Bäume

Bürger besorgt: Bäume werfen ihre alte Rinde ab

Borke ist wegen der Trockenheit besonders hart. BUND bittet, alle Bäume zu gießen.

Plantanen an der Clayallee

Plantanen an der Clayallee

Foto: Isabell Jürgens

Berlin. Die Clayallee im Südwesten Berlins ist von stattlichen Platanen gesäumt. Doch auf den Geh- und Radwegen in ihrem Schatten ist derzeit ein Phänomen zu beobachten, das besorgte Bürger beim Grünflächenamt anrufen lässt und Radfahrer zu Ausweichmanövern zwingt: Die Bäume werfen massenhaft ihre Rinde ab.

Ähnlich sieht es gleich hinter der Englerallee, beim Einbiegen in die Schweinfurthstraße aus, wo ein regelrechter Hindernisparcours die Jogger erwartet. Auf dem Gehweg sieht es aus, als hätte ein Sturm in der Straße gewütet. Die Bäume haben große Teile ihrer Rinde verloren, die nun verstreut auf dem Boden liegen. Vorsicht ist geboten, um nicht draufzutreten und sich eine Schnittverletzung zuzuziehen.

Kein Grund zur Sorge

Doch das derzeit zu beobachtende massive Abwerfen der Rinde, so erklärt die freundliche Mitarbeiterin im Botanischen Garten, sei kein Grund zur Sorge. „Das Abblättern ist ein ganz natürlicher Vorgang, der nur dieses Jahr besonders extrem ausfällt“, beruhigt sie. Der Baum befreie sich von der zu eng gewordenen Borke, dies sei ein Wachstumsprozess und kein Anzeichen für gefährliches Austrocknen infolge des seit Wochen ausbleibenden Regens.

Dennoch habe das derzeit zu beobachtende Abblättern der Rinde durchaus etwas mit dem Klima zu tun, so die Expertin weiter. Da es im Frühjahr viel geregnet habe, seien die Stadtbäume kräftig gewachsen. „Deshalb platzt die alte, dunkle Rinde nun ab und zum Vorschein kommt die neue, helle Rinde“, sagt sie.

Starken Wassermangel könne man dagegen eher an den Blättern der Platanen ablesen. Dass die Rindenstücke in diesem Jahr allerdings besonders hart seien, könne auf die anhaltende Trockenheit zurückgeführt werden. In ein paar Tagen sei dieser Abwurf der alten Rinde aber abgeschlossen, so ihre Prognose.

Aufruf an die Berliner

Aufrund der Trockenheit und der hohen Temperaturen drohen derweil viele andere Pflanzen im öffentlichen Raum zu vertrocknen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ruft die Berliner deshalb erneut dazu auf, Straßenbäume zu wässern. „Der Boden in der Stadt ist nach den letzten Wochen total ausgetrocknet“, warnt Sprecherin Carmen Schultze. Das könne zu langfristigen Schäden in der Natur führen.

Der BUND bitte deshalb die Einwohner Berlins, alle Straßenbäume einmal pro Woche mit acht bis zehn Eimern Wasser zu gießen. Besonders junge Bäume bis zu fünf Jahren und frisch gepflanzte Bäume brauchten viel Wasser.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fiel im Mai und Juni gerade einmal die Hälfte der sonst üblichen Niederschlagsmenge. Und auch in den ersten Julitagen fielen nur lokal begrenzt auf Spandau und Friedrichshagen ein paar Tropfen.

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