Jamal Nasser M.

Nach Suizid: Aktivisten halten Mahnwache für Afghanen ab

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Menschen erinnern vor dem Bundesinnenministerium mit einem symbolischen Sarg an Jamal Nasser M., der sich nach seiner Abschiebung in Kabul das Leben genommen hat

Menschen erinnern vor dem Bundesinnenministerium mit einem symbolischen Sarg an Jamal Nasser M., der sich nach seiner Abschiebung in Kabul das Leben genommen hat

Foto: Arne Immanuel Bänsch / dpa

Vor dem Bundesinnenministerium haben Aktivisten an Jamal Nasser M. erinnert. Der Afghane hatte sich nach seiner Abschiebung umgebracht.

Berlin. Nach dem Suizid eines aus Deutschland abgeschobenen Afghanen haben Aktivisten mit einer Mahnwache vor dem Bundesinnenministerium an den Verstorbenen erinnert. Zugleich brachten sie bei der Aktion am Donnerstag im Berliner Regierungsviertel ihre Kritik an Äußerungen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zum Ausdruck.

Seehofer hatte bei der Vorstellung seiner Pläne zur Asylpolitik am Dienstag gesagt: „Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 - das war von mir nicht so bestellt - Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden.“ Einen Tag später wurde bekannt, dass einer der Abgeschobenen in Kabul Suizid begangen hatte.

Die Menschenrechtler trugen bei der Protestaktion einen schwarzen Sarg vor das Bundesinnenministerium. Davor stellten sie Grablichter auf. Anschließend dekorierten sie den Sarg mit einer Decke und einem Geburtstagskuchen. Auf zwei symbolischen Geburtstagspaketen war zu lesen: „Glückwunsch Horst“ und „R.I.P. Jamal Nasser M.“.

Afghane war in Deutschland rechtskräftig verurteilt worden

Der vor einer Woche aus Deutschland abgeschobene Afghane war nach Angaben des Bundesinnenministeriums leblos in einer Zwischenunterkunft in Kabul aufgefunden worden. Nach Auskunft der afghanischen Behörden soll es sich um Suizid handeln. Der Mann hatte zuletzt in Hamburg gelebt. Dort war er unter anderem wegen Diebstahls und versuchter gefährlicher Körperverletzung rechtskräftig verurteilt worden.

Weiter scharfe Kritik an Seehofers Aussage über Abschiebungen

Die Kritik an der Äußerung von Bundesinnenminister Seehofer zu der Sammelabschiebung hält an. Am Donnerstag bezeichnete Diakonie-Präsident Ulrich Lilie die Aussage als „unsäglichen Tabubruch“. “Diese Äußerung ist der Sprache eines deutschen Innenministers unwürdig“, erklärte der Präsident des evangelischen Wohlfahrtverbandes in Berlin.

Das Ministerium selbst erklärte, der Vorfall in Kabul sei bedauerlich. Zu dem umstrittenen Satz selbst folgte von Seehofer keine Erklärung.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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( epd/seg )