Prozess in Berlin

So legte ein "Laptop-Experte" seine Opfer herein

Ein 35 Jahre alter Berliner muss sich wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor Gericht verantworten. Seine Masche: verblüffend simpel.

Das Landgericht in der Turmstraße in Berlin

Das Landgericht in der Turmstraße in Berlin

Foto: dpa

Berlin. Betrugsprozesse vor den Gerichten in Moabit verfügen ungeachtet ihres ernsten Hintergrundes mitunter über einen hohen Unterhaltungswert. Da erfährt dann ein staunendes Publikum, mit welchen immer neuen und raffinierteren Maschen Betrüger vorgehen, um an das Geld anderer Menschen zu gelangen.

Der Fall Nico B. ist ein perfektes Beispiel. Der 35-jährige Berliner steht seit Mittwoch wegen gewerbsmäßigen Betruges vor Gericht. Und es lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer sagen, was erstaunlicher ist: die Kaltschnäuzigkeit, die der Angeklagte bei seinen Taten an den Tag legte, oder die Leichtgläubigkeit der Opfer, die nicht unwesentlich dazu beitrug, dass das „Geschäftsmodell“ von P. zumindest ein Jahr lang bestens funktionierte.

Einmal gab es auch 10 Euro Trinkgeld zusätzlich

Der 35-Jährige spazierte regelmäßig in Geschäfte hinein und erklärte den Mitarbeitern, er sei von ihrem Chef beauftragt worden, den Rechnungsbetrag für die Reparatur eines Laptops abzuholen. 48 mal ging er zwischen Juni 2016 und Juni 2017 mit dieser Masche vor, in 46 Fällen hatte er Erfolg, kassierte zwischen 100 und 550 Euro. Insgesamt kassierte er mit seiner Masche knapp 11.000 Euro. Tätig wurde B. unter anderem in Einzelhandelsgeschäften, Gaststätten, Tankstellen, Bahnhofskiosken und Hotelfrezeptionen. Zweimal war offenbar nicht genug Geld in der Kasse, Mitarbeiter legten bereitwillig aus eigener Tasche den fehlenden Rest dazu. Und einmal gab es auch noch 10 Euro Trinkgeld zusätzlich.

Nicht einmal einen angeblich reparierten Laptop musste B. dabei haben. Den werde er jetzt aus dem Auto holen, teilte der Angeklagte mit, sobald er das Geld kassierte hatte. Er händigte dem oder der jeweiligen Mitarbeitern eine handschriftliche Quittung aus, unterschrieben mit seinem bevorzugten Falschnamen Andy Zimmermann, verschwand aus dem Geschäft und wurde nie wieder gesehen. Nur ein einziges Mal blieb eine Mitarbeiterin eines ausgewählten Geschäfts misstrauisch und bestand darauf, zuerst selbst mit ihrem Chef zu telefonieren. In dem Fall zog Nico B. es vor, schnell und ohne Beute zu verschwinden.

Angeklagter kann sich an keine Details mehr erinnern

Den Begriff „Geschäftsmodell“ benutzte der Vorsitzende Richter selbst. Streng genommen hätte er von Geschäftsmodellen sprechen müssen. Denn bevor B. die Idee mit den Laptop-Reparaturen kam, war er bereits als angeblicher Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes unterwegs. Dafür wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt und vorzeitig entlassen mit der Auflage unverzüglich eine Therapieeinrichtung aufzusuchen, um seine Drogensucht behandeln zu lassen. Dort kam er allerdings nie an. Er habe „alte Kollegen wiedergetroffen“, erklärte B. dem Gericht. Und begann prompt wieder mit Betrügereien.

Die gestand er am Mittwoch ein, bat aber gleich um Verständnis. Bei der Vielzahl der Delikte wisse er nicht, ob er sich an alle Einzelheiten erinnere, bekannte B. Seine Masche, um die es in diesem Verfahren geht, fand nach einem Jahr ein abruptes Ende. Gegen Niko B. bestand mal wieder ein Haftbefehl vor, als er in Brandenburg in eine Polizeikontrolle geriet. Der Prozess wird am 18. Juli fortgesetzt.

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