Trotz Wohnungsnot

Bezirksbürgermeister fordern Erhalt der Gewerbeflächen

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Andreas Abel
Bürgermeister Oliver Igel im Rathaus Köpenick

Bürgermeister Oliver Igel im Rathaus Köpenick

Foto: Massimo Rodari

Gewerbeflächen aufgeben, um auf den Grundstücken Wohnungen zu bauen? Dagegen wehren sich die Berliner Bezirke.

Berlins Bezirksbürgermeister fordern den Senat auf, keine weiteren Gewerbeflächen mehr aufzugeben, um auf den Grundstücken Wohnungen zu bauen oder soziale Infrastruktur zu schaffen. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Rat der Bürgermeister auf seiner letzten Sitzung. Das jetzige Niveau des Bestandes müsse trotz des großen Bedarfs an Wohnungen gehalten werden, sagte Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD). Gewerbe- und Industrieflächen würden für die Mischung in der Stadt benötigt. Dabei gehe es nicht nur um die Sicherung von Arbeitsplätzen, sondern auch um Verkehrsfragen. Würden Gewerbestandorte verstärkt ins Umland verlagert, müssten die Mitarbeiter weite Wege zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen.

„Wir müssen aus der Abwärtsspirale herauskommen“, forderte Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg (SPD), auf deren Initiative der Beschluss gefasst wurde. Er sei auch als Signal an Investoren gedacht. Es komme häufig vor, dass diese Gewerbegrundstücke preiswert erwerben – in der Hoffnung, auf dem Areal später Wohnungsbau gestattet zu bekommen. Gegen diese Art der Spekulation wenden sich die Bezirksbürgermeister. Sie wünschen sich zudem vom Bund wirkungsvollere Instrumente, um dagegen vorgehen zu können, dass Grundstückseigentümer Gewerbegelände jahrelang nicht nutzen, weil sie sie für einen eventuellen Wohnungsbau vorhalten.

Senat soll weitere Höfe für Gewerbe und Kreative schaffen

Ferner heißt es in dem Beschluss, Berlin solle weitere Gewerbe- und Kreativhöfe aufbauen und dafür eine Landesgesellschaft gründen, wie es sie früher schon einmal mit der Gewerbe-Siedlungsgesellschaft GSG gab. Dieses Ziel verfolgt auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Zudem wünschen sich die Bezirksbürgermeister rechtliche Möglichkeiten, Gewerbegrundstücke intensiver zu nutzen, etwa dichter zu bebauen.

Die Industrie- und Handelskammer IHK begrüßte den Beschluss der Bürgermeister. Der Anteil an Gewerbeflächen sei in Berlin rückläufig. Über die ganze Stadt würden zunehmend ausgewiesene Industrie- und Gewerbe- in Wohnbauflächen umgewandelt. Im Vergleich dazu würden Hamburg und Bremen den Anteil der Gewerbeflächen ausbauen. Das derzeitig noch verfügbare Gewerbeflächenpotenzial von rund 300 Hektar werde spätestens 2030 aufgebraucht sein.