Berlin

Zukunft von Obike weiter unklar

Berliner Radaktivisten rufen im Internet dazu auf, Schlösser und Ortungstracker zu entfernen. Doch das ist illegal

Um die wirtschaftliche Situation des Leihradanbieters Obike ranken sich seit Tagen Spekulationen. Was mit den Rädern auf Berlins Straßen passieren wird, ist unklar. Radaktivisten wollen nun Fakten schaffen. Unter dem Motto „LibreBike“ rufen sie im Internet dazu auf, die Schlösser der Räder zu knacken.

Die Aktivisten zeigen auf ihrer Website, wie man die Schlösser und Ortungstracker von den Rädern entfernt. Ihr Plan: Die Räder sollen weiterhin auf Berlins Straßen unterwegs sein – nur jetzt zur freien Verfügung. Die „freien“ Räder sollen dann mit einem Sticker mit dem Schriftzug „LibreBike“ versehen werden. Die Vorlage dafür haben die Aktivisten ebenfalls ins Netz gestellt. Das ändert nichts daran, dass die Methode illegal ist. Auch die Schrotträder bleiben so weiter auf Berlins Straßen. Zunächst hatte das IT-Portal „Golem“ darüber berichtet.

Ob und wie es mit Obike unabhängig von der Aktion weitergeht, ist weiterhin nicht sicher. Nachdem die Muttergesellschaft in Singapur Ende Juni Insolvenz angemeldet hatte und auch in Deutschland über eine Pleite spekuliert wurde, dementiert der Leihradanbieter Obike nun die Berichte über das Deutschlandgeschäft. Der Gründer des Leihradanbieters, Shi Yi, räumt wirtschaftliche Schwierigkeiten ein, weist aber Aussagen über einen Rückzug aus Deutschland zurück. „Wir haben tatsächlich finanzielle Probleme“, sagte der Unternehmer Shi Yi dem „Handelsblatt“. Aber man arbeite an einer Lösung und bleibe am Standort Deutschland vertreten. Auf seiner Facebook-Seite kündigte Obike an, ab kommender Woche keine Kaution mehr zu erheben. Bisher gezahlte Kautionen würden weiterhin erstattet, versichert das Unternehmen. Doch an den Aussagen von Obike bestehen Zweifel. So hätten Behörden in Frankfurt gesagt, Obike habe schriftlich mitgeteilt, sich aus der Stadt zurückzuziehen, berichtet das „Handelsblatt“. Mehrere Städte hatten Probleme mit dem Anbieter gemeldet – vor allem weil sie dort niemanden mehr erreichten.

Auch der Berliner Morgenpost gelang es bisher nicht, den Anbieter für eine Stellungnahme zu erreichen. Auf eine Anfrage per E-Mail hat Obike binnen einer Woche nicht reagiert. Bei einem Anruf der im Impressum angegebenen Telefonnummer heißt es immer: „Die von Ihnen gewählte Rufnummer ist zurzeit nicht erreichbar“. Auch am Büro der deutschen Gesellschaft von Obike, der OBG Germany GmbH, in Mitte trifft man nicht auf Obike-Repräsentanten.