Protestaktion

Umweltschützer kämpfen in Neukölln gegen den Plastikmüll

Die Aktivisten füllten ihren Plastikmüll vor dem Rathaus Neukölln in Einkaufswagen um - und forderten die Abschaffung der Verpackungen.

Die Aktivisten füllen ihren Plastikmüll vor dem Rathaus in Einkaufswagen um

Die Aktivisten füllen ihren Plastikmüll vor dem Rathaus in Einkaufswagen um

Foto: Jessica Heyer

Berlin. Einkaufen gegen Verschwendung: Was zunächst komisch klingt, kann aber durchaus Sinn ergeben. Das zeigte die Aktion „Plastic Attack“ der Jugendorganisation des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUNDjugend). Aktivisten und Verbraucher erledigten am Sonnabend beim Lidl-Supermarkt am Rathaus Neukölln ihren Wocheneinkauf. Anschließend füllten sie die Lebensmittel in Dosen, Gläser und Flaschen um und warfen den entstandenen Plastikmüll in Einkaufswagen. „Wir wollen damit zeigen, wie viel unnützes Plastik wir in unserem Alltag haben“, sagte Georg Kössler, umweltpolitischer Sprecher der Berliner Grünen.

Malte Christiansen, Freiwilliger bei der BUNDjugend, sieht aber nicht nur die Verbraucher in der Pflicht. „Wir wollen erreichen, dass nicht nur die Verbraucher handeln müssen, sondern dass auch die Supermärkte und Produzenten Verpackungen reduzieren“, sagte der 24-Jährige. Auch Helene Bond engagiert sich in ihrer Freizeit bei der Jugendorganisation. „Wir wollen darauf hinweisen, dass die Verbraucher gerne weniger Plastik konsumieren würden, das aber sehr schwierig ist“, sagte die 23-Jährige. Alternativen zu den herkömmlichen Supermärkten sind in Berlin noch selten. Lebensmittelläden wie beispielsweise der Supermarkt „Original Unverpackt“ am Görlitzer Park bieten ausschließlich Lebensmittel ohne Einwegverpackungen an. Auch viele Bio- und Ökomärkte haben Abteilungen mit unverpackten Lebensmitteln zum Abfüllen eingeführt.

Doch nach Ansicht der Aktivisten könnten auch die großen Supermarktketten mehr gegen den Plastikabfall tun. Unnötige Plastikverpackungen sollen abgeschafft werden, und mehr umweltschonendere Materialien sollen zum Einsatz kommen. Die Grünen fordern zudem eine Plastiksteuer, „damit nicht nur aus Kostengründen immer auf Plastik gesetzt wird“, wie Stefanie Remlinger von den Grünen sagte. „Hundert Prozent plastikfrei schafft man nicht“, weiß Remlinger. „Es gibt natürlich Produkte, bei denen eine Plastikverpackung sinnvoll ist, aber man muss nur einmal durch den Laden gehen und sehen, wie viel unnötiges Plastik es gibt“, sagte auch Kössler. Er nimmt die Senatsumweltverwaltung in die Pflicht, um wirksame Strategien zur Abfallvermeidung und Wiederverwendung zu entwickeln. „Da erwarte ich auch Antworten auf diesen Verpackungswahn“, so Kössler.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.