen und werden mit Helm ausgerüstet, die übrigen Delegationsteilnehmer sitzen barhäuptig auf den beiden Bankreihen an den Seiten, der Holzklasse gewissermaßen.

Ein Stück Berlin unterwegs auf dem Meer

Nach 30 Seemeilen ist das Ziel erreicht, die „Berlin“ kreuzt kurz vor Helgoland. Der Einsatzgruppenversorger ist neben den baugleichen „Frankfurt“ und „Bonn“ das größte Schiff der Deutschen Marine. 174 Meter lang, 24 Meter breit. Schon der erste Eindruck macht deutlich, das hier ein Stück Berlin auf dem Meer unterwegs ist. Die Hauptverbindungsgänge und zentralen Punkte des Schiffes sind nach Berliner Straßen und Plätzen benannt. Der Helikopter-Hangar heißt Flughafen Tegel, es gibt einen Pariser und einen Potsdamer Platz, Unter den Linden, Friedrichstraße, Messedamm.

Die Besatzung mag das, es trage nicht nur zur Identifikation mit dem Schiff bei, sondern erleichtere auch die Orientierung, heißt es. Es ist tatsächlich nicht leicht, sich auf dem riesigen Pott zurechtzufinden. Eine Woche brauche man schon, um wenigstens die wichtigsten Orte und Wege problemlos zu finden, erzählt ein Hauptbootsmann. Er stammt aus Spandau. Überhaupt sind Berliner und Brandenburger gut vertreten in der Besatzung, zu der 145 Männer und 15 Frauen zählen.

Die „Berlin“ ist ein Kriegsschiff, ihre Aufgabe ist aber, Flottenverbände mit Wasser, Kraftstoff, Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs sowie Munition zu versorgen. Außerdem führt sie ein Lazarett, das Marine -Einsatzrettungszentrum, (Merz) an Bord, das in einem Containerverbund untergebracht ist. Drei Schiffe können gleichzeitig versorgt werden. Der Einsatzgruppenversorger lief 1999 vom Stapel. 2001 wurde er in Dienst gestellt, seitdem besteht die Patenschaft mit der Stadt Berlin.

Bei mehreren großen humanitären Einsätzen dabei

Schiff und Besatzung waren bereits bei mehreren großen humanitären Einsätzen gefordert. Beim Tsunami 2005 kompensierte die Berlin“ vor der indonesischen Küste den Ausfall eines zerstörten Krankenhauses. Die Besatzung versorgte hunderte Verletzte und half beim Wiederaufbau. Danach war sie zweimal im Mittelmeer im Einsatz und rettete in Seenot geratene Flüchtlinge. Der nächste Einsatz im Rahmen der Operation „Sophia“ soll Ende Januar 2019 beginnen. Derzeit laufen an Bord vor allem Übungen und Techniktests. Die Berlin war bis April,dieses Jahres eineinhalb Jahre in der Werft, wurde generalüberholt. Nun sind 50 Prozent der Mannschaft neu, müssen eingearbeitet werden. Auch das ist eine Herausforderung.

Kommandant Sven Hikele nennt sein Schiff eine schwimmende Stadt, und die lässt sich Michael Müller ausführlich zeigen. Insbesondere das Merz fesselt seine Aufmerksamkeit. Das Behandlungszentrum entspricht dem Standard eines ordentlichen deutschen Kreiskrankenhauses, verfügt über zwei OP-Säle, ein Zahnarzt-Zimmer, 42 Krankenbetten und eine Intensivmedizin. Operationen seien sogar bei Seegang möglich, nur komplizierte Augen-OPs würde man dann besser nicht durchführen, erklärt Hikele. Der Regierende Bürgermeister ist beeindruckt.

In seiner Ansprache an die Soldaten betont Müller, ihr Einsatz verdiene gesellschaftliche Anerkennung. Es sei etwas sehr Besonders, Einblicke in ihre Arbeit zu bekommen. Die Patenschaft werde von beiden Seiten wirklich gelebt, das zeige sich insbesondere durch die langjährige Unterstützung der Besatzung für das Neuköllner Kinderheim St. Josef und den Verein ,Freundeskreis des Einsatzgruppenversorgers’. Der Regierende Bürgermeister bedankt sich für das Modell der „Berlin“, das seit Juli im Roten Rathaus besichtigt werden kann.

Nach der Wiedervereinigung hätten sich beide Seiten erst aneinander gewöhnen müssen, heute bestehe eine enge Verbindung“, sagt Müller. „Sie repräsentieren Deutschland und stehen für die Werte, für die unser Land steht. Sie erleben hautnah Krisen und Katastrophen und setzen sich damit auseinander, was in Berlin politisch entschieden wird“.

Wie intensiv und sensibel sich die Soldaten und Soldatinnen damit auseinandersetzen, wird anschließend bei den erstaunlich offenen Gesprächen deutlich. Auch Müller spricht mit etlichen Besatzungsmitgliedern, fragt, warum sie zur Marine gegangen sind, hat zudem vertrauliche Konsultationen mit Hikele und Henne. Danach sagt er, er habe nun ein Gefühl dafür bekommen, wie belastend die ständigen Einsätze sind.

Die Besatzungsmitglieder sind sechs Monate auf See, Wachen und anschließende übrige Dienste häufig erheblich länger als ein üblicher Arbeitstag. „Wir sind sehr stolz auf das Schiff, das den Namen unserer Stadt trägt“, betont Müller. Das kommt gut an bei den Soldaten, die ihn überwiegend als „ganz lockeren Typ“ wahrnehmen. Dazu tragen offenbar auch seine Gastgeschenke bei - Craftbier aus der Hauptstadt und wasserfeste USB-Sticks.

Nach knapp 24 Stunden an Bord verabschiedet sich die Delegation am Freitagvormittag von der Mannschaft und fliegt mit einem Sea-King-Helikopter zurück nach Nordholz. Die Visite diente der Patenschaft und der gegenseitigen Verbundenheit. Immerhin ist es acht Jahre her, dass mit Klaus Wowereit ein Regierender Bürgermeister Gast auf der Berlin war.

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