"Aprilscherz"

Fahrgastverband kritisiert Vorschlag des S-Bahn-Chefs

Die Berliner S-Bahn will Stationen der Ringbahn bei Verspätungen nicht mehr anfahren. Linke-Politiker kritisieren "Aprilscherz".

Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin, am Bahnhof Südkreuz (Archivbild)

Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin, am Bahnhof Südkreuz (Archivbild)

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Der Berliner Fahrgastverband Igeb kann dem von der S-Bahn angekündigten Pilotversuch nicht viel abgewinnen. Die S-Bahn Berlin plant, dass verspätete Züge bei einzelnen Stationen künftig durchfahren können. Mit dem Durchfahren von Bahnhöfen ohne Halt sollen die Züge Zeit aufholen, um den regulären Fahrplan wieder einzuhalten.

„Die Idee ist angesichts der vielen Verspätungen auf der Ringbahn zwar nachvollziehbar, aber keinesfalls fahrgastfreundlich“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke der Berliner Morgenpost. Das eigentliche Problem für die Pünktlichkeit sei die schlecht ausgebaute Infrastruktur für die Ringbahn-Linien.

Linke kritisiert "Aprilscherz"

„Wir fordern zum Beispiel seit mehr als 20 Jahren eine dritte Bahnsteigkante am Bahnhof Westend, damit verspätete Züge aus dem Verkehr gezogen werden können. Doch nichts passiert“, sagte Wieseke. Der Fahrgast-Vertreter forderte den Senat auf, den Eigentümer der Schienen-Infrastruktur, die Deutsche Bahn, endlich zum Handeln zu bewegen.

Auch aus der Politik kamen erste - sehr verhaltene - Reaktionen auf den Vorschlag von S-bahn Chef Peter Buchner. Die Landesvorsitzende der Linken, Katina Schubert, erklärte auf Twitter: "Wenn das kein verspäteter und keineswegs witziger Aprilscherz sein sollte, sollte die Verkehrsverwaltung schnellstmöglich übernehmen. So geht das gar nicht." Kultursenator Klaus Lederer (Linke) äußerte sich ähnlich. Er twitterte: "Das soll, mit Verlaub, eine Qualitätsoffensive sein?"

FDP begrüßt Qualitätsoffensive grundsätzlich

Die Berliner FDP äußerte sich zuversichtlicher: „Es ist grundsätzlich begrüßenswert, dass die S-Bahn nun eine Qualitätsoffensive mit vielen einzelnen Maßnahmen durchführt, um pünktlicher und zuverlässiger zu werden", sagte Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Dass großer Verbesserungsbedarf bestehe, sei für jeden S-Bahn-Nutzer offensichtlich, gerade auf der Ringbahn.

"Es muss sich jetzt in der Praxis erweisen, welche Maßnahmen die gewünschten positiven Effekte haben werden", ergänzte er. Dies gelte insbesondere für radikale Maßnahmen wie das Durchfahren einzelner Bahnhöfe ohne Halt. Wenn Fahrgäste deshalb länger warten müssten oder die Kundenzufriedenheit sinke, müsse man dies einer Verringerung der Zahlungen an die S-Bahn sanktionieren.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.