Berlin

Baustein für die Energiewende

Energieatlas soll Bauprojekte in Berlin beschleunigen. Nachholbedarf bei Sanierungen

Berlin braucht grüne Energie, um die ehrgeizigen Klimaschutzziele des rot-rot-grünen Senats nicht zu verfehlen. Doch bislang verbrauchen viele Gebäude in der Stadt noch immer zu viel Strom und Wärme. „Die Energiewende ist in vollem Gange, aber die Beschleunigung lässt nach“, sagte der Geschäftsführer der Berliner Energieagentur, Michael Geißler, am Donnerstag. Ein neues Informationsportal soll dem ehrgeizigen Projekt in Berlin nun neuen Schwung verleihen: Der Energieatlas erfasst erstmals alle energierelevanten Daten der Stadt. Nutzer können über die Internetseite etwa den Energieverbrauch in ihrer Nachbarschaft einsehen. Das Portal zeigt aber auch, wie und wo die Energie erzeugt wird.

Die zuständige Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe hofft, dass die neue Datenbasis auch Bauprojekte und Sanierungen beschleunigt. „Der Energieatlas bildet den Ist-Zustand der Energieversorgung in Berlin ab. Wir haben Grundlageninformationen zusammengestellt, die für Entwicklungsprojekte genutzt werden können“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Die aufbereiteten Daten könnten auch privaten Bauherren bei Sanierungsarbeiten helfen. Die interaktive Karte zeigt zum Beispiel den Standort von Blockheizkraftwerken oder auch von Solarmodulen. Die Informationen könnten auch von Hausbesitzern genutzt werden, die etwa Investitionen in ihre Energieversorgung planen, so Energieagentur-Chef Geißler.

Klimaschutz: Kritikan der Bundesregierung

Berlin hat Nachholbedarf, was Sanierungen im Gebäudebestand angeht. Bislang sei die Anzahl der jährlich sanierten Wohnungen nicht ausreichend, um die angepeilten Klimaziele zu erreichen, so Geißler weiter. Berlin will den Ausstoß von Kohlendioxid-Emissionen reduzieren. Bis 2050 soll die Stadt klimaneutral sein. Ein ähnliches Ziel hatte auch der Bund formuliert. Deutschland kommt beim Thema Klimaschutz aber nur langsam voran. Die Bundesregierung habe sich allerdings zuletzt bei anderen Dingen verzettelt und zerstritten, kritisierte Ramona Pop am Donnerstag. „Deswegen kommt es um so mehr auf die Städte und Bundesländer an, die Energiewende zu gestalten“, sagte Pop.

Der Energieatlas soll in den kommenden Jahren weiter gepflegt und ausgebaut werden. Dafür nötige Daten von Netzbetreibern oder Energieversorgern sollen automatisch in das System einlaufen.

https://energieatlas.berlin.de

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