Sommer in Berlin

Rekordhitze in Berlin - Kein Hitzefrei für Bauarbeiter

37 Grad in Berlin. Viel müssen trotzdem in der Hitze arbeiten. Worauf man jetzt achten muss.

Es geht noch heißer: Tino Kersten (34) trennt bei Gleisbauarbeiten in Karow alte Schienen mit dem Schweißbrenner

Es geht noch heißer: Tino Kersten (34) trennt bei Gleisbauarbeiten in Karow alte Schienen mit dem Schweißbrenner

Foto: Amin Akhtar

Berlin.  Berlin ächzt unter der aktuellen Rekord-Hitzewelle. Große Parkflächen wie beispielsweise am Gleisdreieck oder auf dem Tempelhofer Feld sind wie leer gefegt – wer kann, sucht sich ein Plätzchen im Schatten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat sogar eine amtliche Warnung wegen „starker Wärmebelastung“ für die Hauptstadt ausgesprochen. Bereits am Montag wurden 36 Grad gemessen – bisheriger Jahreshöchstwert.

Sommerhitze: Sechs Experten-Tipps zur Abkühlung
Sommerhitze: Sechs Experten-Tipps zur Abkühlung

Am Dienstag soll der Rekord von Montag sogar schon wieder gebrochen werden, mit schwitzigen 37 Grad, die der DWD voraussagt. Und: „An beiden Tagen ist mit einer zusätzlichen Belastung aufgrund verringerter nächtlicher Abkühlung insbesondere im dicht bebauten Stadtgebiet zu rechnen.“ Auf gerade einmal 22 bis 24 Grad soll laut DWD nachts die Quecksilbersäule im Thermometer fallen – im Mai wären das schon Temperaturen für einen angenehmen Frühlingstag. Doch so schön das gute Wetter für jene sein mag, die zum Beispiel ihre Sommerferien in Berlin verbringen, birgt es trotzdem auch Gefahren. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie kommt man gesund durch die Hitzewelle?

Als oberste und einfachste Regel gilt: Übertreiben Sie es nicht. Drehen Sie nicht die Klimaanlage voll auf, denn ein abrupter Temperaturwechsel kann den Körper durcheinanderbringen. Die Folgen: Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen und Erkältung. „Die ideale Raumtemperatur bei diesen außerordentlich hohen Außentemperaturen liegt daher eher bei 26 Grad als bei den sonst üblichen 20 bis 22 Grad“, teilt Markus Heckmann, Pressesprecher der Barmer-Krankenkasse Berlin/Brandenburg, mit. Das gilt übrigens auch für eine Abkühlung im Badesee. „Je höher der Unterschied zwischen Wasser- und Lufttemperatur, desto höher das Risiko, einen Kälteschock zu erleiden“, sagt Heckmann. Deshalb empfiehlt er, langsam ins Wasser zu gehen. Allgemein sollte man sich während der Rekordhitze mit Sport eher zurückhalten. Passend dazu hat die Barmer noch bis zum 2. August eine medizinische Hotline eingerichtet, die Fragen rund ums Thema Hitze beantwortet.

Darf man jetzt tagsüber keinen Sport mehr machen?

Doch. Aber auch hier gilt: Übernehmen Sie sich nicht. Heckmann empfiehlt, das gewohnte Trainingsprogramm um 30 bis 50 Prozent zu reduzieren, um sich an die hohen Temperaturen zu gewöhnen. Außerdem sollten Laufstrecken in der Sonne und in der Mittagshitze vermieden werden. Aber das Wichtigste ist natürlich: ganz viel trinken.

Sollte man also besser mit Bus und Bahn anstatt mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren?

Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er sich am wohlsten fühlt. Grundsätzlich ist aber gegen eine Fahrradfahrt in angemessenem Tempo nichts einzuwenden. Denn, so sagt Heckmann, sind die Temperaturen in einer vollen Bahn meist noch höher als im Freien. „Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, kommt wahrscheinlich tatsächlich weniger verschwitzt an.“

Und was ist mit den Bauarbeitern und Handwerkern, die in der Sonne schwitzen müssen?

Die sind den Temperaturen gnadenlos ausgesetzt. Gerade die Bauarbeiter, die zum Beispiel die Berliner S-Bahn am Karower Kreuz erweitern, brutzeln in der Sonne. „Das machen die Männer, damit die Berliner S-Bahn fahren können“, lobt die Bahnsprecherin für Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern, Nadine Fuhrhop. Und ergänzt: „Natürlich darf jeder so viele Pausen im Schatten machen, wie und wann er will, bevor er einen Hitzschlag bekommt.“ Denn eine gesetzliche Handhabe existiert nicht. Was aber auch bedeutet: Hitzefrei gibt es für Handwerker nicht. Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, fügt hinzu: „Es mag banal klingen, aber wichtig ist vor allem, sich durch geeignete Kleidung und Kopfbedeckung vor Sonne und Hitze zu schützen.“ Und: Sonnencreme verwenden.

Wie ernährt man sich bei Temperaturen über 30 Grad richtig?

Flüssigkeit aufnehmen ist das A und O. Das heißt natürlich viel trinken – am besten Wasser oder ungesüßte Getränke wie selbst gemachter Eistee oder Saftschorle. Normalerweise sollte man rund zwei Liter am Tag trinken, bei der Gluthitze kann der Bedarf aber sogar auf bis zu fünf Liter täglich ansteigen. Wer aber nicht mit einem gluckernden Wasserbauch rumlaufen möchte, kann auch über Essen Flüssigkeit aufnehmen. Zum Beispiel über wasserreiches Obst und Gemüse wie Wassermelone oder Gurke.

Also besser kein Steak auf den Grill werfen?

Nein, und zwar nicht nur weil es schwer zu verdauen ist. Denn in Berlin herrscht im Moment sehr hohe Waldbrandgefahr. Das bedeutet: Grillen im Wald – auch schon in dessen Nähe – ist strikt verboten. „Das kann sonst bis zu 50.000 Euro Strafe kosten“, sagt Derk Ehlert von der Berliner Umweltverwaltung. Gleiches gilt übrigens auch fürs Rauchen: Wer seine Zigarettenkippen achtlos im Wald oder auf ausgetrockneten Flächen, aber auch am Strand von Badeseen wegwirft, riskiert Waldbrände – und empfindliche Strafen.

Kostenlose Hitze-Hotline der Barmer-Krankenkasse: 0800/8484111

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