Berlin

Trotz Problemen: Neue Polizei-Waffe schon im Einsatz

Bei der Qualitätsprüfung der ersten gelieferten Pistolen gab es Abweichungen bei der vom Hersteller zugesicherten Zielgenauigkeit.

Ein Polizist mit Handschellen und Pistole am Gürtel (Archivbild).

Ein Polizist mit Handschellen und Pistole am Gürtel (Archivbild).

Foto: Oliver Berg / dpa

Berlin.  Trotz Qualitätsmängeln ist die neue Dienstpistole der Berliner Polizei bereits im Einsatz. In der Behörde werden die Probleme, die sich um die Zielgenauigkeit bei einem Teil der bislang ausgelieferten Waffen drehen, als lösbar angesehen. Diesen Dienstag haben bereits die ersten Polizisten ihre zweitägige Ausbildung an der neuen Waffe abgeschlossen und sind damit im Einsatz.

Die Polizei hatte bei Heckler & Koch 24.000 neue Waffen (Modell: SFP9) bestellt. Die ersten 1500 Stück wurden, wie berichtet, vor rund drei Wochen ausgeliefert. Dabei war es bei Tests zu Abweichungen bei der Zielgenauigkeit gekommen. Bei 200 getesteten Waffen fielen knapp 70 durch die interne Qualitätsprüfung der Polizei. Bei 130 Waffen gab es keine Beanstandungen.

Bei einer Pistole fiel das Magazin heraus

Bei diesen Qualitätstests wird von einer speziellen Polizeiabteilung geprüft, ob die gelieferte Ware den versprochenen Standards entspricht. Weil es bei Stichproben Qualitätsmängel gab, hatte man sich in der Behörde entschlossen, alle Waffen der ersten Lieferung zu prüfen. Intern ist man dabei zu der Einschätzung gelangt, dass die Mängel behoben werden können, da die Abweichungen vom Zielbild nicht zu gravierend seien. Die Waffen sollen nun eingeschossen werden.

Bei einer Pistole war beim Test auch das Magazin herausgefallen. Allerdings sei das entgegen anderslautender Berichte kein flächendeckendes Pro­blem. Und es sei auch nicht klar, ob es sich dabei um einen Bedienfehler handelte . Die Waffen sind mit einem Druckknopf ausgestattet, mit dem sich das Magazin einfacher herausnehmen lässt. Die Polizei selbst hatte sich nach Tests für diese Funktion und gegen eine andere Standard-Variante, in der das Magazin durch eine Art Wippe gesichert ist, entschieden.

Auch wenn man in der Polizeibehörde zuversichtlich ist, die neuen Waffen nun schnell auf den Abschnitten zu verteilen, laufen dazu parallel Gespräche mit der Hersteller-Firma Heckler & Koch. Denn es steht die Frage im Raum, wie es zu den Mängeln kommen konnte. Ein mögliches Szenario: ein Preisnachlass bei der Waffenlieferung. Bis Ende dieses Jahres sollen alle Waffen ausgeliefert werden.

„Der Vorgang zeigt, dass das Qualitätsmanagement der Polizei Berlin funktioniert und die Polizistinnen und Polizisten nur mit einwandfreien Waffen ihren Dienst verüben“, sagte der Sprecher der Innenverwaltung, Martin Pallgen auf Nachfrage. Eine schriftliche Anfrage der Berliner Morgenpost bei Heckler & Koch blieb bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe allerdings unbeantwortet.

Warten auf das gepanzerte Spezialfahrzeug

Die Pistolen sind nicht die einzigen in die Jahre gekommenen Ausrüstungsgegenstände, die ersetzt werden sollen. Die Auslieferung von mehr als 6000 neuen Schutzwesten läuft bereits seit September vergangenen Jahres und soll bis ebenfalls Ende 2018 abgeschlossen sein. In den nächsten Wochen erhalten die Beamten außerdem rund 3500 Stück Hals-, Schulter- und Tiefschutz. Ein gepanzertes Spezialfahrzeug, das bei Terroranschlägen zum Einsatz kommen könnte, ist zwar auch bestellt, aber noch nicht ausgeliefert. Ursprünglich sollte die „Direktion Einsatz“ den Wagen bereits im Juli in Empfang nehmen. Nun wird er im vierten Quartal des Jahres erwartet. Die Kosten stiegen von geplanten 500.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro. Ob der „Survivor“ – etwa bei einem Terroranschlag – tatsächlich sinnvoll eingesetzt werden kann, ist unter Experten allerdings umstritten.

Probleme gibt es auch bei den etwa 3500 ballistischen Helmen. Die Auslieferung hätte eigentlich schon beginnen sollen. Der Zuschlag für den Auftrag konnte aber nicht erteilt werden, weil der unterlegene Bieter ein sogenanntes Nachprüfungsverfahren anstrengte.

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