Kommentar

Hitzefrei in der Verwaltung – eine falsche Großzügigkeit

Die Berliner Verwaltung bekommt bei den hohen Temperaturen hitzefrei – auf Kosten der Steuerzahler, sagt Andreas Abel.

Andreas Abel findet, dass es ein falscher Weg sei, der Verwaltung hitzefrei zu geben

Andreas Abel findet, dass es ein falscher Weg sei, der Verwaltung hitzefrei zu geben

Foto: Krauthoefer

Wer angesichts der Hitze in diesen Tagen arbeiten muss, hat’s schwer. Es sei denn, er hat das Glück, in einem klimatisierten Betrieb tätig sein zu dürfen. Oder in einer Senatsverwaltung. Denn mindestens fünf dieser Behörden haben ihren Mitarbeitern in der zurückliegenden Woche großzügig hitzefrei gewährt und ihnen erlaubt, ihren Dienst um 14 Uhr zu beenden – ohne, dass die Stunden irgendwann nachgearbeitet werden müssen oder vom Überstundenkonto abgezogen werden.

Das verwundert aus zwei Gründen. Erstens gibt es keine allgemeingültige Regelung für die Berliner Verwaltung, jeder Senator kann offensichtlich Gesundheits- und Arbeitsschutz nach seinem Gusto interpretieren. Zweitens wurde der Belegschaft dieses pauschale Geschenk auf Kosten der Steuerzahler gemacht – ohne, dass es darüber eine öffentliche Diskussion oder auch nur eine Information gab.

Natürlich muss jeder Arbeitgeber auf die Hitzewelle reagieren und prüfen, ob die Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten und der Gesundheitsschutz gewahrt sind. Da gibt es viele Möglichkeiten, die von Fall zu Fall geprüft und angewandt werden können – von der befristeten Ausweitung des Homeoffice über eine gelockerte Kleiderordnung bis zur Flexibilisierung der Arbeitszeit nach dem Motto: Wer früher anfängt, kann auch früher gehen.

Wenn all das nicht greift, weil in Amtszimmern nicht klimatisierter Gebäude schon am Vormittag die Raumtemperatur über den zulässigen 26 Grad liegt, kann den Beschäftigten auch gestattet werden, den Dienst früher zu beenden, wenn es die Arbeit zulässt. Aber doch bitte nicht pauschal für alle auf Kosten der Allgemeinheit.

Die Verwaltung heißt nicht nur öffentlicher Dienst, jeder Dienstherr sollte sie auch als solchen verstehen. Berlins Verwaltung will sich als guter Arbeitgeber präsentieren. Hitzefrei aber ist ein falscher Weg.

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