Sanierungen

Kanalsanierung: Wasserbetriebe kündigen Großbaustellen an

Der Vorstandschef kündigt neue Großbaustellen auf Hauptstraßen an. Dafür sind Investitionen von mehr als zwei Milliarden Euro geplant.

Tempelhofer Damm Kreuzung Mehringdamm Dudenstrasse

Tempelhofer Damm Kreuzung Mehringdamm Dudenstrasse

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin.  Berlins Autofahrer müssen in den kommenden Jahren mit weiteren Großbaustellen auf wichtigen Hauptverkehrsstraßen rechnen. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) werden die unter den wichtigen Magistralen liegenden Großleitungen erneuern.

Man saniere ja ständig Kanäle, aber jetzt müsse das Unternehmen „auch stärker an die großen Leitungen ran“, sagte Vorstandschef Jörg Simon im Interview der Berliner Morgenpost. „Das haben wir bisher zu vermeiden versucht, weil die unter sehr wichtigen Straßen Berlins verlaufen. Aber wir können das nicht aufschieben.“

Arbeiten mit Sanierungsprojekten synchronisieren

Erstes Projekt ist die Sanierung der Rohre unter dem Tempelhofer Damm, die 2020 beginnen soll. Aber auch die Landsberger Allee wird großflächig aufgerissen. Man bemühe sich aber, die Arbeiten mit den Sanierungsprojekten anderer Leistungsbetreiber zu synchronisieren, um die Straßen nicht mehrfach in kurzer Zeit sperren zu müssen. Dennoch werde es sich kaum vermeiden lassen, dass die Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer die Baustellen auch spüren würden, räumte Simon ein.

Die Erneuerung der großen Leitungen ist Teil eines groß angelegten Investitionsprogramms der Wasserbetriebe. Bislang nimmt die Anstalt öffentlichen Rechts pro Jahr etwa 250 bis 270 Millionen Euro in die Hand, um ihre Wasserwerke und Kanäle auszubauen und zu modernisieren, in fünf Jahren wären das 1,3 Milliarden Euro.

„In der nächsten Zeit werden wir da noch einmal eine Milliarde Euro drauflegen“, sagte Simon. Allein 600 Millionen Euro wird es kosten, bis 2025 alle sechs Berliner Wasserwerke mit einer vierten Reinigungsstufe auszustatten, wie es die EU-Wasserrahmenrichtlinie verlangt.

Phosphorgehalt im Wasser senken

Damit wollen die Wasserbetriebe den Phosphorgehalt im Wasser senken. Dieser Dünger lässt die Algen wachsen, das Wasser wird grün und trüb. Trotz der hohen Investitionen sollen die Wassertarife in Berlin bis 2020 stabil bleiben.

Wie andere große Infrastruktur-Investoren leiden die Wasserbetriebe auch unter den fehlenden Kapazitäten der Bauunternehmen. Für größere Millionenaufträge finde man zwar noch Firmen, so der Vorstandschef. Kleinere Aufträge wolle aber kaum noch jemand erledigen. Die Preise, die bei Ausschreibungen angeboten werden, seien um 40 Prozent gestiegen.

Um sich von Fremdfirmen unabhängiger zu machen und kleinere Schäden schnell beheben zu können, will Simon einen eigenen Bautrupp mit 30 Mitarbeitern aufbauen. „Das wird uns flexibler machen“, glaubt der Manager, der die Wasserbetriebe seit 1999 führt.

Unternehmen wichtiges Instrument für den Senat

Für den Senat und die rot-rot-grüne Koalition sind die Wasserbetriebe und ihr Management inzwischen ein wichtiges Instrument, um eigene politische Vorhaben umsetzen zu lassen. So betreiben die Wasserbetriebe das noch in der vergangenen Legislaturperiode gegründete Berliner Stadtwerk.

Neben dem Angebot von regional erzeugtem Ökostrom an Endkunden steigt das Stadtwerk nun auch größer in die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude ein. „Als erstes Objekt haben wir uns mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH auf das Polizeigelände an der Friesenstraße geeinigt“, sagte Simon. Das sei ein großes Projekt, an dem man zeigen könne, wie so etwas mit dem Stadtwerk funktioniere.

Außerdem sei man mit den Bezirken in Gesprächen, um für sie tätig zu werden. „Das kann dann innerhalb des „Konzerns Berlin“ ohne Ausschreibungen erfolgen“, so der BWB-Chef.

Auch den krisengeschüttelten Berliner Bäderbetrieben sollen die Wasserversorger unter die Arme greifen. In der Diskussion über eine Übernahme, wie sie Politiker von SPD und Linken empfehlen, zeigte sich Simon zurückhaltend. „Wir können aber helfen, weil wir zum Teil vergleichbare Herausforderungen zu bewältigen haben“, so der Wasserbetriebe-Chef.

Das Unternehmen habe eine Systematik entwickelt, um seine Anlagen zu überwachen und Sanierungen zu planen. „So eine Herangehensweise könnte man sicher auch für die Bäder einführen“, sagte Simon.

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