Wilmersdorf

Rätsel um unbekannten Jogger nach vier Monaten gelöst

Bei dem bewusstlosen Jogger handelt es sich um einen allein lebenden 74-Jährigen. Der entscheidenden Hinweis kam von einem Anwohner.

Angehörige des Mannes konnten bislang nicht ermittelt werden, zumindest nicht in Berlin

Angehörige des Mannes konnten bislang nicht ermittelt werden, zumindest nicht in Berlin

Als Uwe Dziuba, Hauptkommissar in der Vermisstenstelle des Landeskriminalamtes (LKA), am Donnerstagvormittag ein Wohnhaus an der Brandenburgischen Straße in Wilmersdorf betrat, stand er unmittelbar vor der Lösung eines Rätsels, das seine Dienststelle vier Monate beschäftigt hatte. Wenig später war klar: Bei dem im Koma liegenden Jogger aus dem Volkspark Wilmersdorf handelt es sich um einen allein lebenden, 74 Jahre alten Deutschen iranischer Herkunft.

Damit nahmen die intensiven Bemühungen der Vermisstenstelle doch noch ein – fast nicht mehr erwartetes – erfolgreiches Ende. In einer Pressemitteilung der Polizei von Donnerstag bedankte sich die Dienststelle ausdrücklich bei der Presse und den sozialen Medien für die „gute Öffentlichkeitsarbeit“ und bei der Bevölkerung für die zahlreichen Hinweise in den vergangenen Wochen.

Der entscheidende Tipp kam von einem 25 Jahre alten Nachbarn des lange unbekannt gebliebenen Mannes. Er hatte in einer Zeitung Fotos eines Schlüssels gesehen, die der Jogger bei sich hatte. Am Donnerstagvormittag rief er bei der Vermisstenstelle an und teilte den Beamten mit, der Schlüssel komme ihm „irgendwie bekannt vor“, seiner sehe auch so aus. „Ich bin dann sofort zu der genannten Adresse gefahren“, sagte Hauptkommissar Uwe Dziuba der Berliner Morgenpost. Im Hausflur entdeckte der Beamte drei überquellende Briefkästen. Eine Überprüfung der Namen auf den Kästen ergab, dass es sich in einem Fall tatsächlich um den im Koma liegenden Jogger handeln könnte.

Ein Leben ohne Angehörige und soziale Kontakte

Dziuba steckte den Schlüssel in die Wohnungstür, er passte. „Der Wohnung sah man an, dass lange niemand mehr darin war. An der Garderobe hingen noch die Wintersachen, Blumen und Pflanzen waren vertrocknet und im Kühlschrank lagerte verdorbenes Essen“, beschrieb der Beamte seine Eindrücke. Durch in der Wohnung gefundene Ausweispapiere konnte der Jogger dann endgültig identifiziert werden. Letzte Klarheit soll laut Dziuba jetzt ein Zahnabgleich erbringen.

Der Mann, der den entscheidenden Hinweis gegeben hat, teilte der Polizei bereits bei seinem ersten Anruf mit, er habe zwar den Schlüssel erkannt, kenne aber den Besitzer nicht. Auch andere Hausbewohner gaben bei der Befragung durch die Polizei am Donnerstag an, der 74-Jährige sei ihnen völlig unbekannt.

Angehörige des Mannes konnten bislang nicht ermittelt werden, zumindest nicht in Berlin. Der Deutsch-Iraner führte offenbar ein völlig zurückgezogenes Leben ohne Verwandte und soziale Kontakte, in einer Anonymität, die in Metropolen nicht selten ist. Die Vermisstenstelle informierte daher zunächst das Krankenhaus, die iranische Botschaft und die Betreuerin des 74-Jährigen. Diese wurde ihm amtlich zugeteilt, nachdem der Mann bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Ein normaler Vorgang, wenn jemand aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage ist, selbst zu bestimmen, wie mit ihm verfahren werden soll.

Was weiter mit dem im Koma liegenden Mann geschieht, entscheidet jetzt die Betreuerin, auch darüber welche Möglichkeiten es noch gibt, Angehörige ausfindig zu machen. Für die Polizei sei der Fall jetzt erst einmal abgeschlossen, sagte Dziuba.

Bewusstlos im Volkspark Wilmersdorf aufgefunden

Vier Monate setzte die Vermisstenstelle alles daran, den Mann zu identifizieren. Er hatte keinerlei Ausweispapiere dabei, als er am 13. März im Volkspark Wilmersdorf bewusstlos aufgefunden wurde. Mit sich führte er nur etwas Kleingeld und zwei Schlüssel an einem Ring. Die Schlüssel hatten keine Individualnummern und konnten somit auch keinem Wohnhaus beziehungsweise keiner Wohnungstür zugeordnet werden. Dreimal veröffentlichte die Vermisstenstelle Fotos des Unbekannten.

Für die zuletzt veröffentlichten Bilder wurden dem Bewusstlosen sogar seine ihm zuvor entnommenen Zahnprothesen eingesetzt, in der Hoffnung, dass er so besser zu erkennen ist. Anfang der Woche waren Polizeianwärter mit Duplikaten der Schlüssel rund um den Volkspark in der Hoffnung unterwegs, so die Wohnadresse zu finden. Alle Maßnahmen blieben ohne Erfolg – bis zum Donnerstag.

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