Islamische Gemeinden

Studie: In Berlin gibt es fast 100 Moscheen und Gebetsräume

Die Zahl der Moscheen und Gebetsräume in Berlin ist seit 2006 leicht gestiegen. Dabei gibt es weiterhin ein großes West-Ost-Gefälle.

Muslime in der Sehitlik-Moschee in Neukölln beim Gebet zu Beginn des Ramadan

Muslime in der Sehitlik-Moschee in Neukölln beim Gebet zu Beginn des Ramadan

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Berlin. In Berlin gibt es aktuell 98 Moscheen und Gebetsräume. Das geht aus der vom Berliner Senat in Auftrag gegebenen Studie „Islamisches Gemeindeleben in Berlin“ hervor, die Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Montag präsentierte.

Laut der Studie sei der Großteil der Moscheen im Stadtbild kaum sichtbar. Bei den meisten handele es sich um sogenannte Hinterhofmoscheen, wie Studienautorin Riem Spielhaus vom Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa betonte. 91 der 98 Moscheen seien zu Moscheen umfunktionierte Räume. Die meisten Moscheen befinden sich laut der Studie im Westteil Berlins - etwa in Wedding (23), Neukölln (20) und Kreuzberg (16). Im Ostteil der Stadt gib es demnach nur zwei Moscheen, und zwar in Pankow-Heinersdorf und in Mitte. Insgesamt wird die Zahl der Muslime in Berlin auf 250.000 bis 300.000 geschätzt. Rund jeder fünfte ist Mitglied einer Gemeinde.

Zwei Drittel der Gemeinden (66 Prozent) sind laut Studie wiederum in einem Dachverband organisiert, ein deutlicher Anstieg seit der letzten Studie, die 2006 durchgeführt wurde. Damals waren es nur 46 Prozent. Die fünf mitgliederstärksten Berliner Dachverbände sind die Islamische Föderation (IFB) mit 17 Gemeinden, die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschland (IGS) mit 15 und die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) mit 14. Danach folgen der Verein islamischer Kulturzentren (VIKZ) mit 8 und der Zentralrat der Muslime (ZMD) mit 7 Moscheegemeinden.

Weniger als ein Promille der Berliner Muslime als extremistisch eingestuft

Die Kommunikation und Kooperation unter den islamischen Gemeinden in der Hauptstadt habe sich seit der letzten Befragung 2006 deutlich entwickelt, bilanzieren die Verfasser der Studie. Es gebe beispielsweise eine Zusammenarbeit zwischen Sunniten und Schiiten bei der Gefängnisseelsorge. Zudem gebe es Kontakte der Moscheegemeinden zu verschiedenen Partnern der Berliner Zivilgesellschaft. Die überwiegende Mehrheit der befragten Gemeinden nehme auch regelmäßig am Tag der offenen Moschee am 3. Oktober teil und biete auf Anfrage Führungen durch die Gemeinderäume an.

Die Studie widmet sich auch dem Thema islamischer Extremismus und kommt zu dem Ergebnis, dass in vier Moscheevereinen wiederholt salafistische Hassprediger auftraten. Die Al-Rahman-Moschee in Wedding sei inzwischen aufgelöst worden, der Moscheeverein Fussilet 33 in Moabit - hier verkehrte auch der Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri - wurde verboten. Laut der Studie werde weniger als ein Promille der Muslime in Berlin als extremistisch orientiert eingeschätzt.

Die Studie kommt zu dem Fazit, dass sich der bereits 2006 erkennbare Trend zur Öffnung islamischer Gemeinden fortgesetzt habe. Die Gemeinden suchten mehrheitlich den Kontakt nach außen, beklagten aber auch Probleme wie Islamfeindlichkeit, alltägliche Diskriminierung und Schwierigkeiten, geeignete Räume für die Gemeindearbeit zu finden und anzumieten oder zu kaufen.

Für die Untersuchung wurden Vertreter von rund einem Drittel der knapp 100 islamischen Gemeinden in Berlin befragt. Zu einzelnen Themen wurden mit weiteren Gemeindevertretern Gespräche geführt und so insgesamt etwa 60 Prozent der Berliner Vereine und Gebetsorte erfasst.

Mehr zum Thema:

Konvertiten in Berlin: Eine Frage des Glaubens

Hausbesitzer wehrt sich gegen Salafisten-Moschee-Pläne

Humboldt-Uni gründet Institut für Islam-Theologie

Giffey nicht grundsätzlich für Burkinis im Schwimmunterricht

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.