Hitzewelle

36,3 Grad - Berlin ächzt unter der Hitze

Dienstag war bislang der heißeste Tag des Jahres in Berlin. Die Morgenpost hat nachgefragt, wie die Berliner mit der Hitze leben.

Feuerwehrmänner der Feuerwache Prenzlauer Berg verschaffen sich und einigen Passanten vor der Feuerwache eine kleine Abkühlung. Auch die umstehenden Blumen und Straßenbäume werden mit Wasser versorgt

Feuerwehrmänner der Feuerwache Prenzlauer Berg verschaffen sich und einigen Passanten vor der Feuerwache eine kleine Abkühlung. Auch die umstehenden Blumen und Straßenbäume werden mit Wasser versorgt

Foto: snapshot-photography/R.Price / snapshot-photography

Polizeieinsatz am Freibad

Wer in Freibädern Abkühlung suchen wollte, musste Schlange stehen. Besonders starken Andrang meldeten die Berliner Bäder-Betriebe im Sommerbad Neukölln und im Sommerbad Humboldt­hain, wo wegen Überfüllung ab späten Mittag keine Besucher mehr eingelassen wurden. Vor dem Pankower Bad gab es unter den Wartenden derartigen Unmut, dass sogar die Polizei anrücken musste. Am Strandbad Weißensee standen die Besucher wegen eines Schadens an den Abwasserrohren vor verschlossenen Türen. Sprecher Matthias Oloew geht davon aus, dass am Dienstag in den Bädern 40.000 Menschen Abkühlung suchten. Am Badeschiff in Treptow betrug die Wartezeit zwei Stunden.

Krankenhäuser und Feuerwehr

„Viele Leute haben sich schon an die Hitze gewöhnt“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Menschen vermieden etwa anstrengende Aktivitäten unter sengender Sonne, würden ausreichend Wasser trinken oder blieben vorsorglich zu Hause, wenn sie krank und schwach seien. Auch die großen Berliner Krankenhäuser sind nach eigenen Angaben bislang vom Hitze-Notstand weit entfernt, mancherorts ist eher von einer entspannten Situation die Rede. Die Rettungsstellen von Vivantes, Charité und den DRK-Kliniken registrierten keine wetterbedingten Auffälligkeiten.

S-Bahn

Die Rekordhitze machte auch der Berliner S-Bahn zu schaffen – und vor allem deren Passagieren. So legte ein Lokschaden die Ringbahn in Tempelhof lahm, die Fahrgäste mussten in der Folge 25 Minuten auf freier Strecke im überhitzen Zug ausharren. Schon am Morgen waren wegen der Hitze zu wenige Züge einsatzfähig. Und in den heißen Nachmittagsstunden gab es laut Sprecher ein „erhöhtes Störgeschehen“ bei der Schieneninfrastruktur. Übersetzt heißt das: 20-Minutentakt auf der S3, Signalstörung auf der Ringbahn sowie am Bahnhof Ostkreuz, Weichenstörung in Lichtenberg. Und dann brannte auch noch eine Böschung entlang der S9, weshalb die Züge nicht bis zum Flughafen Schönefeld fahren konnten.

Wasser für die Stadtbäume

Weil abgesehen von einzelnen Gewittern keine ergiebigen Regenschauer in Sicht sind, sorgen sich die Bezirksämter um den Bestand an Straßenbäumen. In Pankow rief Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) am Dienstag die Bürger auf, Bäume zu gießen und dabei möglichst sogenannte Bewässerungssäcke zu benutzen. Diese Hilfsmittel werden ab sofort vom Pankower Grünflächenamt kostenlos an freiwillige Helfer verliehen. Bewässerungssäcke lassen sich um den Baumstamm legen und mit einem Reißverschluss festzurren. Sie geben Feuchtigkeit langsam und gleichmäßig an das Erdreich ab.

Stadtautobahn aufgeplatzt

Hitzeschäden sorgten auf der Stadtautobahn für Verkehrsbehinderungen und Staus. Wegen der hohen Temperatur waren am Dienstag Fahrbahnplatten auf der A 100 aufgeplatzt, wie ein Sprecher der Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) sagte. Die Strecke wurde am Dreieck Funkturm in Richtung Wedding gesperrt, wie die VIZ auf Twitter mitteilte. Deshalb sei es in dem Bereich zu massiven Verkehrsbehinderungen gekommen.

Flughäfen: Sorge um Klimaanlagen

An den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel wird besorgt auf die Thermometer geschaut. „Das Klima ist zur Zeit unsere größte Sorge“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Nicht nur, dass die Mitarbeiter draußen auf den glutheißen Rollfeldern mit dem Ein- und Ausladen der Koffer nicht mehr hinterherkommen und Fluggäste auf ihr Gepäck warten müssen. Vor allem bangen sie um die betagten Klimaanlagen der Gebäude, die seit Wochen mit voller Kraft laufen. „Bei den Klimaanlagen wird es schwierig, wenn es draußen so heiß bleibt“, so Lütke Daldrup.

Hitzefrei für Berliner Verwaltung

Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) sitzt im vermutlich heißesten Berliner Verwaltungsbau, im 14. Stock, ohne Klimaanlage. Der Büroturm am Preußenpark ist stark sanierungsbedürftig, die Büros hinter der Glasfront heizen sich stark auf. Daher gilt für die Mitarbeiter: Wer nicht will, muss am heißesten Tag des Jahres nicht ins Büro, kann von zu Hause oder in den frühen Morgenstunden arbeiten. Auch im hitzegeplagten Bezirksamt Reinickendorf galt am Dienstag bis auf Ausnahmen: Hitzefrei ab 12 Uhr.

Duschen und Eisspeisen im Zoo

Auch für die Bewohner des Berliner Zoos gab es reichlich Abkühlung. „Die meisten Tiere machen das sonst wie Menschen auch. Sie gehen in den
Schatten, springen ins Wasser oder ziehen sich in kühlere Innenräume zurück“, sagte Zoo-Sprecherin Philine Hachmeister. Auch Eisbärin Tonja vergnüge sich morgens in ihrem Wasserbecken, ehe sie später in ihrem Stall ruhe. Für Kälte liebende Tiere friert der
Zoo Futter in Wassereimern ein – besonders beliebt als Eisbombe sind
Äpfel, Möhren oder Fisch. Für die Eisbären gab es am Dienstag eine gefrorene Wassermelone. An besonders heißen Tagen wie diesem gibt es für die Elefanten eine Extra-Dusche mit dem Wasserstrahl.

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