Ehemaliger Grenzübergang

So könnte am Checkpoint Charlie gebaut werden

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Andreas Abel
Checkpoint Graft Berlin

Checkpoint Graft Berlin

Foto: GRAFT Berlin

Der Checkpoint Charlie ist ein Touristenmagnet. Nun sollen die letzten beiden freien Grundstücke bebaut werden. Das sind die Entwürfe.

Berlin. Der Checkpoint Charlie ist einer der spannendsten Orte Berlins – einst Hotspot des Kalten Krieges, heute Treffpunkt für Touristen. Zur Aura trägt auch bei, dass er immer noch den Charakter des Provisorischen aufweist, dass die Zeit der Teilung und deren Überwindung hier noch fassbarer sind als an anderen Stellen in der Stadtmitte.

Das Unfertige manifestiert sich vor allem in den beiden Grundstücken auf der nördlichen Seite der Zimmerstraße, östlich und westlich der Friedrichstraße. Nun sollen die beiden freien Flächen bebaut werden. Darüber gibt es Streit, es gibt aber auch etwas zu sehen: Am Donnerstagnachmittag wurde eine Ausstellung eröffnet, in der die finalen Entwürfe von sieben Architekturbüros präsentiert werden, die sich an einem Workshopverfahren des Senats beteiligen.

Es geht nicht um konkrete Entwürfe

Die sieben namhaften Architekturbüros sind Caramel Architekten, Cobe Berlin, David Chipperfield Architects, Graft, Hild und K Architekten, Jürgen Mayer H. und Partner sowie Sauerbruch Hutton. Bei ihren Beiträgen zur Ausstellung geht es aber nur um grundsätzliche städtebauliche Fragen wie die Verteilung von Baumassen oder die Festlegung von Freiflächen, nicht um konkrete Architektenentwürfe. Das bedeutet: Was in der Ausstellung gezeigt wird, wird so konkret nie am Checkpoint Charlie gebaut werden, sondern ist im Ergebnis Grundlage eines folgenden Realisierungswettbewerbes.

Daran sollen die sieben Büros plus sieben weitere beteiligt werden. Er soll bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein, betrifft aber nur das westliche Grundstück. Für das östliche Grundstück, auf dem ein Hotel gebaut werden soll, sind bereits Graft Architekten gesetzt. Auch sie müssen aber ihren Entwurf den Ergebnissen des städtebaulichen Workshops anpassen.

Kommentare der Besucher werden weitergeleitet

Wer sich die Entwürfe nicht nur ansehen möchte, sondern sie auch kommentieren will, muss sich beeilen. Die Ausstellung an der Zimmerstraße ist zunächst nur bis Sonnabend zu sehen. Am Montag, 6. August, entscheidet bereits das Obergutachtergremium über die Entwürfe, ihm gehören Architekten, Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie des Immobilienentwicklers Trock­land und weitere Experten an. Das Ergebnis werde die Grundlage für einen Bebauungsplan sein, erläuterte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die Kommentare der Besucher würden den Obergutachtern zugeleitet.

Trockland hat die besten Karten, die beiden prominenten Grundstücke am Checkpoint Charlie bebauen zu dürfen. Das Unternehmen hat die Grundschuld vom früheren Eigentümer, der insolvent ist, übernommen. Nach Morgenpost-Informationen beträgt sie mehr als 90 Millionen Euro. Der Insolvenzverwalter hat eine Kaufoption für Trockland ins Grundbuch eintragen lassen. Ein Vorkaufsrecht des Landes Berlin wäre bei einer Zwangsversteigerung wirkungslos, der Insolvenzverwalter hat das Recht, einen maximalen Erlös zu erzielen.

Vielmehr hat die Landesregierung ein Interesse daran, sich mit Trockland über die Bebauung der Grundstücke zu einigen. Dazu wurde eine Absichtserklärung (Letter of Intent) zwischen dem Immobilienentwickler und den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Kultur und Finanzen über die Parameter der Bebauung unterzeichnet.

Auf dem östlichen Areal ist „Charlie Hospitality“, das erste Hard-Rock-Hotel Kontinentaleuropas mit knapp 400 Zimmern, geplant. Auf dem westlichen Grundstück sollen Wohnungen, Büros, Geschäfte, Freiflächen und vor allem ein rund 3000 Quadratmeter großes Museum entstehen, in dem die Geschichte und weltpolitische Bedeutung des Ortes reflektiert wird. Der Wohnanteil soll nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung rund 7800 Quadratmeter betragen – 30 Prozent der geplanten oberirdischen Geschossfläche. Davon sind wiederum 30 Prozent (2340 Quadratmeter) für Sozialwohnungen vorgesehen.

Die Stadtentwicklungsverwaltung bezeichnet die Ausstellung und die Diskussionsveranstaltungen in der Reihe „Zukunft Checkpoint Charlie“ als „umfassenden Beteiligungsprozess“ in einem mehrstufigen Planungsverfahren. Theresa Keilhacker, Architektin und Mitglied im Berliner Rat für Stadtentwicklung, hält die öffentlichen Informationen zu dem Thema für unzureichend und erklärte, die Bürgerbeteiligung werde zu wenig kommuniziert. Keilhacker fordert zudem, die Entwicklung der beiden Grundstücke müsse „zusammen gedacht“ und konzipiert werden.

Ausstellung : Zimmerstraße 92–94 (Rohbau Charlie Living). Geöffnet: Freitag, 3. August, 17–20 Uhr, Sonnabend, 4. August, 12–20 Uhr. Vom 7. bis 21 August ist die Ausstellung in der Senatsbauverwaltung, Württembergische Straße 6, zu sehen (Mo. bis Fr., 9–17 Uhr)

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