Mauermuseum

Museums-Mitarbeiter überwies 200.000 Euro aufs eigene Konto

Ein Mitarbeiter des Mauermuseums am Checkpoint Charlie wurde wegen Untreue zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Das Mauermuseum am Checkpoint Charlie

Das Mauermuseum am Checkpoint Charlie

Foto: dpa

Berlin. Die Finanzen des Mauermuseums am Checkpoint Charlie verwalten, das war drei Jahre lang die Aufgabe von Thomas K. Viel Geld ist in der Zeit durch seine Hände geflossen, allerdings nicht immer dorthin, wo es hin sollte. Etwa 200.000 Euro landeten vielmehr auf dem Privatkonto des 39-Jährigen. Am Donnerstag wurde der geständige K. deshalb wegen gewerbsmäßiger Untreue vom Amtsgericht Tiergarten zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Mit ihm auf der Anklagebank saß sein Vater Detlef K., er soll zumindest an einer Tat beteiligt gewesen sein, was er allerdings vehement bestreitet. Der Prozess gegen den 69-Jährigen wurde daher abgetrennt und läuft weiter.

163 Einzeltaten, begangen zwischen 2013 und 2016, hat die Staatsanwaltschaft zusammengetragen. In der Zeit fungierte der studierte Diplom-Kaufmann im Museum als „Abteilungsleiter für Finanzen, Controlling und Personal“. Besondere Vollmachten habe er in der Funktion ungeachtet des wohlklingenden Titels nicht gehabt, erklärte K. dem Gericht. Sie reichten aber offensichtlich aus, um immer und immer wieder Beträge zwischen wenigen Hundert und 5000 Euro beiseitezuschaffen. Möglich wurde ihm das mit gefälschten Überweisungen, bevorzugt über Zahlungen an einen Energieversorger. Mehr wollte der Verurteilte zu den Details der angeklagten Taten nicht sagen. Die Taten seien seinem Mandanten allerdings auch sehr leicht gemacht worden, äußerte ein Verteidiger eher beiläufig zu den erhobenen Vorwürfen.

Der Vorsitzende spricht von „chaotischer Buchführung“

Das fand auch das Gericht. Der Vorsitzende sprach von einer „chaotischen Finanzbuchführung“ im Museum und hätte gern erfahren, wie es möglich war, dass Thomas K. solange aktiv sein konnte, ohne dass dies irgendjemand auffiel. Museums-Chefin Alexandra Hildebrand und ein weiterer leitender Mitarbeiter hätten dazu vermutlich etwas sagen können. Doch obwohl sie als Zeugen geladen waren, blieben sie dem Prozess unentschuldigt fern. „Die Herrschaften werden ihre Gründe haben“, kommentierte dies ein Verteidiger. „Das kommentiere ich jetzt mal nicht“, entgegnete ihm der Vorsitzende.

In der Tat scheint es bei den Kontrollmechanismen in dem Museum noch Verbesserungspotenzial zu geben. Mehr als zwei Jahre konnte Thomas K. schalten und walten wie er wollte. Dann bemerkte ein Steuerbüro „gewisse Unregelmäßigkeiten“, von da an dauerte es noch einmal ein halbes Jahr, bis der 39-Jährige endgültig gestellt wurde. Sollten die Angaben von Zeugen zutreffen, war es im Mauermuseum nicht unüblich, dass Barzahlungen erfolgten, indem man einem Taxifahrer einen Umschlag in die Hand drückte mit dem Auftrag, den zum Empfänger zu bringen. Quittungen darüber sollen nicht immer zwingend erforderlich gewesen sein.

So schweigsam Thomas K. bei Fragen nach Einzelheiten seiner Taten blieb, so ausführlich äußerte er sich zu seinen Motiven. Mit den Taten habe er seine Spielsucht finanziert, gab der 39-Jährige an. Zum Zocken muss heute niemand mehr in ein Casino oder ein Wettbüro gehen, spielen kann man zu Hause. Thomas K. war ständig im Internet, bevorzugt auf den Seiten eines britischen Buchmachers. Als er zur Finanzierung seiner Sucht keine Kredite mehr bekam, bediente er sich bei seinem Arbeitgeber. „Zuletzt habe ich nur noch darauf gewartet, dass alles auffliegt und die Sache endgültig vorbei ist“, sagte K.

Zur Fortsetzung des Prozesses gegen den Vater des Verurteilten hat der Vorsitzende Museums-Chefin Alexandra Hildebrand erneut als Zeugin geladen. Und damit das auch klappt, hat er ihre Vorführung durch die Polizei angeordnet.