Gesundheitsforschung

Berliner Forschungs-Leuchtturm bekommt neues Gerüst

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Andreas Abel
Die neue Struktur des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung soll bald ausgearbeitet werden.

Die neue Struktur des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung soll bald ausgearbeitet werden.

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Das Institut für Gesundheitsforschung soll im Herbst andere Struktur bekommen. Der Kaufmännische Vorstand wechselt nach Stuttgart.

Berlin. Die neue Struktur für das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) soll spätestens im Oktober ausgearbeitet sein und im November dem Aufsichtsrat vorgelegt werden. Das sagte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) der Berliner Morgenpost.

Das Strukturkonzept werden im Wesentlichen Krach und der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Georg Schütte, erstellen. Schütte ist Chef des BIG-Aufsichtsrates, Krach dort sein Stellvertreter.

Das Institut für Gesundheitsforschung ist eine Leuchtturmeinrichtung der Forschung und eines der wichtigsten Wissenschaftsprojekte in Deutschland. Es soll dafür sorgen, dass Ergebnisse medizinischer Grundlagenforschung schneller in die Behandlung von Kranken einfließen. Charité und Max-Delbrück-Centrum (MDC) bündeln dort für molekulare Medizin ihre Kapazitäten der Spitzenforschung.

Einmalige Struktur in Deutschland

Diese Struktur ist in Deutschland bislang einmalig, denn das MDC ist eine wesentlich vom Bund finanzierte außeruniversitäre Einrichtung, das Universitätsklinikum Charité gehört indes dem Land Berlin. Das BIG ist finanziell üppig ausgestattet. Für den Aufbau stehen bis Ende dieses Jahres rund 310 Millionen Euro zur Verfügung. 90 Prozent davon zahlt der Bund, zehn Prozent Berlin. Weitere 40 Millionen Euro steuerte BMW-Erbin Johanna Quandt bei. 2018 betragen die Zuwendungen von Bund und Land 76,9 Millionen Euro.

Allerdings hat sich nach fünf Jahren Aufbauarbeit herausgestellt, dass die Struktur zwischen Charité und MDC nicht praxistauglich ist. Es gab Streit im Vorstand, sogar von einer „Blockade“ war unter der Hand die Rede. Der mit großen Erwartungen als Vorstandschef aus den USA nach Berlin geholte Spitzenforscher Erwin Böttinger verabschiedete sich nach nur anderthalb Jahren und wechselte nach Potsdam.

Um das Grundsatzproblem zu lösen, schlugen Schütte und Krach eine radikale Wende vor: Das Institut solle in die Charité eingegliedert werden. Doch die neue Bundesforschungsministerin, Anja Karliczek (CDU), stoppte, wie berichtet, den Plan kurz vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung Mitte Juni.

Jetzt sollen die Inte­gration des BIG in die Charité und eine „privilegierte Partnerschaft“ mit dem Max-Delbrück-Centrum konkretisiert werden. Als Alternative sollen Schütte und Krach aber ebenfalls prüfen, ob das Institut für Gesundheitsforschung auch ohne Anbindung an eine andere Institution existieren könnte. Das wollte die Ministerin so.

Allerdings ist dem Aufsichtsrat klar, dass die Charité für das BIG unverzichtbar ist. Denn um die wissenschaftlichen Erkenntnisse schnell ans Krankenbett zu bringen, braucht es viele Patienten einer Universitätsklinik mit schweren und komplizierten Erkrankungen.

Zweite Personalfrage bedarf zügiger Klärung

Es sei wichtig, dass die neue Struktur für das BIG zügig festgelegt wird, betonte Wissenschaftsstaatssekretär Krach. Denn erst auf dieser Basis sei es sinnvoll, Personalfragen zu klären. Inzwischen muss das Institut allerdings nicht nur einen neuen Vorstandsvorsitzenden suchen. Auch der administrative Vorstand Rolf Zettl wird das BIG zum Jahresende verlassen. Der promovierte Biologe wird neuer Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart.

Beobachter schließen nicht aus, dass Spannungen zwischen Zettl und dem Interimsvorstandschef Martin Lohse zu diesem Wechsel beigetragen haben. Seit 1. März 2016 ist Zettl für den gesamten kaufmännischen und administrativen Geschäftsbereich des BIG zuständig.

Lohse, Vorstandsvorsitzender des MDC, hat die Chefposition am BIG inzwischen an den Dekan der medizinischen Fakultät der Charité, Axel Radlach Pries, abgegeben. Nach Böttingers Weggang hatte sich der Aufsichtsrat auf wechselnde Interimsvorsitze der beiden BIG-Partner geeinigt, bis ein neuer Vorstandschef gefunden ist. Allerdings wurde kein Zeitpunkt für den Wechsel festgelegt.

Wenn Zettl Ende des Jahres geht, muss das Institut voraussichtlich mehrere Monate ohne administrativen Vorstand auskommen, bis ein ausgewählter Nachfolger den neuen Job auch tatsächlich antreten kann. Steffen Krach befürchtet indes kein Vakuum, dies könne die zweite Führungsebene eine Zeit lang auffangen.

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