Neubauprojekt

Cecilienviertel – Warum der neue Kiez nicht funktioniert

In Biesdorf entstehen im Cecilienviertel 1500 Wohnungen, aber kein einziger neuer Kita- oder Schulplatz. Die Anwohner sind ratlos.

CDU-Politiker Christian Gräff (Bildmitte) und die Anwohner kämpfen für eine Wald-Kita am Buckower Ring

CDU-Politiker Christian Gräff (Bildmitte) und die Anwohner kämpfen für eine Wald-Kita am Buckower Ring

Foto: Lorenz Vossen

Berlin.  Die Ballons stehen für die Hoffnung, sagen sie. Die Hoffnung, dass ihre Wald-Kita vielleicht doch noch gebaut wird. „Es muss doch einen Weg geben, dieses Grundstück für unsere Kinder und Enkel erlebbar zu machen“, sagt Edelgart Schaub, die seit 1984 am Buckower Ring wohnt, und die mit ihren Mitstreitern einst verhinderte, dass dort Bäume für eine Flüchtlingsunterkunft gefällt werden. Bäume, Natur, dass sei doch genau die richtige Umgebung für die Kleinsten im Kiez, ist sie sicher. Dann steigen die Ballons in die Luft.

Mittendrin, einen lila Ballon, in der Hand, steht Christian Gräff. Der CDU-Abgeordnete aus Marzahn-Hellersdorf teilt den Wunsch der Anwohner, wenn auch aus etwas anderen Gründen. In der Gegend zwischen Buckower Ring und Blumberger Damm sollen im Rahmen von drei Neubauprojekten rund 550 Wohnungen entstehen – das „Cecilienviertel“. Das erste Projekt an der Joachim-Ringelnatz-Straße mit 300 Einheiten steht kurz vor der Fertigstellung. Weiter südlich entstehen sogar noch mal 1000 Wohnungen.

Was zum einen natürlich erfreulich ist, die rege Bautätigkeit steht für die steigende Attraktivität des Bezirks. „Aber an die soziale Infrastruktur wurde überhaupt nicht gedacht, sagt Gräff. Soll heißen: Obwohl etliche Familien in die neuen Wohnungen ziehen werden, schafft der Bezirk keinen einzigen zusätzlichen Kita-, keinen zusätzlichen Schulplatz. Auch gibt es bei den umliegenden Buslinien – das einzige Angebot im öffentlichen Nahverkehr – keine Taktverdichtungen. Gerade die seien im Berufsverkehr aber notwendig, so Gräff.

Schulen und Kitas sind jetzt schon überlastet

Vor allem aber seien Kitas und Schulen jetzt schon überlastet, sagt der CDU-Politiker und präsentiert Zahlen. So rechnet die neue Grundschule am Habichtshorst für das kommende Schuljahr mit 117 Schülern – in den ursprünglichen Planungen waren aber nur 78 vorgesehen. Um diesen Engpass auszugleichen, wurden sechs Container bestellt. Doch es gibt Probleme bei der Finanzierung, die Container werden zum Schulstart wohl nicht da sein.

Der zuständige Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) habe das Problem nicht angegangen und den nötigen Bedarf ignoriert, kritisiert Gräff. Auch habe er mehr Druck bei der Senatsbildungsverwaltung machen müssen. Aus dem Bezirksamt heißt es indes, dass die Engpässe, die etwa auch bei der Johann-Strauß-Grundschule bestehen, durch die benachbarte Grundschule an der Wuhle aufgefangen werden sollen.

Auch Parkplätze fehlen

Ein weiteres Beispiel sind Parkplätze. Neue sind im „Cecilienviertel“ kaum vorgesehen. So werde der nötige Schlüssel von 0,6 Stellflächen pro Bewohner aber nicht zu halten sein, kritisiert Gräff. „Eine Verpflichtung, bei Neubauvorhaben auch KFZ-Stellplätze zu errichten, gibt es leider nicht“, sagt dazu Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin (CDU). Nur bei Fahrradständern sehe die Berliner Bauordnung das vor. Man prüfe derzeit aber, „inwiefern Möglichkeiten bestehen, dennoch Parkraumkapazitäten im Umfeld zu erhöhen“, so Martin.

Ironischerweise wurden dort, wo jetzt neue Wohnblocks entstehen, selbige Anfang der Nuller-Jahre abgerissen. Die Bewohnerzahlen gingen zurück, es gab viel Leerstand. Der sogenannten Stadtumplanung fielen auch eine Grund- sowie eine Realschule zum Opfer. In der letzten Legislaturperiode hatte der Bezirk dann Flächen für Kitas und Schulen freigehalten.

Die Flächen sind also nicht nur da, es besteht auch Interesse daran. Für das Grundstück am Buckower Ring, wo die Anwohner zwischen den vielen Bäumen von einer Wald-Kita träumen, stünden offenbar zwei Träger für einen Betrieb bereit.

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