Berliner Universitäten

65 Prozent aller Studienfächer haben einen NC

Berlin ist deutschlandweit an der Spitze mit hohen Zulassungsbeschränkungen für Studiengänge. Die TU versucht einen anderen Weg.

Am beliebtesten sind die Studienfächer Psychologie, BWL und Jura

Am beliebtesten sind die Studienfächer Psychologie, BWL und Jura

Foto: dpa / dpa/DPA

Berlin hat die meisten Zulassungsbeschränkungen für Studierende in Deutschland. Das geht aus einer Untersuchung des Centrums für Hochschulentwicklung hervor, die jetzt vorliegt. Demnach besteht für 65 Prozent aller Studiengänge in der Hauptstadt ein Numerus clausus (NC). Im Bundesschnitt liegt die NC-Quote nur bei 41,1 Prozent. Hamburg folgt der Untersuchung zufolge mit 64,4 Prozent auf Rang zwei, gefolgt vom Saarland und Bremen mit jeweils 60 Prozent. Die niedrigste NC-Quote gibt es in Thüringen (rund 20 Prozent).

Wer dennoch in Berlin studieren will, sollte laut Untersuchung nicht den Mut verlieren. Die Verfasser empfehlen, sich nicht von einem NC abschrecken zu lassen, sondern trotzdem eine Bewerbung abzuschicken. „Die Tatsache, dass es eine Zulassungsbeschränkung gibt, und die Auswahlgrenzen aus den letzten Jahren bieten letztlich nur eine grobe Orientierung“, schreiben die Autoren. „Schreckt der NC für einen bestimmten Studiengang viele von einer Bewerbung ab, kann es passieren, dass letztlich doch alle Bewerber zugelassen werden.“ Darüber hinaus empfehlen die Autoren, sich an verschiedenen Uni-Standorten zu bewerben.

Die TU hat ein eigenes Zulassungsverfahren

Die Technische Universität (TU) Berlin geht seit einiger Zeit einen anderen Weg. „20 von 49 Bachelorstudiengängen haben von vornherein keinen NC“, sagt der Leiter der Allgemeinen Studienberatung der TU, Baris Ünal. „Im vergangenen Semester sind zudem in sieben NC-Fächern alle Bewerber zugelassen worden.“ Für fast alle weiteren Studiengänge gelte eine Wartezeit von ein bis zwei Semestern.

Die geringen Zugangshürden an der TU gehen auf ein eigenes Zulassungsverfahren zurück. An der TU wird nur jeder zweite Studienplatz nach der Abiturnote vergeben, die andere Hälfte nach Wartezeit. An der Freien Universität (FU) und der Humboldt-Universität (HU) wird nur jeder fünfte Studienplatz nach der Wartezeit verteilt, was zu teilweise langen Wartezeiten und hohen Zulassungshürden führt.

TU-Präsident Christian Thomsen verteidigt den Sonderweg. „Im Grunde genommen bin ich gegen den NC“, sagt er. „Er schränkt die Freiheit der Berufswahl ein.“ Dabei nimmt die TU überfüllte Hörsäle in Kauf, um möglichst vielen das Studium zu ermöglichen. „Wir verfolgen das Prinzip der offenen Uni“, sagt Thomsen.

In Berlin leben derzeit rund 190.000 Studenten. An der TU haben im Wintersemester 2017/2018 insgesamt 7300 Studenten ihr Studium aufgenommen. Die beliebtesten Fächer sind Wirtschaftsingenieurwesen, Architektur und Maschinenbau. An der HU haben sich zum vergangenen Semester 41.000 Personen für ein Studium beworben. Am begehrtesten waren Psychologie, Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaften.

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