Kommentar

Es wird höchste Zeit für die Zusatz-Maut

Noch immer wird Lkw-Transit auf der Stadtautobahn belohnt. Ein falscher Anreiz, findet Isabell Jürgens. Ein Kommentar.

Stau auf der Stadtautobahn.

Stau auf der Stadtautobahn.

Foto: Paul Langrock/Zenit/laif

An der Rudolf-Wissell-Brücke in Charlottenburg wird mal wieder gebaut. Damit die marode Piste auf einer der meistbefahrenen Autobahnabschnitte der Republik überhaupt noch befahren werden kann, werden rund sieben Millionen Euro investiert. In sieben Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein – bevor dann im Jahr 2023 die Arbeiten für einen Neubau beginnen.

Auch wenn Berlins Autofahrer darüber stöhnen, dass sie sich nun wieder wochenlang im Stau stehen – eine Alternative zu diesen Arbeiten gibt es nicht. Dass dafür die Sommerferien genutzt werden, in der bis zu 30 Prozent weniger Kraftfahrzeuge die Stadtautobahn passieren, ist zudem vernünftig.

Noch besser wäre es, wenn die Berliner Verkehrsverwaltung gerade im Hinblick auf das zu erwartenden Verkehrschaos im Zuge des Neubaus ein Projekt wieder aufleben lassen würde, das den Hauptstädtern schon vor vielen Jahren in Aussicht gestellt wurde: Eine Zusatz-Maut für Lastwagen auf der Stadtautobahn.

Ein falscher Anreiz

Tatsächlich nutzen unzählige Lkw-Fahrer im Transitverkehr die A 100 als Abkürzung auf der Nord-Süd-Route. 25 Kilometer kürzer ist die Strecke quer durch Stadt. Je nach Schadstoffklasse oder Achszahl ist die fahrt quer durch die Stadt eine Handvoll Euros günstiger als die Umfahrung über den Berliner Ring. Ein falscher Anreiz, der dringend behoben werden muss, bevor in einigen Jahren die Wissell-Brücke zur Dauerbaustelle wird.

Solch eine Maut wollte schon die damalige Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) einführen lassen. Aber wie so oft in Berlin blieb es bei der Ankündigung, Taten folgten den Worten nicht. Selbst die Prüforganisation Dekra, zu deren Mitgliedern überwiegend Firmen mit gewerblichen Fuhrparks gehören, räumt ein, dass eine solche Maut sinnvoll ist.

Noch wäre Zeit eine entsprechende Bundesratsinitiative zu starten, damit ab 2023 kein Lkw-Fahrer dafür belohnt wird, wenn er die Stadtautobahn verstopft.

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