Berlin

Initiative für Tegel-Offenhaltung

Nach Gutachten: Parlamente sollen über längeren Betrieb beraten. Aufsichtsrat tagt

Die Landesparlamente in Berlin und Brandenburg werden sich voraussichtlich nach der Sommerpause erneut mit der Zukunft des Flughafens Tegels befassen. Die oppositionelle CDU in beiden Ländern kündigte am Donnerstag an, mit weiteren parlamentarischen Initiativen gegen die beschlossene Schließung vorzugehen zu wollen.

Anlass ist ein Gutachten des Parlamentarischen Beratungsdienstes des Brandenburger Landtags, das zu dem Schluss kommt, dass der Flughafen Tegel über die Frist von sechs Monaten nach der BER-Eröffnung in Betrieb bleiben kann. Erstellt wurde es im Auftrag der CDU-Fraktion. „Wir sind uns mit der Berliner CDU einig, in unseren Ländern die Initiative zu starten, den Landesentwicklungsplan so zu ändern, dass eine befristete Offenhaltung Tegels möglich wird“, sagte Ingo Senftleben, CDU-Fraktionschef im Potsdamer Landtag. „Es ist eine Frage der Vernunft, diese Option als Absicherung zu behalten.“

Bislang stand im Mittelpunkt der Debatte um den innerstädtischen Airport: Soll Tegel offen bleiben oder schließen? Das Ergebnis rückt nun die Kompromissvariante in den Vordergrund. Denn Kritiker des Schließungsplans befürchten, dass der BER schon bei seiner im Oktober 2020 geplanten Eröffnung zu klein sein werde. Nach Aussagen von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup wird die Kapazität des BER ausreichen. Mit einem Masterplan 2040 soll der BER in fünf Etappen erweitert werden. Laut Prognosen der Flughafengesellschaft kann das Terminal zur Eröffnung 22 Millionen Passagiere pro Jahr bewältigen. Eine Sprecherin der Berliner Finanzverwaltung betonte am Donnerstag: „Der Senat hält am Konsensbeschluss der drei Gesellschafter fest, wonach Tegel spätestens sechs Monate nach Eröffnung des BER geschlossen wird.“

Der Flughafen-Aufsichtsrat trifft sich am heutigen Freitag. Er will das Finanzkonzept für den BER-Ausbau beraten. Da sich die Gesellschafter bislang nicht darüber einig sind, werden dazu keine Beschlüsse erwartet. Nach jetzigem Stand wollen Berlin und Brandenburg kein weiteres Geld nachschießen. Die Flughafengesellschaft soll sich die fehlenden rund 400 Millionen Euro über Kredite besorgen. Diskutiert werden soll über erste Angebote von Kreditgebern.

Experte Patrick Muller soll neuer Betriebsleiter werden

Der Aufsichtsrat will auch einen neuen Betriebsleiter für die Flughäfen bestimmen. Denn Elmar Kleinert wechselte zu Monatsbeginn nach Bremen. Nach Morgenpost-Informationen soll der Flughafenexperte Patrick Muller sein Nachfolger werden. Er bringe vielfältige, auch internationale Erfahrungen beim Bau und Betrieb von Airports mit, heißt es aus Gesellschafterkreisen. Muller ist als selbstständiger Berater tätig und soll den Posten in Berlin am 1. August antreten, sofern der Aufsichtsrat dem Personal-Vorschlag von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zustimmt. Die Aufgabe Mullers wird sein, den Betrieb von Tegel und Schönefeld sicherzustellen. Er muss auch dafür sorgen, dass der Umzug an den BER klappt. Muller soll einen unbefristeten Vertrag erhalten.

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