Berlin-Schöneweide

Obdachlose angezündet: Polizei verhaftet Tatverdächtigen

Nach dem Brandanschlag auf zwei Obdachlose in Schöneweide hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt. Es wurde Haftbefehl erlassen

Am S-Bahnhof Schönweide geschah der Anschlag auf die beiden Männer

Am S-Bahnhof Schönweide geschah der Anschlag auf die beiden Männer

Foto: Morris Pudwell

Berlin.  Rund anderthalb Wochen nach dem Brandanschlag auf zwei Obdachlose in Berlin-Schöneweide haben Zielfahnder des Landeskriminalamtes (LKA) einen 47 Jahre alten Tatverdächtigen nach intensiven Ermittlungen in Köpenick festgenommen. Das teilte die Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Berlin mit. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen.

Am Abend des 22. Juli hatte soll der Mann die beiden schlafenden Obdachlosen mit Benzin übergossen und angezündet haben. Die Opfer hatten auf dem Bahnhofsvorplatz gelagert. Der Angreifer entkam, Zeugen löschten den Brand. Zuletzt werteten Ermittler Aufnahmen aus Überwachungskameras aus.

Gegen den ermittelten Tatverdächtigen wurde bereits am 26.07.2018 durch das Amtsgericht Tiergarten ein Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Da sich der Mann nach der Tat versteckt hielt, wurde die Zielfahndung des Landeskriminalamtes hinzugezogen. Intensive Ermittlungen führten schließlich dazu, dass LKA-Beamte den Mann am Dienstagabend im Einkaufszentrum "Forum Köpenick" festnahmen. Der Haftbefehl wurde dem 47-Jährigen am Mittwoch verkündet.

Die Ermittlungen ergaben bisher keine Anhaltsspunkte für eine obdachlosenfeindliches Motiv. Ein Sprecher der Staatsanwalt sagte, dem Angriff sei ein Streit des Verdächtigen mit den beiden Obdachlosen vorausgegangen. Der 47-Jährige sei deshalb von der Polizei von dem Areal verwiesen worden.

Aus Wut das Benzin gekauft

Der habe sich darüber offenbar so sehr aufgeregt, dass er mit einem bislang unbekannten Begleiter zu einer Tankstelle gelaufen sei und dort Benzin in einem Kanister gekauft habe, so der Sprecher. Der mutmaßliche Angreifer kehrte dann auf den Bahnhofsvorplatz zurück. Nach der Attacke sei er zunächst geflüchtet.

Dass der Verdächtige nur anderthalb Wochen nach der Tat gestellt werden konnte, wertete die Staatsanwaltschaft als Erfolg. „Das war eine hervorragende Arbeit am Tatort“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Eines der beiden Opfer steht mittlerweile vor der Entlassung aus der Klinik. Der 62-Jährige sei gesundheitlich so weit wiederhergestellt, dass er das Krankenhaus in den nächsten Tagen mit einer Streetworkerin verlassen könne, sagte eine Sprecherin des Unfallkrankenhauses (UKB) in Berlin-Marzahn am Mittwoch. Der Mann werde sich dann in eine organisierte Unterkunft begeben.

Nach wie vor kritisch ist hingegen der Zustand des zweiten Opfers. Der 47-Jährige liegt weiterhin in einem Schutzkoma und wird intensivmedizinisch betreut, wie die Sprecherin sagte. Ihm stünden auch noch mehrere Operationen im Zentrum für Schwerbrandverletzte der Klinik bevor, bei denen er sukzessive Hauttransplantate erhalte. Mehrere solcher OPs hat er den Angaben zufolge bereits hinter sich. Mehr als ein Drittel seiner Haut soll verbrannt sein.

Nach dem Anschlag hatte Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) vor einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft gewarnt. Es brauche mehr Mitmenschlichkeit. Mit einer Mahnwache hatten rund 150 Menschen gegen Obdachlosenfeindlichkeit und Ausgrenzung protestiert. Am Tatort stand ein Schild mit der Aufschrift „Trauer - Wut - Solidarität“.

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