Friedrichstraße

Checkpoint Charlie: Grüne kritisieren Verfahren zur Bebauung

Die beiden freien Flächen am Checkpoint Charlie sollen bebaut werden – aber an dem Verfahren wird nun erhebliche Kritik laut.

Sieben Architekturbüros haben Entwürfe vorgelegt, darunter auch Graft. Sie heben die Enden der Gebäude an

Sieben Architekturbüros haben Entwürfe vorgelegt, darunter auch Graft. Sie heben die Enden der Gebäude an

Foto: GRAFT Berlin

Berlin. Die beiden freien Flächen am Checkpoint Charlie östlich und westlich der Friedrichstraße sollen bebaut werden – aber an dem Verfahren wird nun erhebliche Kritik laut. Die kommt insbesondere aus der Koalition selbst, von den Grünen, und zielt auf Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) und Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD).

„Ich fühle mich verschaukelt“, sagte Daniel Wesener, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Abgeordnetenhaus, der Berliner Morgenpost. Offenbar seien weitreichende Absprachen mit dem Investor getroffen worden, davon erfahre das Parlament aber nur aus den Zeitungen. Zudem wirft Wesener der Landesregierung vor, schlecht verhandelt zu haben. So werde das öffentliche Interesse an diesem besonderen historischen Ort nicht gewahrt.

900.000 Euro pro Jahr für das Museum zum Kalten Krieg

Wie berichtet, ist auf dem westlichen Grundstück ein Bildungs- und Erinnerungsort zur internationalen Dimension des Kalten Krieges und zur Geschichte des ehemaligen Grenzübergangs geplant. Vorgesehen sind 3000 Quadratmeter Nutzfläche, davon 2000 Quadratmeter im Untergeschoss. Diese Größe sei im Verhältnis zur gesamten Baumasse sehr gering, so Wesener.

Nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung sind auf dem Areal 26.000 Quadratmeter oberirdische Geschossfläche geplant. Zudem müsste Berlin an den Investor Miete zahlen, nach derzeitigem Stand laut Stadtentwicklungsverwaltung 22,42 Euro kalt pro Quadratmeter. Das wären rund 800.000 Euro Mietkosten pro Jahr. Wesener findet das viel zu teuer.

Aber auch hinsichtlich der städtebaulichen Fragen lasse der Senat eine professionelle Verhandlungsstrategie vermissen, kritisierte der Grünen-Politiker. Man komme dem Investor sehr weit entgegen und schließe eine Absichtserklärung (Letter of intent) mit ihm, ohne dass dieser Zugeständnisse gemacht habe. Dieser Weg des geringsten Widerstands sei falsch. Zudem rügte Wesener, dass dem Landesparlament die Inhalte dieser Vereinbarung nicht zugänglich gemacht würden.

"Privater Investor wird bevorzugt"

„Offensichtlich wurden Weichen gestellt, die einen privaten Investor und seine Interessen bevorzugen, aber aus unserer Sicht nicht die Belange der Stadt“, sagte auch Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek im RBB. Lompscher hatte zwar weitere Verhandlungen mit dem Bauherren angekündigt, das geht Grünen und CDU aber nicht weit genug. Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Abgeordneten, kritisierte ebenfalls fehlende Transparenz und „undurchsichtige Absprachen“ und forderte namens seiner Fraktion, das Thema in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses zu beraten. Darüber hinaus habe er Akteneinsicht beantragt.

„Ganz offensichtlich fehlt dem Senat jede Sensibilität für die Entwicklung am Checkpoint Charlie“, befand Evers. Insgesamt nur elf Stunden würden die Architekturentwürfe öffentlich gezeigt, schon am Montag solle eine Jury darüber entscheiden. „Nach jahrzehntelangem Warten muss nun auf einmal alles ganz schnell gehen, möglichst ohne störende öffentliche Debatte“, kritisierte der CDU-Fraktionsvize. Auch Stefan Förster (FDP) mahnte Sensibilität für den Ort an: „Es muss nicht alles bleiben, wie es ist, aber ein maßloses Zubauen der historischen Blickbeziehungen schadet der Authentizität des Stadtbildes.“

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