Prozessauftakt

Die Mutter beraubt, den Sohn getötet - Prozessauftakt

Ein Mann und zwei Frauen stehen am Montag wegen vor Gericht. Die Angehörigen der Opfer kämpfen mit tragischen Folgen.

Ein Mann und zwei  Frauen stehen seit Montag vor Gericht.

Ein Mann und zwei Frauen stehen seit Montag vor Gericht.

Foto: imago/blickwinkel

Berlin. Am Abend des 5. November 2017 hat ein brutales Verbrechen in Wilmersdorf innerhalb von Minuten eine ganze Familie zerstört. Es begann mit einem Raubüberfall auf eine 53-jährige Betreiberin eines Spätkaufs und endete mit dem gewaltsamen Tod ihres 21-jährigen Sohnes, der seiner Mutter zu Hilfe eilte und mit einen Messerstich in den Hals getötet wurde.

Drei Männer und zwei Frauen waren nach dem Ergebnis der Ermittlungen an der Tat beteiligt, zwei Beteiligte haben sich danach offenbar ins Ausland abgesetzt. Ein weiterer Mann und zwei Frauen müssen sich ab heute vor dem Landgericht Moabit verantworten.

Zugestochen hat keiner der drei Angeklagten. Hussein R. soll das Fluchtauto gefahren haben, die mitangeklagten jungen Frauen Irem E. (19) und Marilyn Y. (18). sollen den Tatort zuvor ausgespäht und anschließend die Tat durch „Schmiere stehen“ abgesichert haben.

Gemeinschaftliche Tatausführung

Für die Staatsanwaltschaft ist das in diesem Fall ohne Belang. Sie geht davon aus, dass alle drei Angeklagten vollständig in die Planung, Vorbereitung und Durchführung des Verbrechens eingebunden waren. Gemeinschaftliche Tatausführung heißt das im Juristendeutsch und die sieht vor, dass alle Beteiligte gleich behandelt werden, unabhängig von der Art ihrer Tatbeteiligung.

Ob das die wegen des Alters der beiden Frauen zuständige Jugendkammer auch so sieht, wird sich in den fünf angesetzten Verhandlungstagen zeigen.

Angehörige der Opfer kämpfen mit tragischen Folgen

Am Abend des Tattages verließ die gebürtige Vietnamesin Hoan N. mit den Tageseinnahmen ihren Spätkauf an der Bundesallee. Nur wenige Minuten Später folgte der Raubüberfall durch einen der zwischenzeitlich abgetauchten Haupttäter. Das Opfer rief lautstark um Hilfe, dass hörte ihr 21-jähriger Sohn Duc T. in der nahe gelegenen Wohnung. Dem jungen Mann gelang es zunächst, den Räuber zu überwältigen, dann wurde er von einem hinzukommenden weiteren Haupttäter niedergestochen und verblutete noch am Tatort.

Die Ermittler vermuten, dass beide Haupttäter, sowohl der Räuber als auch der Messerstecher in der Türkei untergetaucht sind. Gegen beide wird gesondert ermittelt, ob sie je in Deutschland vor Gericht gestellt werden, ist völlig unklar.

Für die Familie des Getöteten sind die Folgen der Tat im höchsten Maße tragisch. Die Schwester des Getöteten und Tochter des Raubopfers schilderte erst vor wenigen Wochen gegenüber dem Sender RBB, wie die Tat ihre Familie nahezu zerstört hat.

Sie berichtete von ihrer Mutter, die kurz nach der Tat einen schweren Schlaganfall erlitt, an dessen Folgen sie bis heute leidet. Von ihrem Vater, der den Tod seines Sohnes ebenfalls bis heute nicht verkraftet hat. Und von den Kosten für Pflege und Therapien der Mutter, auf der die Familie bislang sitzen geblieben ist.

Im Prozess tritt die Familie als Nebenklägerin auf und hofft auf Gerechtigkeit.

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