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Debatte um Datum

Neuer Feiertag in Berlin: Mehrheit für 17. Juni

Der Senat will einen zusätzlichen Feiertag einführen, unklar ist das Datum. Müllers Favorit hat bei Morgenpost-Lesern keine Chance.

Berlin diskutiert über das Datum für einen neuen Feiertag (Archiv)

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

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Berlin. Gerade erst haben in der Hauptstadt die Ferien begonnen – doch die Berliner diskutieren schon über den nächsten freien Tag: Die Debatte um einen zusätzlichen Feiertag, den der rot-rot-grüne Senat in Berlin einführen will, schlägt hohe Wellen.

Nachdem sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Montag in der Berliner Morgenpost für den 18. März, anlässlich der Märzrevolution von 1848, ausgesprochen hat, melden sich nun weitere Politiker, Leser und Online-Nutzer zu Wort. Einer Internet-Umfrage unter den Lesern der Berliner Morgenpost online zufolge sind die meisten gegen Müllers Favoriten – und plädieren stattdessen für den 17. Juni, den Tag des Volksaufstandes in der DDR.

Der Favorit von Michael Müller landet abgeschlagen auf Platz drei

51 Prozent der Online-Leser sind dafür, so den früheren „Tag der deutschen Einheit“ der Bundesrepublik wieder einzuführen. Auf Platz zwei wählten die Nutzer den 8. Mai, den Tag des Kriegsendes 1945, mit 24 Prozent. Erst auf dem dritten Platz landete der 18. März (17 Prozent). Weit abgeschlagen mit nur acht Prozent Zustimmung ist dagegen die Idee der SPD-Abgeordneten Iris Spranger, die sich für den internationalen Frauentag am 8. März ausspricht.

Viele sind allerdings auch für einen ganz anderen Tag. Oder lehnen die Idee eines Extra-Feiertages gänzlich ab. Die Berliner Morgenpost dokumentiert die wichtigsten und kuriosesten Beiträge, die die Redaktion via Facebook, per Leserbrief oder telefonisch erreichten:

Sandra Hellbusch: „März geht gar nicht. Nicht noch einen im Frühjahr, der mit Ostern oder Himmelfahrt oder Pfingsten oder dem 1. Mai zusammenliegen kann. Lieber später, wo es nicht so viele Feiertage gibt. Ich bin für den 31. Oktober, weil der einfach geschichtlich so bedeutsam ist. Könnte mich aber auch sehr mit dem 17. Juni anfreunden.“

Mary Heid: „Wie wäre es mit dem Eröffnungstag vom BER! Wir wissen zwar nicht, wann das werden wird, aber dafür hat Herr Müller noch viel, viel Zeit, darüber nachzudenken.“

Sabine Bangert, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion: „Ich persönlich brauche keinen zusätzlichen Feiertag. Wir haben genug Gedenktage, mir erschließt sich nicht, warum an solchen Tagen alle Menschen freihaben sollen.“

Marco Möhring: „Ich wäre – rein geschichtlich gesehen – für den 17. Juni. Und natürlich wäre es schön, in der Sommerzeit einen freien Tag zu haben.“

Dirk Schiemann: „Irgendeiner zwischen Sommer und Weihnachten – da zieht sich immer die Zeit ...“

Florian Swyter, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion: „Berlin braucht keinen weiteren Feiertag. Wirtschaftlich haben wir nach wie vor hohen Nachholbedarf, ein weiterer freier Tag wäre schädlich. Zudem gibt es in Berlin andere Probleme zu lösen als die Frage, wann wir alle freimachen.“

Dagmar Gutsch: „Ich bin für den 17. Juni. Der gehört wieder eingeführt.“

Lucky Bee: „Wie wär’s mit dem guten alten Reformationstag. Andere protestantische Bundesländer haben ihn auch wieder eingeführt.“

Klaus-Dieter Korthaus: „Ich bin für den 17. Juni, weil er schon mal Feiertag war und geschichtlich für viele, vor allem den Berlinern bedeutsam war.“

Ed Koch (SPD): „Ginge es nach mir, würden Oster- und Pfingstmontag, der zweite Weihnachtsfeiertag sowie Himmelfahrt ersatzlos gestrichen.“

Alexandra Marusch: „Mein Vorschlag wäre der 20. Juli. Denn an diesen Tag 1944 wurde das letzte Attentat auf Hitler versucht, das auch scheiterte. Ich finde es wichtig, dass Graf Stauffenberg mit seinen Mithelfern nicht vergessen werden sollte.“

Frank Hansel, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion: „Unsere Idee, den Reformationstag zu nehmen, wurde im Parlament leider abgelehnt. Deshalb wäre ich nun für den 17. Juni, da dies der ursprüngliche Tag der deutschen Einheit ist. Die Geschehnisse vom 18. März 1848 sind zu weit entfernt von der Gegenwart.“

Igor Grbavac: „Wie wäre es mit einem Tag, der nicht irgendeiner Minderheit zuzuordnen ist. ‚Internationalen Tag des Friedens‘ der Vereinten Nationen am 21. September wäre super. Das ist für alle ein Grund, freizuhaben.“

Joachim Schmidt: „Ich finde den 18. März prinzipiell eine gute Idee, aber es ist schwachsinnig, dass im gesamten Osten Deutschlands und ab nächstem Jahr auch in ganz Norddeutschland der Reformationstag frei ist, nur in Berlin müssen die Leute am 31. Oktober arbeiten.“

Michael Thomas Röblitz: „Müllers Geburtstag, damit der Farblose wenigstens etwas Glanz bekommt.“

Ralf Drescher: „Wechselnde Feiertage oder gar der in der untergegangenen DDR hysterisch und künstlich – gegen einen großen Teil der Bevölkerung – begangene sogenannte ‚Tag der Befreiung‘ am 8. Mai? Geht es noch? Damit würde der neue Feiertag zum Spielball verschiedenster Parteibücher werden. Andererseits sollte es kein christlicher Feiertag sein. Schließlich gibt es davon schon genug, und ein nicht geringer Teil der Berliner sind keine Christen. Also kommt wohl nur der 17. Juni infrage.“

Gabriele Grieser-Richter: „Was haben wir heute noch mit dem 18. März 1848 zu tun? Das Datum sagt dem Durchschnitt der Berliner Bevölkerung gar nichts. Viel besser wäre der 17. Juni, das ist ein Datum, mit dem auch heute noch die Berliner die einschneidenden Ereignisse von damals in Erinnerung haben. Es ist ohnehin völlig unverständlich, warum der 17. Juni nicht als Gedenktag beibehalten wurde.“

Sabine Daske: „Einen neuen Berliner Feiertag zu finden, ist doch nun wahrhaftig nicht schwer. Das könnte der ‚Tag der Berliner Luftbrücke‘ sein. Dieser Feiertag für Berlin und seine Berliner ist sowohl geschichtlich als auch historischer Natur. Ohne die Luftbrücke hätten die Berliner damals nicht überlebt. In diesem Sinne würden auch die Völker der Welt auf unsere Stadt und seine Menschen schauen. Verehrter Herr Bürgermeister Müller, so würden auch Sie einmal den Berlinerinnen und Berlinern Ihren Respekt zollen.“

Gottfried Hecht: „Feiertage sollten zeitlos sein und an moralische Grundsätze erinnern und diese wieder wachrufen. Deshalb schlage ich keinen politischen Ereignistag, sondern einen neuen Reformationstag wie in Brandenburg als Feiertag vor. Dieser sollte an die aufgeklärten christlich-moralischen Grundsätze erinnern, die beim heutigen Egoismus und mangelndem Gemeinsinn wieder in Erinnerung und zur Beachtung zu rufen wären.“

Cliff Meißner: „Tolle Idee. Der 18. März ist ein guter Anlass. Ständig wechselnde Daten halte ich für unpraktisch. Das würde doch ein Organisationschaos geben.“

Christel Trochim: „Den Buß- und Bettag wieder zurück!“

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