Telefon-Beratung

116 117 – bei Anruf kommt der Arzt nach Hause

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Mandy Heidrich nimmt die Anrufe der Patienten entgegen

Mandy Heidrich nimmt die Anrufe der Patienten entgegen

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

In Zukunft will die Leitstelle des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes noch mehr telefonisch beraten - und unnötige Hausbesuche vermeiden.

Berlin. Trotz der ruhigen Urlaubszeit herrscht Hochbetrieb in dem schlichten Büroraum im fünften Stock des weißen Verwaltungsgebäudes an der Masurenallee. 12:37 Uhr, Mandy Heidrich rückt ihr Headset zurecht, meldet sich mit sanfter und beruhigender Stimme: „Schönen guten Tag, ärztlicher Bereitschaftsdienst, was kann ich für Sie tun?“ Die Anruferin am anderen Ende der Leitung hat es aus der Warteschlange geschafft.

„Ich habe da ein Problem. Mir geht es nicht gut, mir ist schwindlig“, sagt die Frau. Schmerzen links in der Brust? Schmerzen im linken Arm? Kein Druck im Kopf? Nein. Für die 40-jährige Dispatcherin, eine ausgebildete Arzthelferin, ist damit klar: Das ist kein Fall für die 112. Sie verspricht der älteren Dame aus Hellersdorf, einen Arzt zu schicken.

Weniger Hausbesuche, mehr Telefon-Beratung

Die Hitze setzt derzeit vielen Berlinern zu. Eine 32-Jährige aus Charlottenburg klagt bei ihrem Anruf über Kreislaufbeschwerden, sie hat erst vor einer Woche entbunden. Ein 92 Jahre alter Pankower mit Atembeschwerden schildert, wie es in seiner Brust pfeift. Ob Sonnenstich, Sommergrippe, hoher oder niedriger Blutdruck – wenn die Anrufer es wünschen, schickt der Bereitschaftsdienst einen Arzt vorbei.

Noch hat jeder ein Recht darauf, doch das soll sich ändern. Wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Burkhard Ruppert, ankündigt, soll im Zuge der Reform der ambulanten Notfallversorgung auch der Bereitschaftsdienst neu konzipiert werden. „Wir werden die telefonische Beratung durch Ärzte in der Leitstelle ausbauen“, sagt Ruppert.

Damit könnten unnötige Hausbesuche verhindert und die Wartezeiten auf den Arzt verkürzt werden.“ Nach KV-Angaben müssen sich derzeit 65 bis 75 Prozent der Patienten in der Regel zwei Stunden gedulden, wenn kein akuter Notfall vorliegt, es könne aber auch bis zu vier Stunden dauern. Im vorigen Jahr vermittelte der Ärztliche Bereitschaftsdienst 160.000 Hausbesuche, 40.000 Beratungsgespräche wurden geführt.

Die Nummer 310031 läuft übergangsweise noch

Die Patienten sollen also effektiver durch den Versorgungsdschungel geleitet werden. Mit ihren momentan 35 Mitarbeitern ist die Leitstelle rund um die Uhr unter der seit April geschalteten Telefonnummer 116 117 erreichbar. „Mehr als die Hälfte der Anrufer kommt inzwischen über diese Nummer“, so Ruppert. Die bisherige 310031 läuft übergangsweise weiter. Wenn das neue Konzept spätestens im nächsten Jahr umgesetzt ist, beraten Ärzte voraussichtlich jeden Tag von 8 bis 24 Uhr. Derzeit montags, dienstags, donnerstags von 20 bis 0.30 Uhr, mittwochs und freitags von 13.30 bis 0.30 Uhr, an den Wochenenden von 8 bis 0.30 Uhr

Dass nach Plänen aus dem Bundesgesundheitsministerium künftig Leitstelle und Terminvergabe gemeinsam betrieben werden, hält Bereitschaftsärztin Christiane Bürger aus organisatorischen Gründen für schwierig. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) ebenso. Bei ihrem Besuch in der Leitstelle wirbt Kolat am Mittwoch für den Bereitschaftsdienst: Von den rund 1,2 Millionen Hilfesuchenden in den vermehrt beanspruchten 41 Erste-Hilfe-Stellen hätten 680.000 ambulant behandelt werden können.

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