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Neues Qualitätsprogramm

S-Bahn-Manager stellen sich der Wut der Fahrgäste

Als Teil der neuen Qualitätsoffensive trafen sich S-Bahn-Manager am Südkreuz mit Fahrgästen. Die Kritik war heftig.

Führungskräfte der Deutschen Bahn und der S-Bahn stellten sich Fahrgästen. S-Bahnchef Peter Buchner (l.) mit einem Fahrgast

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

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Weniger Verspätungen, weniger Zugausfälle und einen besseren Service für ihre Fahrgäste. Berlins S-Bahn will endlich besser werden. Vor drei Wochen hatte S-Bahn-Chef Peter Buchner dafür ein ehrgeiziges Qualitätsprogramm angekündigt. Am späten Dienstagnachmittag nun stellte er sich im Bahnhof Südkreuz direkt den Beschwerden seiner Kunden.

Die waren zunächst einmal recht zufrieden. Hatte der S-Bahn-Chef doch nicht nur ein halbes Dutzend hochrangiger Kollegen mitgebracht, sondern auch eine Palette mit Mineralwasserpäckchen. Bei gefühlten 45 Grad in der sonnendurchfluteten Bahnhofshalle fanden die reißenden Absatz.

Wie zur Bestätigung fällt eine Ringbahnfahrt aus

Teils harsche Kritik blieb den Bahnmanagern dennoch nicht erspart. Etwa von Ulrike aus Wünsdorf, die auf dem Weg zur Arbeit in Kreuzberg am Südkreuz regelmäßig aus der Regional- in die S-Bahn umsteigen muss. „Deren Pünktlichkeit ist seit Monaten eine Katastrophe“, klagte sie. Vor allem bei der Rückfahrt verpasse sie immer wieder den Anschluss. Was bedeutet: Für die Heimfahrt benötige sie statt eineinhalb dann zwei Stunden oder mehr. „Inzwischen arbeite ich verkürzt, damit ich noch was vom Tag habe“, sagte sie. Wie zur Bestätigung erfolgte prompt die Lautsprecherdurchsage, dass auf der Ringbahnlinie die nächste Fahrt ausfällt. Weitere sollten noch folgen.

In dem Fall war nicht die S-Bahn für die Störung verantwortlich. Am Nachmittag hatte es einen langwierigen Notarzteinsatz am S-Bahnhof Bornholmer Straße gegeben. „Ein neuralgischer Punkt in unserem Netz, weil von Störungen dort sowohl die Ringbahn als auch die Nord-Süd-Linien betroffen sind“, sagte Buchner. Aber es gebe genügend Probleme, die die S-Bahn Berlin selbst, aber auch die Bahntöchter DB Netze und DB Station & Service zu lösen hätten.

32 Millionen Euro an zusätzlichen Investitionen

Mit dem Programm „S-Bahn plus“ wollen die Bahnunternehmen nun versuchen, wieder mehr Stabilität in den täglichen Berliner S-Bahn-Betrieb zu bringen. Rund 180 Einzelmaßnahmen sind geplant, rund 32 Millionen Euro will der Konzern zusätzlich investieren, unter anderem in den Austausch von 915 veralteten Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik. Erste Projekte, wie das zentrale Öffnen aller Türen auf der Stadtbahnstrecke zwischen Ostkreuz und Hauptbahnhof, seien inzwischen angelaufen. Weitere, wie der Austausch eines störanfälligen Relais für die Türsteuerung, sollen in den nächsten Wochen folgen. Nach zwei Stunden Debatte mit den Fahrgästen zog Buchner ein positives Fazit: „Die meisten meiner Gesprächspartner waren sachlich.“

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Bereits am Donnerstag will sich Buchner erneut den Fahrgästen stellen, dann ab 17 Uhr am Bahnhof Zoo.

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